Bürgerlich-liberale Zeitung

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Die Uhr im Schaufenster

Als die Standuhr Punkt Mitternacht schlägt, fällt Uhrmacher Friedrich Mertens tot vom Stuhl. Herzversagen? Hinnerk Kuhlmann zweifelt. Denn alle Uhren im Laden zeigen 23.47 Uhr – nur eine behauptet, es sei zwölf. Eine falsch gestellte Uhr, ein vergiftetes Erbstück und zwei Kinder alter Lügen.

Die Uhr im Schaufenster
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Ein Hinnerk-Kuhlmann-Krimi von Terry Simon

Als die Standuhr im Schaufenster Punkt Mitternacht schlug, fiel drinnen der Uhrmacher tot vom Stuhl.

Niemand hätte es sehen sollen. Die Straße in Buchholz war leer, die Geschäfte dunkel, der Regen dünn wie Nähgarn. Doch auf der anderen Straßenseite stand Hinnerk Kuhlmann unter dem Vordach der Apotheke und wartete darauf, dass Jana Wrede ihn endlich abholte.

„Du bist zu früh“, sagte Jana, als sie aus dem Wagen stieg.

„Der Tote auch“, sagte Hinnerk.

Zehn Minuten später war die Ladentür aufgebrochen. Hinter dem Tresen lag Friedrich Mertens, 78, Uhrmachermeister, Witwer, stadtbekannt schweigsam. Auf dem Tisch vor ihm standen drei Taschenuhren, ein halb volles Glas Wasser und ein Teller mit zwei trockenen Keksen. Keine Einbruchspuren. Kein Kampf. Kein Blut.

„Herz“, sagte der Notarzt.

Hinnerk sah zur Standuhr im Fenster. „Vielleicht.“

Jana zog die Handschuhe an. „Wenn du jetzt sagst, die Uhr hat ihn ermordet, gehe ich.“

„Nein“, sagte Hinnerk. „Aber sie hat gelogen.“

Die Standuhr zeigte zwölf. Alle anderen Uhren im Laden zeigten 23.47 Uhr.


Punkt Mitternacht schlägt die Standuhr – und Uhrmacher Friedrich Mertens fällt tot vom Stuhl. Herzversagen? Hinnerk Kuhlmann glaubt kein Wort. Denn während hundert Uhren 23.47 Uhr zeigen, behauptet nur eine, es sei zwölf. Und diese Uhr lügt.