AWO UND MIGRATION: Wenn der Flüchtlingshelfer zugleich Lobbyist und Auftragnehmer des Staates ist
Millionen aus öffentlichen Kassen, Flüchtlingsunterkünfte und professionelle Lobbyarbeit: Die AWO ist Dienstleister und Interessenvertreter zugleich. Unsere Recherche zeigt, welche Gelder fließen, wie das Migrationsnetzwerk funktioniert und wo institutionelle Eigeninteressen entstehen.
Hunderttausende Beschäftigte, mehr als 18.000 Einrichtungen, Millionen aus öffentlichen Kassen und professionelle Lobbyarbeit in Berlin: Die Arbeiterwohlfahrt ist längst weit mehr als ein klassischer Wohlfahrtsverband. Gerade bei Migration und Flüchtlingshilfe zeigt sich ein bemerkenswertes System: Die AWO erbringt staatlich finanzierte Leistungen – und kämpft gleichzeitig politisch dafür, dass diese Strukturen erhalten und ausgebaut werden.
Von der Migrationsberatung über Asylverfahrensberatung bis zur Flüchtlingsunterkunft: Die AWO gehört zu den großen Akteuren der deutschen Sozialwirtschaft. Gleichzeitig fordert sie mehr Geld für Migrationsdienste, den Ausbau humanitärer Aufnahmeprogramme und den Erhalt staatlich finanzierter Beratungsangebote. Ist das nur Sozialpolitik – oder längst ein institutionelles Eigeninteresse?
Die Antwort beginnt mit einer Zahl:
253.333 Beschäftigte.
So viele Arbeitnehmer zählte die Arbeiterwohlfahrt Ende 2024 nach eigenen Angaben bundesweit. Dazu kamen 263.390 Mitglieder und 68.834 Ehrenamtliche. Die AWO unterhält nach eigenen Angaben mehr als 18.000 Einrichtungen und Dienste.
Damit ist die AWO kein kleiner Verein engagierter Sozialhelfer. Sie ist ein gewaltiger sozialwirtschaftlicher Verbund.
Pflegeheime, Kindertagesstätten, Beratungsstellen, Jugendhilfe, Behindertenhilfe, soziale Dienste – und längst auch eine umfangreiche Infrastruktur rund um Migration, Integration, Asyl und Flüchtlingsunterbringung.
Gerade dieser Bereich verdient einen genaueren Blick.
Denn hier nimmt die AWO mehrere Rollen gleichzeitig ein.
Sie ist Dienstleister.
Sie ist Empfänger öffentlicher Fördermittel.
Sie ist Betreiber von Einrichtungen.
Und sie ist gleichzeitig Lobbyist gegenüber Bundesregierung und Bundestag.
Fast eine halbe Million Euro für Interessenvertretung
Das offizielle Lobbyregister des Deutschen Bundestages liefert ungewöhnlich konkrete Zahlen.
Für das Geschäftsjahr 2025 gibt der AWO Bundesverband jährliche Aufwendungen für Interessenvertretung von 440.001 bis 450.000 Euro an.