Das Schmierentheater der neuen Tugend – Von Westen, Weibern und den Wächtern der Wahrheit
Es ist die Woche der großen Maskeraden. Während die einen den Schutzwall aus Kevlar tragen, baut die Regierung an Steuerwällen, hinter denen sie ihr Unvermögen verbirgt. Man darf gespannt sein, wann der Vorhang fällt und was vom Ensemble übrig bleibt
Deutschland, den 29. März 2026
Man weiß in diesen Tagen in der gesamten Republik kaum mehr, ob man den Blick auf die politische Tribüne oder in die digitalen Flimmerkisten richten soll, so sehr gleichen sich die Darbietungen an. Während die Bundesregierung unter dem gestrengen Regiment des Herrn Merz das Portemonnaie des kleinen Mannes mit neuen Steuerlasten beschwert, um in fernen Landen wie Peru für kühle Lüfte zu sorgen, wird uns auf der moralischen Bühne ein ganz besonderes Schauspiel geboten.
Eine neue Vorkämpferin für die Rechte der Frauen hat die Szene betreten: Frau Collien Fernandes. Ihr schauspielerisches Naturell, das sie schon in jungen Jahren als „Schulmädchen“ im Privatfernsehen zur Schau stellte, findet nun in der politischen Arena seine Vollendung. Man sieht sie neuerdings gar in schusssicherer Weste auftreten. Ein Kostüm, das wohl die Gefährlichkeit ihrer Mission unterstreichen soll, in Wahrheit aber eher davon kündet, dass in der Republik der Schein längst über das Sein triumphiert hat. Wer gestern noch für die Gazetten der Sinnenlust fast alle Hüllen fallen ließ, braucht heute eben stärkere Textilien, um die moralische Fallhöhe abzufedern.
Doch dieses Solo-Stück wäre unvollständig ohne sein juristisches Souffleur-Ensemble. In den Hallen der Dame Miosga gab man sich zur Prime Time die Ehre: Auf der einen Seite die Frau Fernandes mit dem Augenaufschlag der professionellen Darstellerin, auf der anderen die kühle Flanke der neuen Ordnung: Josephine Ballon von der Organisation HateAid.
Man sah ein Phänomen, das wir in der Republik der Darsteller immer öfter beobachten: Das grinsende Opfer. Wo man Betroffenheit und das Ringen um Worte erwartete, lieferte Frau Fernandes eine makellose Performance ab. Mit einem Lächeln, das keine Regung zuließ, spulte sie geschliffene, offensichtlich auswendig gelernte Sätze über spanische Rechtsnormen ab. Es war nicht die Stimme einer Leidenden, sondern die eiskalte Rhetorik einer Aktivistin, die ihr privates Schicksal als politisches Rammbock nutzt. Wer so auftritt, darf sich nicht wundern, wenn das Publikum nicht Mitgefühl, sondern Skepsis empfindet.
Es ist ein wahrlich meisterhaftes Arrangement. Während die eine von „digitaler Gewalt“ berichtet und dabei auswendig gelernte Sätze schwafelt, assistiert die andere mit der Präzision einer staatlich geduldeten Aufseherin. Dass Frau Ballon jenseits des Ozeans mittlerweile als „Persona non grata“ gilt, weil die US-Administration ihren Eifer schlicht als das bezeichnet, was er ist – nämlich Zensur –, scheint man beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk geflissentlich zu überhören.
Überall im Land fragt man sich: Wer führt die Regie bei diesem rührseligen Stück? Und wer bezahlt die Kulissen, während der Bürger unter der Benzinpreis-Bombe ächzt? Das „grinsende Opfer“ und die „strenge Juristin“ bilden das perfekte Tandem, um eine Kampagne für neue Fesseln des freien Wortes – das sogenannte Klarnamengesetz – zu befeuern. Eine erstklassige Werbesendung für eine Zensurorganisation, pünktlich zum Sonntagabend.
Es ist die Woche der großen Maskeraden. Während die einen den Schutzwall aus Kevlar tragen, baut die Regierung an Steuerwällen, hinter denen sie ihr Unvermögen verbirgt. Man darf gespannt sein, wann der Vorhang fällt und was vom Ensemble übrig bleibt, wenn das Publikum der leeren Versprechungen und der kostspieligen Symbolik endlich überdrüssig wird.
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