Der Block-Prozess: Wenn aus einem Strafverfahren ein endloser Familienkrieg wird
84 Verhandlungstage im Block-Prozess, 15 weitere Termine. Statt allein die strafrechtliche Verantwortung zu klären, beschäftigt sich das Gericht immer wieder mit dem Familienkonflikt. Ein Essay über Prozessführung, Geschädigte und die Grenzen der Wahrheitsfindung.
84 Verhandlungstage, 15 weitere Termine und noch immer kein Urteil. Das Hamburger Landgericht beschäftigt sich mit einem Familienkonflikt, obwohl es über konkrete Straftaten entscheiden soll. Die Frage ist längst nicht mehr nur, wer die Entführung der Block-Kinder beauftragt hat. Die Frage ist inzwischen auch: Was macht eigentlich dieses Gericht?
Es gibt Verfahren, deren Länge sich aus ihrer Komplexität erklärt. Internationale Wirtschaftskriminalität etwa, komplizierte Finanztransaktionen, Hunderte Geschädigte, Tausende Aktenordner. Und es gibt den Strafprozess gegen Christina Block am Hamburger Landgericht.
84 Verhandlungstage hat dieser Prozess inzwischen hinter sich. 15 weitere hat das Gericht gerade angesetzt. Bis Ende Februar 2027 soll nun weiterverhandelt werden. Ein Ende ist damit noch lange nicht garantiert.
Man darf die Frage stellen, ob hier noch mit der notwendigen Konzentration Recht gesprochen wird. Oder ob ein Strafverfahren längst zu einem Schauplatz geworden ist, auf dem ein erbitterter Familienkonflikt immer neue Fortsetzungen erlebt.