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Liberaler Widerstand

Islamophobie – wenn Schutz vor Hass zum Schutzschild vor Kritik wird

Antimuslimischer Hass ist real und muss bekämpft werden. Doch wer Kritik am Islam als Islamophobie brandmarkt, verwischt eine zentrale liberale Grenze. Menschen haben Anspruch auf Schutz vor Diskriminierung – Religionen, Dogmen und Verbände dagegen müssen öffentlich kritisierbar bleiben.

Islamophobie – wenn Schutz vor Hass zum Schutzschild vor Kritik wird
Muslime müssen vor Hass geschützt werden. Doch der Islam muss kritisierbar bleiben. Wie der Islamophobie-Begriff diese Grenze verwischt. Illustration by Richard Bergsir

Der Begriff, der zwei völlig verschiedene Dinge vermischt

Eine Moschee wird mit Hakenkreuzen beschmiert. Eine Frau wird wegen ihres Kopftuchs auf der Straße angegriffen. Ein Arbeitgeber sortiert einen Bewerber allein wegen seines muslimisch klingenden Namens aus.

Das Problem ist eindeutig: Menschen werden wegen ihrer tatsächlichen oder vermeintlichen Religionszugehörigkeit diskriminiert oder angegriffen.

Dann veröffentlicht ein Journalist einen kritischen Artikel über die Stellung der Frau im klassischen islamischen Familienrecht. Eine Ex-Muslimin kritisiert Mohammed. Ein schwuler Muslim beschreibt Homophobie in seiner Gemeinde. Ein Wissenschaftler untersucht die Apostasielehre. Eine Zeitung fragt, welche Moscheeverbände die Gleichberechtigung homosexueller Menschen akzeptieren.

Auch das wird gelegentlich unter einen Begriff gezogen:

Islamophobie.

Und genau hier beginnt ein Problem, das weit über eine akademische Wortdebatte hinausgeht.

Denn zwischen dem Hass auf einen Menschen, weil er Muslim ist, und der Kritik an einer Religion, weil man ihre Lehren ablehnt, liegt die entscheidende Grenze einer liberalen Gesellschaft.

Wer diese Grenze verwischt, schützt irgendwann nicht mehr Menschen vor Diskriminierung.

Er schützt Ideen vor Kritik.

Und Religionen dürfen in einer freien Gesellschaft genau diesen Schutz nicht besitzen.