Bürgerlich-liberale Zeitung

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Sea-Watch & Seebrücke: Teil des Geschäftsmodells der Schleuser?

NGO-Schiffe retten Menschen – doch kalkulieren Schleuser längst mit ihrer Präsenz? Wir untersuchen Sea-Watch, Seebrücke, niedrige Schutzquoten, Millionenfinanzierung und Italiens Pull-Faktor-These.

Sea-Watch & Seebrücke: Teil des Geschäftsmodells der Schleuser?
Schleuser, NGO-Schiffe und niedrige Asylquoten: Wie Sea-Watch, Seebrücke und Italiens Regierung über den Pull-Faktor im Mittelmeer streiten. Symbolbild

Schleuser schicken Menschen in Boote, die für eine sichere Überfahrt nach Europa oft ungeeignet sind. Rettungsorganisationen patrouillieren gleichzeitig auf der zentralen Mittelmeerroute, suchen mit Flugzeugen nach Booten und übernehmen Menschen in Seenot. Für Italiens Regierung ist diese dauerhafte NGO-Präsenz inzwischen Teil des Problems: Sie könne zum „Pull-Faktor“ werden. Sea-Watch widerspricht. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Ist zivile Seenotrettung nur humanitäre Hilfe – oder wird sie, ohne es zu wollen, funktionaler Bestandteil eines Geschäftsmodells, von dem Schleuser profitieren?

Der Streit beginnt nicht bei der Frage, ob ein Mensch ertrinken gelassen werden darf.

Die Antwort darauf ist selbstverständlich: nein.

Wer Menschen in unmittelbarer Seenot findet, muss helfen.

Der eigentliche Konflikt beginnt früher.

Er beginnt bei der Frage, warum Schleuser Menschen überhaupt mit Schlauchbooten, Holzbooten oder anderen häufig ungeeigneten Fahrzeugen auf eine der gefährlichsten Seerouten der Welt schicken können.

Und er beginnt bei einer zweiten Frage:

Womit rechnen Schleuser und Migranten, wenn sie eine solche Überfahrt beginnen?

Denn ein Boot, das technisch kaum geeignet ist, Hunderte Kilometer bis Italien zurückzulegen, ergibt wirtschaftlich nur dann Sinn, wenn die gesamte Strecke möglicherweise gar nicht aus eigener Kraft zurückgelegt werden soll.

Hier liegt der neuralgische Punkt der heutigen Mittelmeerpolitik.

Der ursprüngliche Asylgedanke