Der suizidale Pakt

Das größte geopolitische Missverständnis des 21. Jahrhunderts hat den Westen in eine fatale Abhängigkeit manövriert. Konfrontiert mit Chinas digitalem Totalitarismus und getrieben von ökonomischer Gier, drohen Demokratien nun, ihre rechtsstaatlichen Prinzipien von innen heraus selbst abzuschaffen.

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Der suizidale Pakt
Die Auseinandersetzung mit der chinesischen Diktatur ist der ultimative Stresstest für den westlichen Rechtsstaat im 21. Jahrhundert.

Westliche Gier, Chinas Aufstieg und das Paradoxon des Rechtsstaates, der sich selbst zerstört

Das größte geopolitische Missverständnis des frühen 21. Jahrhunderts basierte auf einer bequemen Illusion. Als die Volksrepublik China im Dezember 2001 nach jahrelangen Verhandlungen offiziell der Welthandelsorganisation (WTO) beitrat, feierte die westliche Welt dies als den endgültigen Triumph des liberalen Kapitalismus. Es herrschte das unumstößliche Dogma des „Wandels durch Handel“: Die Annahme, dass die Verflechtung eines autokratischen Systems mit den freien Märkten des Westens eine gesellschaftliche, rechtliche und schließlich politische Liberalisierung nach sich ziehen müsse. Wer Wohlstand sät, so die liberale Teleologie, werde unweigerlich Demokratie ernten.

Ein Vierteljahrhundert später stehen wir vor den Trümmern dieser geschichtsphilosophischen Naivität. Das Gegenteil ist eingetreten.