Die WeAct-E-Mail-Falle: Bürger liefern den Protest – Campact behält die Kontakte
Lokale Initiativen liefern Anliegen, Glaubwürdigkeit und Unterschriften – doch die E-Mail-Adressen bleiben bei Campact. Wie WeAct Bürgerprotest in zentrale Datenmacht verwandelt, welche Rolle Spenden und Wahlkampagnen spielen und warum auch die HateAid-Beteiligung wichtig ist.
Eine Schule soll schließen, ein Wald gerodet, ein umstrittenes Bauprojekt durchgesetzt werden: Lokale Bürgerinitiativen brauchen schnell Reichweite – und landen bei WeAct. Campacts Petitionsplattform verspricht professionelle Hilfe, technische Infrastruktur und Zugang zu einem Millionenpublikum. Doch der Preis steht im Kleingedruckten: Die Initiative liefert Anliegen, Glaubwürdigkeit und Mobilisierung. Die entscheidenden E-Mail-Adressen bleiben unter der Kontrolle von Campact. So wird aus lokalem Protest ein Baustein für die Datenmacht einer 26-Millionen-Euro-NGO.

Der Start einer Onlinepetition dauert nur wenige Minuten. Ein Titel, eine Forderung, ein emotionales Bild – und schon kann die Unterschriftensammlung beginnen. Für kleine Bürgerinitiativen wirkt WeAct wie ein demokratischer Verstärker: keine eigene Software, keine komplizierte Technik, keine Kosten. Besonders aussichtsreiche Petitionen kann Campact über Newsletter, Internet und soziale Netzwerke bewerben.
Das ist eine enorme Leistung. Es ist aber kein uneigennütziges Geschenk. WeAct ist kein neutraler öffentlicher Marktplatz, sondern die Petitionsplattform einer politisch klar positionierten Kampagnenorganisation. Wer die Infrastruktur kontrolliert, kontrolliert auch die Regeln, die Kommunikationswege – und den Zugang zu den wertvollsten Daten.
Die Bürgerinitiative liefert den Stoff, Campact die Reichweite
Das Modell beruht auf einem scheinbar fairen Tausch. Die Initiative vor Ort kennt das Problem, stellt die Gesichter, erzählt die Geschichte und leistet die mühsame Basisarbeit. Ihre Mitglieder verteilen Flugblätter, organisieren Infostände, sprechen mit Nachbarn und bringen das Thema in die Lokalzeitung.
Campact stellt über WeAct die digitale Infrastruktur zur Verfügung. Ausgewählte Kampagnen erhalten Beratung, finanzielle Förderung oder Zugang zu Campacts gewaltigem Netzwerk. Nach eigenen Angaben engagieren sich inzwischen mehr als 4,5 Millionen Menschen im Campact-Umfeld. Allein 2025 wurden auf WeAct 1.796 Petitionen gestartet und rund 13,1 Millionen Unterschriften abgegeben.
Doch der Tausch ist asymmetrisch. Die lokale Initiative gewinnt Aufmerksamkeit, kann aber nicht im gleichen Maße eine eigene, von Campact unabhängige Unterstützerstruktur aufbauen.
