Das Licht im Moor
Um 2.17 Uhr leuchtet plötzlich eine Lampe in einer verlassenen Kate im Moor. Dort findet Hinnerk Kuhlmann den Steuerberater Robert Mahler – tot, ohne sichtbare Verletzungen. Ein rätselhafter Zettel und alte Familienspuren führen den Ermittler nun zu einem Verbrechen, das nie ans Licht kommen sollte.
Ein Hinnerk-Kuhlmann-Krimi von Terry Simon
Um 2.17 Uhr ging im Moor ein Licht an.
Es stand reglos zwischen Birken und schwarzem Wasser, dort, wo seit Jahren niemand mehr wohnte. Ein einzelnes gelbes Rechteck in der Dunkelheit.
Der Spaziergänger, der es sah, rief die Polizei.
Als Hinnerk Kuhlmann eine Stunde später über den schmalen Bohlenweg ging, hing der Nebel so tief, dass selbst die Taschenlampen darin stecken zu bleiben schienen. Hinter ihm fluchte Jana Wrede leise über ihre nassen Schuhe.
„Das Haus ist seit 1998 unbewohnt“, sagte sie. „Kein Stromanschluss, kein Wasser, kein vernünftiger Weg.“
Vor ihnen tauchte eine kleine Kate auf. Schiefes Dach, verwitterte Bretter, zwei blinde Fenster.
Im linken Fenster brannte Licht.
Hinnerk blieb stehen.
„Kein Strom?“
„Seit sechsundzwanzig Jahren.“
Die Haustür war nicht verschlossen.
Drinnen roch es nach feuchtem Holz, Petroleum und etwas Süßlichem. Auf einem Tisch stand eine alte Lampe. Daneben saß ein Mann.
Er saß gerade, die Hände auf den Knien, den Kopf leicht nach vorn geneigt.
Er war tot.
„Robert Mahler“, sagte Jana nach einem Blick auf den Ausweis. „Zweiundfünfzig. Steuerberater aus Buchholz.“
Hinnerk sah auf die Lampe.
Die Flamme brannte ruhig. Der Docht war frisch geschnitten.
„Wer hat ihn gefunden?“
„Niemand. Der Spaziergänger hat nur das Licht gesehen.“
„Dann wollte jemand, dass wir herkommen.“
Mahler hatte keine sichtbaren Verletzungen. In seiner Manteltasche lagen Autoschlüssel, Geldbörse und ein gefalteter Zettel.
Darauf standen drei Worte:
Sie kennt den Weg.