Frank-Walter Steinmeier entwürdigt das Amt des Bundespräsidenten
Frank-Walter Steinmeiers Auftritt hat dem Ansehen des höchsten Staatsamtes mehr geschadet als mancher außenpolitische Irrtum der vergangenen Jahre.
Berlin, im März 2026.
Es ist ein trauriges Schauspiel, das sich derzeit im Schloss Bellevue und im Auswärtigen Amt abspielt. Der Bundespräsident, dessen Amt doch über den parteipolitischen Niederungen stehen und die Würde der Nation verkörpern soll, hat sich in einer Rede zum 75. Jahrestag der Wiedergründung des Auswärtigen Amtes dazu hinreißen lassen, den gegenwärtigen Krieg gegen das iranische Regime als „völkerrechtswidrig“ und „politisch verhängnisvollen Fehler“ zu brandmarken. Ein „vermeidbarer, unnötiger Krieg“, wie er mit sichtlicher Erregung hinzufügte.
Man möchte dem hohen Herrn zurufen: Herr Steinmeier, das Amt, das Sie bekleiden, verlangt Zurückhaltung, nicht das kleinliche Abrechnen mit der eigenen Vergangenheit.
Denn gerade er war es, der als Außenminister die Beschwichtigungspolitik gegenüber Teheran maßgeblich mit vorangetrieben hat. Der JCPOA, jenes denkwürdige Atomabkommen von 2015, das den Mullahs Zeit und Mittel verschaffte, während man in Berlin und Brüssel von „diplomatischem Erfolg“ sprach – es trägt seine Handschrift. Nun, da Israel und die Vereinigten Staaten handeln, wo jahrelanges Reden und Sanktionserleichterungen versagt haben, erhebt derselbe Mann die Stimme und belehrt jene, die den Konflikt nicht sogleich als „Völkerrechtsbruch“ verdammen wollen. Kleinkarierter geht es für einen Bundespräsidenten in der Tat kaum.
Es geht ihm sichtlich nicht um die bedrohten Nachbarn Irans, nicht um die Freiheit der iranischen Bevölkerung oder die Verhinderung einer nuklearen Bewaffnung des Regimes. Es geht ihm um die Rechtfertigung der eigenen, gescheiterten Linie. Um das Rettungsboot der moralischen Überlegenheit, das er sich zimmern möchte, während die Realität der Bedrohung durch ein fanatisches Regime längst über die feinen völkerrechtlichen Unterscheidungen hinweggegangen ist.
Ein Bundespräsident, der in solcher Weise Partei ergreift und dabei vor allem die eigene Biographie zu verteidigen sucht, entwürdigt nicht nur sein Amt. Er entzieht ihm jene überparteiliche Autorität, die es in schwierigen Zeiten erst eigentlich wertvoll macht. Die Republik hätte in diesen Tagen einen Staatsmann gebraucht, der Brücken baut und Maß mahnt – keinen ehemaligen Außenminister, der alte Rechnungen begleicht.
Die Geschichte wird richten, ob der Krieg gegen den Iran notwendig war oder nicht. Aber schon jetzt steht fest: Frank-Walter Steinmeiers Auftritt hat dem Ansehen des höchsten Staatsamtes mehr geschadet als mancher außenpolitische Irrtum der vergangenen Jahre.
Geschrieben von
Als nächstes lesen
Tante Voß im digitalen Zeitalter
KI-Karikaturen eröffnen unabhängigen Medien neue publizistische Möglichkeiten. Der Artikel zeigt, warum der Einsatz künstlicher Intelligenz kein Beleg für mangelnde Qualität ist, persönliche Angriffe keine Argumente ersetzen und transparente Kennzeichnung Vertrauen in digitalen Journalismus schafft.
Warum Georg Restle nicht mehr tragbar ist
Der Fall Georg Restle zeigt die Schieflage im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Während die taz versucht, die Vorwürfe zu verharmlosen, wird deutlich: Unbelegte, israelfeindliche Verschwörungserzählungen dürfen nicht länger durch Rundfunkgebühren finanziert werden. Ein Kommentar zur Debatte.
Volksbad Berlin & EOTO: 300.000€ für Ausgrenzung
300.000-Euro-Volksbad in Berlin: Statt Inklusion gibt es Exklusion durch exklusive Badetage für Communities. Finanziert mit Steuergeldern und in Kooperation mit der NGO EOTO zeigt das Projekt eine bedenkliche Ausuferung von Identitätspolitik und staatlicher Verschwendung auf Kosten der Bürger.
GdP-Krise: Wie Jochen Kopelke und Sven Hüber die Gewerkschaft spalten
Ein Magazinbeitrag zur AfD bringt die GdP-Führung in Bedrängnis: Vize-Chef Sven Hüber gerät wegen seiner DDR-Politoffiziers-Vergangenheit in die Kritik, während ein gelöschter Wikipedia-Eintrag Fragen aufwirft. Bundeschef Jochen Kopelke reagiert mit Attacken – und spaltet die eigene Gewerkschaft.
Die Rückkehr der Rassentrennung als „Progressivismus“ – Eine Demontage
Ein exklusiver Badetag nach Hautfarbe am Berliner Volksbad sorgt für Streit. Politik und Medien witterten rechte Hetze. Doch das eigentliche Skandalon liegt woanders: Die Rückkehr ethnischer Zutrittsschranken im öffentlichen Raum unter dem Deckmantel des Progressivismus zersetzt den Rechtsstaat.
Die Anatomie einer medialen Hinrichtung
Ein SPIEGEL-Cover im Fahndungs-Stil inszeniert Ulrich Siegmund als Gefahr. Hinter dem Artikel steht ein Autoren-Trio mit taz- und ND-Vergangenheit. Diese mediale Dämonisierung entpuppt sich als Ablenkung vom eigentlichen Problem: dem staatlichen Versagen bei Asylpolitik und Wirtschaft.