Die moralische Bühne: Wenn Gedenken zur Ego-Show wird
Der Eklat um Tobias Korenke im Bendlerblock entlarvt eine gefährliche Fehlentwicklung: Die Instrumentalisierung des Widerstands als moralische Bühne. Wer Gedenken zur Zensur macht und nur gegen rechts statt für Werte streitet, betreibt bloße Selbstdarstellung statt Erinnerungskultur.
Eklat am Bendlerblock: Wie eine mediale Inszenierung die Erinnerungskultur spaltet und den Geist des Widerstands missbraucht.
Der 20. Juli ist ein Tag, an dem Deutschland innehält. Es ist der Tag, an dem wir jener Männer und Frauen gedenken, die in einer der dunkelsten Stunden der Geschichte bewiesen haben, dass Gewissen und Mut schwerer wiegen als Gehorsam und Karriere. Wenn wir den Bendlerblock betreten, betreten wir einen Ort der Demut.
Doch was wir heute gesehen haben, ist eine traurige Kapitulation vor der eigenen Eitelkeit. Dr. Tobias Korenke, Großneffe Dietrich Bonhoeffers, hat den Gedenktag genutzt, um sich zur Hauptfigur einer politischen Inszenierung zu machen. Indem er versuchte, einen Kranz der AfD-Fraktion zu entfernen und dabei gewaltsam wurde, hat er eines bewiesen: Ihm geht es nicht um das stille Gedenken an den Widerstand. Ihm geht es um die Inszenierung des eigenen moralischen Selbstbildes.
Ein Lebenslauf als Bühne für den "Anti-Rechts"-Reflex
Korenke ist ein brillanter Netzwerker. Sein Lebenslauf – von der FUNKE Mediengruppe bis zur Geschäftsführung bei yeswecan!cer – zeugt von einem Mann, der es versteht, sich in gesellschaftlich relevanten Feldern zu positionieren. Dass er sich für Krebshilfe einsetzt, ist löblich. Doch politisch ist er zu einer Figur geworden, deren einziges erkennbares Profil darin besteht, das „Gegen Rechts“-Narrativ zu bedienen.
Hier liegt das eigentliche Problem: Wer sich als Nachfahre eines Mannes wie Dietrich Bonhoeffer präsentiert, nimmt ein schweres Erbe an. Bonhoeffers Widerstand war nicht laut, er war nicht effekthascherisch, er war theologisch und intellektuell fundiert. Korenkes heutiger Auftritt wirkt dagegen wie die leere Hülse einer Identitätspolitik. Er steht „gegen rechts“ – das ist eine Position, die heute in den Medienhäusern und in weiten Teilen der Berliner Blase Applaus garantiert. Aber wofür steht er eigentlich?
„Ich stehe für nichts“ als neue politische Methode
Wenn das einzige politische Alleinstellungsmerkmal darin besteht, den Gegner aus dem öffentlichen Raum zu verbannen, dann ist man nicht der Hüter liberaler Werte, sondern deren Totengräber. Wer den Bendlerblock in eine Arena der Zensur verwandelt, zeigt, dass er auf dem Auge, das den demokratischen Diskurs und die Pluralität betrifft, blind ist.
Es ist bezeichnend: Zu den drängenden Krisen unserer Zeit, zu den Fehlentwicklungen einer zunehmend polarisierten Gesellschaft, zu den Gefahren für den Rechtsstaat von ganz anderer Seite, schweigt der Publizist Korenke. Sein politisches Leben ist eine Einbahnstraße geworden. Er „steht“ nicht für eine umfassende Vision einer freien Gesellschaft – er „steht“ lediglich dagegen. Damit entwertet er sich selbst.
Das Fazit: Ein Vandalismus der Erinnerungskultur
Was wir im Bendlerblock erlebt haben, war kein Widerstand. Es war die arrogante Anmaßung eines Mannes, der glaubt, er könne über die Legitimität von Gedenken entscheiden. Indem er den Gedenkort zur Bühne seiner persönlichen moralischen Empörung machte, hat er das Andenken seines Großonkels, des mutigen Theologen Bonhoeffer, nicht geehrt, sondern in den Schmutz gezogen.
Wer in der Politik nur als lautstarker Gegner glänzt, aber keinen positiven, universellen Freiheitsbegriff zu bieten hat, ist letztlich ein Opportunist der Moral. Die Geschichte der Widerstandskämpfer verdient mehr als diese billige Inszenierung. Sie verdient Menschen, die – ganz in Bonhoeffers Sinne – die Größe besitzen, die Differenz auszuhalten, anstatt sie durch Vandalismus auslöschen zu wollen.
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