Bürgerlich-liberale Zeitung

Kolumnen

Wenn Exklusion zur Solidarität verklärt wird: Das linke Schaumschlagen der taz-Volontärin

Warum der taz-Kommentar über die Exklusion im Berliner Volksbad ein Paradebeispiel für defensiven Blasen-Journalismus ist. Eine scharfe Analyse darüber, wie identitätspolitische Ausschlussverfahren als vermeintliche Solidarität verkauft und Kritik reflexartig in die rechte Ecke gestellt wird.

Wenn Exklusion zur Solidarität verklärt wird: Das linke Schaumschlagen der taz-Volontärin
Karikatur im Stil der Neuen Sachlichkeit (1920er Jahre): Eine Volontärin tippt auf einer Kanzel einen Text, der Exklusion als Solidarität verklärt, während Bürger vom „Safe Space“-Pool ausgeschlossen werden. (Hinweis: Dieses Bild wurde von der Redakion mit KI erstellt.)

Es ist das allseits bekannte und inzwischen reichlich ermüdende Reflexmuster des Berliner Medienmainstreams: Wer es wag­t, an identitätspolitischen Ausschlussverfahren Kritik zu üben, der bedient angeblich „rechte Kampagnen“ und betreibt „Hetze“. Exemplarisch vorgeführt bekommen wir dies dieser Tage in der taz, wo eine junge Volontärin aus dem Inlandsressort – frisch ausgebildet in den ideologischen Biotopen des Kulturanthropologie-Studiums in Freiburg und der Journalistenschule in Leipzig – zur Feder greift, um die Aufregung um das Berliner Volksbad glattzubügeln.

Gesagt, getan: Clara Dünkler heißt die Dame, die seit 2025 ihr Volontariat absolviert und in ihren bisherigen Texten bereits ausgiebig unter Beweis gestellt hat, dass sie die Welt zielsicher durch die rosarote Brille des intersektionellen Feminismus und vermeintlicher Strukturanstürme betrachtet. Doch ihr jüngster Kommentar zur exklusiven Vergabe des temporären Schwimmbeckens an der Volksbühne an den Verein Each One Teach One (EOTO) schlägt dem Fass den Boden aus.

Die Täter-Opfer-Umkehr: Kritik wird zur „Hetze“ gestempelt

Was ist passiert? Das Volksbad am Rosa-Luxemburg-Platz ist ein öffentlich sichtbares, in der Sommerpause errichtetes Projekt mit freiem Eintritt und hohem öffentlichen Aufmerksamkeitspotenzial. Wenn nun einzelne Zeitfenster exklusiv für bestimmte Gruppen reserviert und andere Bürger explizit aufgrund ihrer Hautfarbe oder Zugehörigkeit zu einer Community ausgesperrt werden, schrillen bei jedem freiheitsliebenden Menschen die Alarmglocken.

Nicht so bei Dünkler. Wer diesen Ausschluss kritisiert, liefert laut ihrer Lesart der AfD willfährig Material. Das ist eine durchschaubare und billige Täter-Opfer-Umkehr. Die fundamentale Kritik richtet sich nicht gegen Vereine oder Diversität im Allgemeinen, sondern gegen den Kern des Problems: die Re-Etablierung von Exklusion auf Basis von Identitätsmerkmalen im Herzen einer offenen Gesellschaft. Wenn der öffentliche Raum nach ethnischen Kriterien parzelliert wird, ist der Widerspruch keine „rechte Kampagne“, sondern die Verteidigung des universellen Gleichheitsgrundsatzes.

Der hilflose Trick mit dem Scheinkonvolut

Um das Ganze kleinzureden, greift die taz-Volontärin zu einem ebenso durchschaubaren wie unlogischen Vergleich. Sie führt ins Feld, es gäbe schließlich auch Zeitslots für den Streetworkerverein Gangway (der sich um Obdachlose kümmert) oder für Flussbad Berlin. Da beschwere sich schließlich auch niemand über eine angebliche „Diskriminierung von Nicht-Streetworker:innen“.

Welch ein logischer Offenbarungseid! Obdachlosenarbeit oder der Einsatz für saubere Gewässer sind soziale und gemeinwohlorientierte Hilfsangebote, die niemanden aufgrund seiner Herkunft oder Hautfarbe ausschließen. Jeder Bürger kann sich für Obdachlose einsetzen oder ins Flussbad steigen. Eine Schutzraumpolitik hingegen, die Identitätsmerkmale zur Eintrittskarte oder zur Ausschlussklausel macht, bricht radikal mit diesem universellen Anspruch. Hier Äquivalenz zu behaupten, zeugt entweder von konzeptioneller Blindheit oder von vorsätzlicher Verdrehung der Tatsachen.

Der billige Verweis auf den Wahlkampf

Dass die Berliner CDU-Politikerin Aileen Weibeler oder auflagenstarke Medien wie Bild und Nius diese Fehlentwicklung thematisieren, wird von Dünkler prompt als billige Stimmungsmache im Berliner Wahlkampf abgetan. Doch die Empörung in der Bevölkerung ist kein künstliches Parteienkonstrukt. Die Bürger haben schlicht ein feines Gespür dafür, wenn ihnen unter dem Deckmantel vermeintlicher „Solidarität“ vorgeschrieben wird, wer dazugehört und wer draußen zu bleiben hat. Die schleichende Aufteilung des öffentlichen Raums in Identitäts-Silos stößt auf tiefen, berechtigten Widerstand – ganz unabhängig von Konjunkturen im Wahljahr.

Fazit

Dünklers Machwerk ist ein mustergültiges Dokument des defensiven Blasen-Journalismus. Wenn die Argumente ausgehen und der identitätspolitische Furor nicht mehr rechtfertigbar ist, hilft nur noch die moralische Keule und der Verweis auf den rechten Feind. Doch je lauter das linke Milieu versucht, den Ausschluss als Akt der Nächstenliebe zu verkaufen, desto klarer wird für jeden Beobachter: Was hier als „safe space“ gefeiert wird, ist nichts anderes als die schleichende Zerstörung des gemeinsamen, ungeteilten öffentlichen Raums.


cilla zielinski, journalismus, identitätspolitik, berlin, kritik, medienanalyse, kolumne

Diesen Artikel teilen
Teilen

Geschrieben von

Cilla Zielinski
Cilla Zielinski
Medizinerin (München) & Feuilletonistin in Zürich. An der Schnittstelle von Wissenschaft, Design & Kultur. Seziert den Zeitgeist mit chirurgischer Präzision.

Als nächstes lesen