Saudi-Arabiens Einfluss auf Deutschlands Islam: weniger Moscheebau, mehr Ideologie und Netzwerke
Saudi-Arabien finanzierte in Deutschland eine eigene Schule, förderte Studien in Medina und verbreitete wahhabitische Literatur. Direkte Moscheesteuerung ist heute kaum belegbar – doch religiöse Netzwerke wirken weiter. In Saudi-Arabien selbst sind öffentliche Kirchen verboten.
Saudi-Arabien hat über Jahrzehnte Milliarden in die weltweite Verbreitung seiner wahhabitisch-salafistischen Religionsauffassung investiert. Auch Deutschland blieb davon nicht unberührt: eine direkt vom Königreich finanzierte Schule in Bonn, saudische Lehrbücher, Stipendien für religiöse Studien in Medina, kostenlose Literatur, Kontakte zur Muslim World League und deutsche Prediger mit Ausbildung in Saudi-Arabien. Doch wer heute behauptet, Riad finanziere flächendeckend deutsche Moscheen, kann dafür keine belastbare Gesamtzahl vorlegen. Der saudische Einfluss funktioniert inzwischen weniger über offen kontrollierte Institutionen als über Theologie, Ausbildung, internationale Netzwerke und religiöse Autoritäten. Und der Vergleich ist drastisch: Während saudisch geprägte islamische Strukturen in Deutschland alle Freiheiten des Grundgesetzes genießen, gibt es in Saudi-Arabien bis heute keine legalen öffentlichen Kirchen.
Bei unseren bisherigen Untersuchungen konnte man ausländischen Einfluss meist an Organisationen festmachen.
DITIB führt institutionell zur türkischen Religionsbehörde Diyanet.
Das frühere Islamische Zentrum Hamburg führte zum iranischen Regime.
Bei Saudi-Arabien funktioniert die Sache anders.
Es gibt in Deutschland keinen großen Dachverband mit dem Namen „Saudi-Islamische Union“.
Keine Behörde in Riad verwaltet hier offen Hunderte Moscheen.
Keine verlässliche Statistik weist aus, wie viele deutsche Moscheen Saudi-Arabien heute finanziert.
Wer deshalb nur nach einem deutschen Saudi-Dachverband sucht, übersieht den wichtigeren Teil der Geschichte.
Der saudische Einfluss wurde jahrzehntelang vor allem über religiöse Ideen, Literatur, Ausbildung, Missionierungsorganisationen, Stipendien und persönliche Netzwerke exportiert.
Und genau dieser Einfluss ist wesentlich schwerer zu messen als ein Überweisungsträger.