Asche in der Klempnersiedlung
In der Klepnersiedlung bei Kakenstorf brennt eine verwahrloste Hütte ab. In der Asche liegt Gerd Lohmann, um den seit Jahren dunkle Gerüchte kreisten. Hinnerk Kuhlmann folgt der Spur von Rache, Schweigen und Schuld – bis klar wird: Nicht jeder Täter zündet das Feuer selbst an.
Ein Hinnerk-Kuhlmann-Krimi von Terry Simon
Das Feuer war schon aus, als Hinnerk Kuhlmann kam.
Es roch trotzdem noch, als brenne die Nacht weiter. Nach nassem Holz, geschmolzenem Plastik, kaltem Rauch und jener süßlichen Schwere, die Kuhlmann nicht mochte, weil sie selten allein kam. Über der Klempnersiedlung in Kakenstorf hing der Morgen wie ein grauer Lappen. Zwischen alten Wochenendhütten standen Birken, Schuppen, verrostete Anhänger und Gartenzwerge, denen der Frost die Farbe aus den Gesichtern gezogen hatte.
Die abgebrannte Hütte lag am Ende eines schmalen Sandwegs.
Oder das, was von ihr übrig war.
Ein schwarzes Rechteck. Balken wie verkohlte Knochen. Wellblech, das sich in der Hitze verbogen hatte. Ein Kamin, der einsam in die Luft ragte, als habe jemand das Haus um ihn herum vergessen. Feuerwehrschläuche lagen noch im Gras. Polizisten stapften über aufgeweichten Boden. Eine Nachbarin stand am Zaun und hielt eine Thermoskanne, ohne zu trinken.
Kriminalhauptkommissarin Jana Wrede sah Kuhlmann kommen und verzog das Gesicht.
„Du bist früh.“
„Ich konnte nicht schlafen.“
„Das ist kein Dienstausweis.“
„Nein“, sagte Kuhlmann. „Aber manchmal ein Anfang.“
Er trug seinen alten Lodenmantel, eine Mütze, die schon bessere Jahrzehnte gesehen hatte, und Gummistiefel, die an der Seite undicht waren. In der Hand hielt er sein Notizbuch. Er sah aus wie ein pensionierter Lehrer, der den falschen Waldweg genommen hatte.
Jana zeigte auf die Ruine.
„Eine Leiche. Männlich. Vermutlich der Besitzer.“
„Name?“
„Gerd Lohmann. Achtundsechzig. Lebte allein. Hütte halb verfallen, Grundstück vermüllt, Streit mit allen Nachbarn. Strom offiziell abgestellt. Trotzdem brannte nachts Licht.“
Kuhlmann sah zur Ruine.
„Kerzen?“
„Vielleicht. Vielleicht auch nicht.“
„Warum bin ich hier?“
Jana schwieg einen Moment.
Dann sagte sie: „Weil der Name dir etwas sagen wird.“
Kuhlmann sah sie an.
„Lohmann“, sagte Jana. „Früher Kinderfeste. Sommer. Würstchen. Limonade. Schatzsuche im Wald.“
Der Wind fuhr durch die Birken. Irgendwo klapperte loses Blech.
Kuhlmanns Gesicht veränderte sich kaum. Aber Jana kannte ihn lange genug.
„Ach“, sagte er leise.
„Du hast davon gehört?“
„In der Heide hört man alles. Meistens zu spät.“