Bürgerlich-liberale Zeitung

Die Bibliothek

Der Mann im letzten Abteil

Ein Toter sitzt im letzten Abteil, der Kaffee neben ihm ist noch warm. Alles deutet auf Mord – bis eine verschwundene Ledertasche, eine verkleidete alte Frau und ein Junge mit einer Fahrkarte Hinnerk Kuhlmann zu einer Wahrheit führen, die weit größer ist als der Tod eines Mannes.

Der Mann im letzten Abteil
Der Tote im letzten Abteil – Ein Hinnerk-Kuhlmann-Krimi

Ein Kurzkrimi für Die Vossische

Als der Zug in Buchholz einfuhr, saß im letzten Abteil ein toter Mann.

Das allein wäre schlimm genug gewesen. Aber der Mann saß aufrecht am Fenster, die Hände ordentlich auf den Knien, den Hut tief ins Gesicht gezogen, als habe er nur kurz die Augen geschlossen. Neben ihm stand ein Pappbecher Kaffee. Noch warm.

„Herzinfarkt“, sagte der Zugbegleiter.

Hinnerk Kuhlmann sah auf den Kaffee. Dann auf die Schuhe des Toten. Blank geputzt. Schwarzer Anzug. Grauer Mantel. Keine Tasche.

„Vielleicht“, sagte Hinnerk.

Kriminalhauptkommissarin Jana Wrede kam drei Minuten später durch den Gang. „Warum bist du schon hier?“

„Ich wollte nach Hamburg.“

„Natürlich.“

„Jetzt fahre ich offenbar nicht.“

„Du störst offenbar auch hier.“

Hinnerk nickte freundlich. „Der Mann hat keinen Fahrschein.“

„Woher weißt du das?“

„Weil der Zugbegleiter ihn sonst zuerst kontrolliert hätte. Nicht zuletzt.“

Der Zugbegleiter wurde rot.

Der Tote hieß laut Ausweis Erik Martens, 62, wohnhaft in Seevetal. Früher Steuerberater. Vor zwei Jahren Ruhestand. Keine sichtbaren Verletzungen. Kein Blut. Kein Kampf. Nur ein kleiner dunkler Fleck am linken Hemdärmel.

„Tinte“, sagte Jana.

„Oder Kaffee“, sagte der Zugbegleiter.

Hinnerk beugte sich nicht vor. Er roch nur kurz. „Keins von beidem.“

Jana sah ihn an. „Sag es nicht.“


Ein Toter im letzten Abteil. Keine sichtbare Verletzung, kein Anzeichen eines Kampfes – nur ein noch warmer Kaffee und ein Detail, das Hinnerk Kuhlmann misstrauisch macht.

Was wie ein gewöhnlicher Todesfall beginnt, führt zu einem sorgfältig inszenierten Rätsel. Und zu der Frage, wer in diesem Zug die Wahrheit sagt.

Jetzt den vollständigen Kurzkrimi lesen

Weiterlesen mit einem Abonnement der Vossischen.