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Georg Seeßlens taz-Debatte: Die Entmündigung der Bürger

Georg Seeßlens taz-Debatte offenbart die Entfremdung des linken Feuilletons. Anstatt echte Missstände zu analysieren, diffamiert der Autor kritische Wähler als gekränkte Störenfriede. Zeit, diese ideologische Doppelmoral und verbrauchte Betroffenheitsrhetorik entschieden zu entlarven.

Wer den jüngsten taz-Debattenbeitrag von Georg Seeßlen liest, blickt direkt in den Maschinenraum einer intellektuellen Echokammer, die den Kontakt zur Lebenswirklichkeit der Menschen längst vollständig verloren hat. Mit einer geradezu schlafwandlerischen Sicherheit werden in diesem Text die drängenden Probleme einer krisengeschüttelten Gesellschaft umgedeutet, bis sie in das starre, linientreue Schema von „Gut und Böse“ passen.

Der Autor präsentiert uns einmal mehr jene typische, von herablassender Arroganz triefende Nabelschau des linken Bildungsbürgertums. Anstatt sich mit den echten, tieferliegenden Ursachen und dem massiven Kontrollverlust der etablierten Politik auseinanderzusetzen, greift Seeßlen zu einem billigen rhetorischen Taschenspielertrick: Jede legitime Kritik, jeder Skandal der Regierungsparteien wird ignoriert, kleingeredet oder im Nachhinein so gedreht, dass am Ende doch wieder der Wähler als der moralisch Defekte dasteht.

Der Meister des ideologischen Zirkelschlusses: Wer ist Georg Seeßlen?

Ein Blick auf das intellektuelle Fundament des Autors macht deutlich, warum hier so kompromisslos verengt wird. Georg Seeßlen, 1948 in München geboren, ist studierter Kunsthistoriker, Semiologe und Filmkritiker. Über Jahrzehnte hat er sich als profunder Kenner der Popkultur, des Kinos und des Medien-Mainstreams einen Namen gemacht. Von der taz über den Freitag bis hin zur Zeit und zum Deutschlandfunk bespielt er mit seinem Co-Autoren Markus Metz seit Jahren die mediale Klaviatur.

Sein Markenzeichen: Die konsequente Politisierung der Unterhaltung und die Deutung aller gesellschaftlichen Phänomene durch die marxistisch-kritische Theoriebrille. Ob Telenovelas, Horrorfilme oder Videospiele – bei Seeßlen ist alles Ausdruck des „neoliberalen Kapitalismus“ oder des drohenden „Autoritarismus“.

Besonders in seinen jüngeren Publikationen – von Trump! Populismus als Politik bis hin zu Blödmaschinen II: Die Fabrikation der politischen Paranoia – verlässt Seeßlen jedoch den Boden sachlicher Kulturkritik. Er betreibt stattdessen eine pauschale Verunglimpfung von jedem, der den linken Konsens infrage stellt. Wer nicht für das System ist, leidet laut dieser Weltsicht an „Paranoia“, ist „infantilisiert“ oder schlicht Opfer einer „rechten Gehirnwäsche“.

Das Narrativ vom „bösen Onkel Ernst“: Die Entmündigung des mündigen Bürgers

Genau dieses Denken gipfelt in dem taz-Text in der grotesken Karikatur des Wählers – personifiziert als „Onkel Ernst“. Ein Mann, der angeblich jahrzehntelang bürgerliche Tugenden predigte, nun aber aus reiner Kränkung, Frustration und „Triebabfuhr“ sein Kreuz bei der Opposition macht.

Dieser Erklärungsansatz ist nicht nur arrogant, er ist intellektuell faul. Anstatt sich ernsthaft mit den Motiven von Millionen Bürgern auseinanderzusetzen, die erleben, wie ihre hart erarbeiteten Ersparnisse durch Inflation entwertet werden, wie die Infrastruktur verfällt und wie politische Verantwortungslosigkeit ohne Konsequenzen bleibt, flüchtet sich das Feuilleton in die billige Psychoanalyse.

  • Die Opfer-Täter-Umkehr: Wer auf Missstände hinweist, wird zum Zerstörer erklärt. Diejenigen aber, die diese Missstände durch jahrelange Klientel- und Ideologiepolitik erst geschaffen haben, inszenieren sich als Retter der „Demokratie“.
  • Die Sprachmonopolie: Kritik an der herrschenden Politik wird als „Angriff auf die Verfassung“ geframt. Genau das beschreibt Seeßlen in seinen eigenen Schriften als „die letzte Waffe der Linken“: Wenn die Argumente ausgehen, wird die Sprache vergiftet und der politische Gegner delegitimiert.

Doppelmoral pur: Mit zweierlei Maß messen

Besonders offenkundig wird die intellektuelle Bankrotterklärung dieser Debattenkultur beim Blick über die Landesgrenzen. Wenn internationale Akteure wie Javier Milei mit radikalen Reformen versuchen, einen durch jahrzehntelangen linken Klientelismus ruinierten Staat aus dem Sumpf der Korruption zu ziehen, schreit das deutsche Feuilleton Zeter und Mordio. Dass der korrupte sozialistische Apparat zuvor jahrelang die Bevölkerung ausgeplündert hat, wird geflissentlich verschwiegen.

Gleichzeitig wird im Inland mit zweierlei Maß gemessen: Korruptionsfälle, Postenschacher und handfeste politische Skandale im eigenen Lager werden kleingeredet oder als „Sachzwänge“ verkauft. Wenn aber die Bürger bei Wahlen die Quittung präsentieren, heißt es reflexhaft: „Das nützt nur den Rechten.“ Es ist diese ewige Jammerei und Selbstreinigung der Eliten, die jede echte politische Erneuerung blockiert. Die Demokratie leidet nicht an den Bürgern, die eine andere Politik einfordern. Sie leidet an einer abgehobenen Funktionselite, die jede Kritik als Majestätsbeleidigung empfindet.

Fazit: Zurück zur intellektuellen Redlichkeit

Es ist an der Zeit, diese verbrauchte linke Betroffenheitsrhetorik ad acta zu legen. Texte wie jener taz-Kommentar von Georg Seeßlen bieten keine Erklärungen für eine komplexe Welt – sie sind lediglich Therapieangebote für ein verunsichertes Milieu, das seinen Anspruch auf Deutungshoheit schwinden sieht.

Wer den gesellschaftlichen Frieden wahren will, muss aufhören, den Wähler zu beschimpfen. Es braucht keine moralisierenden Feuilletons, die uns erklären wollen, warum wir die falschen Sorgen haben. Es braucht eine Politik, die zuhört, Probleme löst und die Realität nicht länger durch die ideologische Zerrspiegelung betrachtet.


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Geschrieben von

Cilla Zielinski
Cilla Zielinski
Medizinerin (München) & Feuilletonistin in Zürich. An der Schnittstelle von Wissenschaft, Design & Kultur. Seziert den Zeitgeist mit chirurgischer Präzision.

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