Der Mythos vom „politischen Islam“
Der Begriff „politischer Islam“ verschleiert den Machtanspruch orthodoxer Verbände. Wer liberale Muslime schützen will, muss ausländische Einflussnahme, staatliche Privilegien und religiösen Druck begrenzen – und Freiheitsrechte konsequent über religiöse Normen stellen. Der Rechtsstaat muss handeln.
Wie der Rechtsstaat den liberalen Islam vor der eigenen Orthodoxie schützen muss
In der westlichen Debatte wird seit Jahren eine künstliche Trennung aufrechterhalten: Auf der einen Seite stehe der „friedliche Glaube“, auf der anderen der gefährliche „politische Islam“. Diese Differenzierung ignoriert jedoch das Selbstverständnis der islamischen Orthosie. Im orthodoxen Islam bilden Religion, Recht und gesellschaftliche Ordnung eine untrennbare Einheit. Die Unterscheidung zwischen Glaube und Machtanspruch ist eine westliche Projektion – der orthodoxe Mainstream versteht sich seit jeher als allumfassendes Regelwerk für Gesetz, Politik und Gesellschaft.
Wer diesen Machtanspruch hinterfragt, trifft auf ein wirkungsvolles rhetorisches Abwehrinstrument: den Kampfbegriff der „Islamophobie“. Von orthodoxen Verbänden und ihren Unterstützern gezielt im Diskurs platziert, dient er als begriffliche Keule, um jede sachliche Kritik an patriarchalischen Strukturen, Frauenfeindlichkeit, Homophobie oder Rechtsstaatsfeindlichkeit im Keim zu ersticken. Aus berechtigter Auflehnung gegen religiösen Fundamentalismus wird so fälschlicherweise ein rassistisches Delikt gemacht.