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Wirtschaft

Wohnungsnot 2026

Deutschlands Wohnungsnot verschärft sich: Angebotsmieten steigen, 2025 wurden nur 206.600 Wohnungen fertig, und der Neubau erholt sich quälend langsam. Der Städte-Index zeigt die teuersten Metropolen. Warum Mietpreisbremse und Bau-Turbo allein die Krise 2026 nicht lösen können – und was jetzt hilft.

Mieten steigen weiter – Neubaukrise, Zuwanderung und Politik ohne Lösung

Die Wohnungsnot in Deutschland verschärft sich. Während Mieter immer höhere Angebots- und Nebenkosten verkraften müssen, ist der Wohnungsneubau auf den niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt gefallen. Besonders in München, Stuttgart, Frankfurt, Hamburg und Berlin wird eine bezahlbare Wohnung zunehmend zum Luxus.

In Berlin treffen mehrere Entwicklungen aufeinander: zu wenige Neubauten, hohe Baukosten, eine über Jahre stark gewachsene Bevölkerung und politische Programme, die vorhandenen Wohnraum immer stärker regulieren und verteilen wollen. Die Berliner Linke verspricht Mietendeckel, Vergesellschaftung und ein milliardenschweres kommunales Bauprogramm. Kritiker warnen jedoch, dass dies private Investitionen verdrängen, den frei verfügbaren Wohnungsbestand verkleinern und den hoch verschuldeten Landeshaushalt überfordern könnte.

Auch die hohe Zuwanderung hat den Wohnungsmarkt erheblich beeinflusst. Wer darüber spricht, darf Migranten nicht pauschal für politische Versäumnisse verantwortlich machen. Ebenso falsch wäre es aber, den zusätzlichen Wohnraumbedarf durch Migration zu verschweigen. Wenn die Bevölkerung schnell wächst und der Wohnungsbestand nicht Schritt hält, steigt zwangsläufig der Druck auf Mieten, Unterkünfte und Sozialwohnungen.

Das Wichtigste zur Wohnungsnot 2026

  • Im Jahr 2025 wurden in Deutschland nur 206.600 Wohnungen fertiggestellt – 18 Prozent weniger als 2024.
  • Es war die niedrigste Fertigstellungszahl seit 2012.
  • Ende 2025 standen 760.700 genehmigte, aber noch nicht fertiggestellte Wohnungen im Bauüberhang.
  • Die Angebotsmiete für Bestandswohnungen lag im zweiten Quartal 2026 bundesweit bei durchschnittlich 8,97 Euro pro Quadratmeter.
  • In München wurden bereits 20,12 Euro pro Quadratmeter verlangt.
  • 11,2 Prozent der Bevölkerung mussten 2025 mehr als 40 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für das Wohnen ausgeben.
  • Berlin erhielt 2025 rund 4,2 Milliarden Euro aus dem Finanzkraftausgleich und weitere rund 1,9 Milliarden Euro allgemeine Bundesergänzungszuweisungen.
  • Die Berliner Linke plant für den kommunalen Wohnungsbau Eigenkapitalzuführungen von jährlich bis zu zwei Milliarden Euro.
  • Berlins Schuldenstand lag Ende 2025 vorläufig bei rund 69,1 Milliarden Euro.

Mietpreise steigen 2026 weiter

Wer seit vielen Jahren in derselben Wohnung lebt, zahlt häufig deutlich weniger als Menschen, die umziehen müssen. Die öffentlich diskutierten Preissteigerungen betreffen deshalb vor allem die Angebotsmieten neu inserierter Wohnungen – nicht automatisch alle laufenden Mietverträge.

Nach dem WohnBarometer von ImmoScout24 stiegen die Angebotsmieten für Bestandswohnungen im zweiten Quartal 2026 bundesweit um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal und um 2,7 Prozent innerhalb eines Jahres. Durchschnittlich wurden 8,97 Euro je Quadratmeter verlangt.

In den Metropolen ist das Preisniveau wesentlich höher. München bleibt mit 20,12 Euro pro Quadratmeter der teuerste untersuchte Mietmarkt. Es folgen Stuttgart mit 15,32 Euro und Frankfurt am Main mit 15,13 Euro.

Die Auswertung beruht auf mehr als 8,5 Millionen Inseraten. Betrachtet wird eine modellierte Zwei-Zimmer-Wohnung mit 70 Quadratmetern. Angebotsmieten sind deshalb nicht mit kommunalen Mietspiegeln oder den Durchschnittsmieten sämtlicher bestehenden Verträge gleichzusetzen. Für Wohnungssuchende zeigen sie jedoch, welche Preise bei einem Umzug tatsächlich aufgerufen werden. Quelle: ImmoScout24-WohnBarometer, Q2 2026

Städte-Index 2026: Wo Mieten besonders teuer sind

RangStadtAngebotsmiete BestandRechnerische Kaltmiete für 70 m²
1München20,12 €/m²1.408 €
2Stuttgart15,32 €/m²1.072 €
3Frankfurt am Main15,13 €/m²1.059 €
4Hamburg13,28 €/m²930 €
5Köln13,19 €/m²923 €
6Berlin13,18 €/m²923 €
7Düsseldorf12,92 €/m²904 €
8Leipzig8,97 €/m²628 €
Deutschland8,97 €/m²628 €

Quelle und Methodik: ImmoScout24-WohnBarometer, zweites Quartal 2026. Die Monatsmieten wurden aus dem Quadratmeterpreis für 70 Quadratmeter berechnet und gerundet. Nebenkosten sind nicht enthalten.

Der Index zeigt, wie unterschiedlich die Wohnungsnot ausfällt. In Leipzig entspricht die Angebotsmiete ungefähr dem bundesweiten Durchschnitt. In München kostet dieselbe Wohnfläche mehr als doppelt so viel.

Eine sinkende Zahl von Suchanfragen bedeutet dabei nicht automatisch Entspannung. Hohe Preise können Interessenten aus dem sichtbaren Markt verdrängen. Menschen verzichten auf den Umzug, leben trotz Familienzuwachs in zu kleinen Wohnungen oder suchen weit außerhalb ihres bisherigen Wohnorts.

Neubaukrise: Nur 206.600 Wohnungen fertiggestellt

Die dramatischste Zahl kommt aus der Baustatistik. Im Jahr 2025 wurden bundesweit lediglich 206.600 Wohnungen fertiggestellt. Das waren 45.400 Wohnungen beziehungsweise 18 Prozent weniger als im Vorjahr.

Gleichzeitig verlängerte sich die durchschnittliche Zeit zwischen Genehmigung und Fertigstellung einer Neubauwohnung auf 27 Monate. Im Jahr 2020 waren es noch 20 Monate.

Ende 2025 umfasste der Bauüberhang 760.700 genehmigte, aber nicht fertiggestellte Wohnungen. Nur 307.200 davon befanden sich tatsächlich im Bau. Zudem erloschen 2025 insgesamt 35.700 Baugenehmigungen – der höchste Wert seit 2002. Eine Genehmigung bedeutet also noch lange nicht, dass ein Projekt finanziert, begonnen und beendet wird. Quelle: Statistisches Bundesamt zu den Baufertigstellungen

Immerhin gibt es ein erstes positives Signal: 2025 wurden rund 238.500 Wohnungen genehmigt, 10,8 Prozent mehr als 2024. Darunter waren 128.100 Wohnungen in neuen Mehrfamilienhäusern. Wegen der langen Bauzeiten kann dieser Anstieg den Mietmarkt 2026 jedoch noch nicht spürbar entlasten. Quelle: Statistisches Bundesamt zu den Baugenehmigungen

Das ifo Institut erwartet nur eine langsame Erholung. Nach seiner Prognose dürften 2028 etwa 210.000 Wohnungen fertiggestellt werden. Selbst das wären rund 17 Prozent weniger als 2024. Quelle: ifo Institut

Warum wird in Deutschland so wenig gebaut?

Die Neubaukrise hat nicht nur eine Ursache. Mehrere Probleme verstärken sich gegenseitig.

Hohe Baukosten: Im Februar 2026 kostete der Neubau konventioneller Wohngebäude 3,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der erneute Anstieg trifft auf ein bereits stark erhöhtes Preisniveau. Quelle: Statistisches Bundesamt

Schwierige Finanzierung: Kredite bleiben deutlich teurer als während der früheren Niedrigzinsphase. Wenn die erwartbaren Mieten Bau-, Grundstücks- und Finanzierungskosten nicht decken, werden Projekte verschoben oder vollständig aufgegeben.

Teures Bauland: In Wachstumsregionen konkurriert der Wohnungsbau mit Gewerbe, Infrastruktur und anderen Nutzungen. Hohe Grundstückspreise fließen später in Kaufpreise und Mieten ein.

Lange Verfahren: Bauleitplanung, Genehmigungen, Gutachten, Einsprüche und unterschiedliche Landesbauordnungen können Projekte über Jahre verzögern.

Fachkräftemangel: Bauwirtschaft und Verwaltung fehlen qualifizierte Beschäftigte. Selbst genehmigte Projekte lassen sich daher nicht beliebig schnell umsetzen.

Unklare politische Rahmenbedingungen: Wechselnde Förderprogramme, neue Auflagen und Debatten über Mietendeckel oder Vergesellschaftungen erhöhen die Unsicherheit für langfristige Investitionen.

Hohe Zuwanderung erhöht den Wohnungsbedarf

Ein weiterer Faktor wird in der politischen Debatte häufig entweder übertrieben oder vollständig ausgeblendet: die hohe Zuwanderung nach Deutschland.

Politisch wird teilweise von „Massenmigration“ gesprochen. Der Begriff ist nicht einheitlich definiert und umfasst sehr unterschiedliche Gruppen – Arbeitskräfte, Studierende, EU-Bürger, Familienangehörige und Geflüchtete. Für den Wohnungsmarkt gilt jedoch unabhängig vom Aufenthaltsgrund eine einfache Tatsache: Jeder zusätzliche Haushalt benötigt Wohnraum.

Migration ist nicht die alleinige Ursache der Wohnungsnot. Deutschland hätte auch ohne Zuwanderung Probleme mit hohen Baukosten, langen Verfahren, regionaler Abwanderung und zu wenigen Sozialwohnungen. In Städten wie Berlin, Hamburg, München oder Frankfurt verstärkt eine schnell wachsende Bevölkerung die bestehende Knappheit aber erheblich.

Berlin verzeichnete 2023 einen Wanderungsgewinn aus dem Ausland von 49.550 Personen. Im Jahr 2024 kamen per saldo weitere 41.862 Menschen aus dem Ausland hinzu. Da Berlin zugleich eine negative natürliche Bevölkerungsentwicklung aufwies, beruhte das Bevölkerungswachstum vollständig auf Zuzug.

Die Berliner Bevölkerung wuchs 2024 um 22.884 Personen. Gleichzeitig wurden nur rund 15.000 Wohnungen fertiggestellt. Personen und Wohnungen lassen sich zwar nicht eins zu eins vergleichen, weil Haushalte unterschiedlich groß sind. Die Größenordnung zeigt jedoch, wie schnell zusätzlicher Bedarf entstehen kann. Quelle: IBB-Wohnungsmarktbericht 2025

Eine außergewöhnliche Belastung entstand 2022. In diesem Jahr registrierte und erstversorgte das Berliner Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten insgesamt 94.727 geflüchtete Menschen aus der Ukraine und anderen Herkunftsländern. Anfang 2023 lebten 31.100 Menschen in Unterkünften des Landes – 47 Prozent mehr als zwei Jahre zuvor. Quelle: Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten

Geflüchtete sind nicht dafür verantwortlich, dass die Politik jahrelang zu wenig gebaut hat. Politisch verantwortlich ist aber eine Steuerung, die Zuwanderung, Unterbringung, Wohnungsbau, Schulen und Infrastruktur nicht ausreichend miteinander verbindet.

Wenn Zehntausende Menschen zusätzlich untergebracht werden müssen, während jährlich nur eine begrenzte Zahl bezahlbarer Wohnungen entsteht, nimmt die Konkurrenz zwangsläufig zu. Diese Wirkung zu benennen ist keine Schuldzuweisung, sondern Voraussetzung für eine realistische Bedarfsplanung.

Verdrängung: Immer mehr Menschen weichen ins Umland aus

Während Berlin durch Zuwanderung aus dem Ausland wuchs, verlor die Stadt Einwohner an Brandenburg und andere ostdeutsche Bundesländer. Der Wanderungsverlust gegenüber diesen Regionen lag 2023 bei netto 18.455 Personen und 2024 bei 10.526 Personen.

Nicht jeder Fortzug ist eine Verdrängung. Manche Menschen ziehen freiwillig ins Umland, weil sie dort mehr Platz oder ein Eigenheim finden. Zusammen mit den stark gestiegenen Angebotsmieten sprechen die Zahlen jedoch dafür, dass viele Haushalte in Berlin keine passende oder bezahlbare Wohnung mehr finden.

Besonders betroffen sind:

  • Familien, die mehr Wohnfläche benötigen,
  • junge Menschen beim Auszug aus dem Elternhaus,
  • Alleinerziehende,
  • Beschäftigte mit mittleren oder niedrigen Einkommen,
  • Rentner,
  • neu zugezogene Arbeitskräfte,
  • anerkannte Geflüchtete, die Gemeinschaftsunterkünfte verlassen sollen.

So entsteht ein Verdrängungseffekt: Wer einen alten, günstigen Mietvertrag besitzt, bleibt möglichst in seiner Wohnung. Wer umziehen muss, trifft auf wesentlich höhere Angebotsmieten. Haushalte ohne ausreichendes Einkommen werden an den Stadtrand, ins Umland oder in weniger nachgefragte Regionen gedrängt.

Die sozialen Folgen der Mietkrise

Die Wohnungsnot ist mehr als ein Immobilienproblem. Sie entscheidet darüber, wo Familien leben können, ob Beschäftigte einen Arbeitsplatz in einer teuren Stadt annehmen und wie viel Geld Haushalten für Lebensmittel, Bildung oder Altersvorsorge bleibt.

Im Jahr 2025 waren 11,2 Prozent der Bevölkerung in Deutschland durch Wohnkosten überbelastet. Nach der europäischen Definition bedeutet das, dass mehr als 40 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens für Wohnen ausgegeben werden. Quelle: Statistisches Bundesamt und Eurostat

Auch die Wohnungslosigkeit bleibt hoch. Am 31. Januar 2025 waren rund 474.700 wohnungslose Menschen von Kommunen oder sozialen Einrichtungen untergebracht. Das waren acht Prozent mehr als im Vorjahr, wobei Destatis einen Teil des Anstiegs auf verbesserte Meldungen zurückführt. Menschen auf der Straße oder in vorübergehender Unterbringung bei Freunden werden nicht vollständig erfasst. Quelle: Statistisches Bundesamt

Sozialwohnungen verschwinden

Ende 2024 gab es bundesweit noch rund 1,048 Millionen Sozialmietwohnungen. Ende 2023 waren es etwa 1,068 Millionen, 2014 noch rund 1,46 Millionen.

Sozialbindungen laufen nach einer festgelegten Zeit aus. Neubau und neue Förderbindungen gleichen diese Verluste nicht überall aus. Zwar wurden 2025 nach Angaben der Länder 56.331 Wohneinheiten im sozialen Wohnungsbau gefördert. Entscheidend ist jedoch der dauerhaft verfügbare Gesamtbestand. Quelle: Bundesbauministerium

Mietpreisbremse und Bau-Turbo: Politik ohne schnelle Wirkung

Die Politik ist nicht völlig untätig. Die Mietpreisbremse wurde bis Ende 2029 verlängert. In ausgewiesenen angespannten Wohnungsmärkten darf die Miete bei einer Wiedervermietung grundsätzlich höchstens zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Es gelten allerdings Ausnahmen, unter anderem für Neubauten und umfassend modernisierte Wohnungen. Quelle: Deutscher Bundestag

Seit dem 30. Oktober 2025 gilt zudem der sogenannte Bau-Turbo. Kommunen können unter bestimmten Voraussetzungen von bauplanungsrechtlichen Vorschriften abweichen, um Aufstockungen, Nachverdichtung, Umnutzungen und Neubauten schneller zu ermöglichen. Quelle: Bundesbauministerium

Beide Instrumente betreffen unterschiedliche Teile des Problems. Die Mietpreisbremse kann bestimmte Preissteigerungen begrenzen, schafft aber keine Wohnung. Der Bau-Turbo kann Planungszeit verkürzen, macht ein unwirtschaftliches Projekt jedoch nicht automatisch finanzierbar.

Berlin-Wahl 2026: Würde das Programm der Linken die Wohnungsnot verschärfen?

Die Berliner Linke verspricht einen radikalen Kurswechsel. Ihr Wahlprogramm enthält stärkeren Mieterschutz, einen Ausbau kommunaler Wohnungen und eine weitgehende Regulierung des Mietmarkts.

Geplant sind unter anderem:

  • ein einjähriger Mietenstopp bei den rund 400.000 landeseigenen Wohnungen,
  • anschließend höchstens ein Prozent Mieterhöhung pro Jahr,
  • Wiedervermietungen unterhalb der ortsüblichen Vergleichsmiete,
  • 100 Prozent soziale Wiedervermietung frei werdender landeseigener Wohnungen innerhalb des S-Bahn-Rings,
  • die Vergesellschaftung von rund 220.000 Wohnungen großer Immobilienunternehmen,
  • ein stärkerer Ankauf bestehender Wohnungsbestände,
  • jährlich bis zu zwei Milliarden Euro Eigenkapital für die landeseigenen Gesellschaften,
  • jährlich 7.500 zusätzliche kommunale Wohnungen.

Die Partei will innerhalb von zehn Jahren insgesamt 75.000 kommunale Wohnungen mit einer durchschnittlichen Miete von etwa acht Euro pro Quadratmeter schaffen. Quelle: Wahlprogramm der Berliner Linken 2026

Das Ziel bezahlbarer Wohnungen ist nachvollziehbar. Der Weg dorthin birgt jedoch erhebliche Risiken.

Mietendeckel schützt Bestandsmieter – und kann das Angebot verkleinern

Ein Mietendeckel hilft zunächst denjenigen, die bereits eine regulierte Wohnung besitzen. Für neu Zugezogene, Familien auf der Suche nach mehr Platz und junge Menschen kann die Wohnungssuche dagegen schwieriger werden, wenn Vermieter Wohnungen verkaufen, anderweitig nutzen oder nicht mehr öffentlich anbieten.

Das zeigte der frühere Berliner Mietendeckel. Eine Untersuchung von DIW Berlin, dem Luxembourg Institute of Socio-Economic Research und der Wirtschaftsuniversität Wien kam zu einem zweigeteilten Ergebnis: Die Mieten der regulierten Wohnungen sanken gegenüber dem unregulierten Segment um bis zu elf Prozent. Gleichzeitig halbierte sich die Zahl der öffentlich angebotenen Mietwohnungen. Im Umland stiegen die Preise stärker. Quelle: DIW Berlin

Der frühere Mietendeckel ist nicht identisch mit dem Programm von 2026. Die Erfahrung zeigt dennoch den Zielkonflikt: Preisregulierung kann Mieten senken, aber zugleich Mobilität und verfügbares Angebot beeinträchtigen.

Vergesellschaftung schafft zunächst keine neue Wohnung

Die geplante Überführung von rund 220.000 Wohnungen in eine öffentliche Anstalt würde Eigentumsverhältnisse verändern. Die Wohnungen existieren jedoch bereits. Für die unmittelbare Verringerung des Wohnungsmangels entsteht dadurch keine zusätzliche Einheit.

Je nach Entschädigung könnten zudem erhebliche finanzielle Verpflichtungen entstehen. Dieses Geld stünde nicht gleichzeitig für Bauland, Erschließung, Schulen, Nahverkehr oder Neubau zur Verfügung.

Auch die Ankündigung einer möglichen Vergesellschaftung kann Investoren abschrecken. Wohnungsbau benötigt langfristiges Kapital. Wenn Unternehmen befürchten, dass Erträge politisch immer weiter begrenzt oder Bestände später vergesellschaftet werden, könnten sie geplante Projekte verschieben oder in anderen Regionen investieren.

Sollte der private Neubau stärker zurückgehen, während die kommunalen Gesellschaften ihre Ziele nicht erreichen, würde sich die Wohnungsnot weiter verschärfen.

Höhere Vergabequoten verteilen den Mangel neu

Die Linke will die Berechtigung für einen Wohnberechtigungsschein auf weitere Geflüchtetengruppen ausweiten und höhere Kontingente für wohnungslose Menschen schaffen. Sozialpolitisch lässt sich dies begründen.

Ohne zusätzliche Wohnungen wird der Mangel dadurch jedoch nur anders verteilt. Wenn eine bestimmte Gruppe einen größeren Anteil der frei werdenden Wohnungen erhält, sinken die Chancen anderer Wohnungssuchender entsprechend.

Das kann Verteilungskonflikte verstärken – gerade dann, wenn einheimische Familien, Alleinerziehende, Rentner oder Beschäftigte mit niedrigen Einkommen ebenfalls jahrelang auf eine bezahlbare Wohnung warten.

Eine nachhaltige Lösung muss deshalb mehr sein als Regulierung und Quotierung. Berlin benötigt tatsächlich zusätzliche Wohnungen.

Ist das Programm der Linken finanzierbar?

Die Berliner Linke will den landeseigenen Wohnungsunternehmen jährlich bis zu zwei Milliarden Euro Eigenkapital zuführen. Über zehn Jahre ergibt das einen möglichen Gesamtbetrag von bis zu 20 Milliarden Euro.

Zum Vergleich: Der Berliner Haushalt umfasst 2026 rund 45,5 Milliarden Euro. Für sämtliche Investitionen des Landes sind etwa 5,9 Milliarden Euro vorgesehen. Zwei Milliarden Euro für das kommunale Bauprogramm entsprächen rund einem Drittel des gegenwärtigen jährlichen Investitionsvolumens. Quelle: Berliner Senatsverwaltung für Finanzen

Ende 2025 hatte Berlin einen vorläufigen Schuldenstand von rund 69,1 Milliarden Euro. Die Finanzplanung rechnet für Ende 2026 mit knapp 72 Milliarden und für 2029 mit mehr als 81 Milliarden Euro.

Der Berliner Stabilitätsbericht bewertet mehrere Kennzahlen im Finanzplanungszeitraum als auffällig und verweist auf das Risiko einer drohenden Haushaltsnotlage. Gleichzeitig steigen Zins- und Versorgungsausgaben, während die finanziellen Reserven weitgehend aufgebraucht sind. Quelle: Finanzplanung 2025 bis 2029

Die Linke verweist auf höhere Steuern, zusätzliche Kredite, Einsparungen bei Prestigeprojekten und eine angestrebte Vermögensteuer. Ein Teil dieser Finanzierung hängt jedoch von Entscheidungen des Bundes ab, die Berlin nicht allein treffen kann.

Die vollständige Finanzierung des Programms ist deshalb nicht überzeugend nachgewiesen. Selbst wenn das Geld beschafft werden könnte, müsste Berlin erklären, welche anderen Investitionen dafür verschoben werden.

Berlin lebt nicht nur vom Länderfinanzausgleich – ist aber stark abhängig

Die Aussage, Berlin werde ausschließlich von anderen Bundesländern finanziert, ist wörtlich nicht richtig. Berlin verfügt über eigene Steuereinnahmen, Gebühren, Unternehmensbeteiligungen und weitere Einnahmen.

Richtig ist aber: Berlin ist in hohem Maß auf den bundesstaatlichen Finanzausgleich und zusätzliche Bundesmittel angewiesen.

Im Jahr 2025 erhielt Berlin im Finanzkraftausgleich einen Zuschlag von rund 4,2 Milliarden Euro. Damit entfielen 21,1 Prozent des gesamten Ausgleichsvolumens auf Berlin – mehr als auf jedes andere Bundesland.

Zusätzlich erhielt Berlin rund 1,9 Milliarden Euro allgemeine Bundesergänzungszuweisungen sowie 63 Millionen Euro wegen überdurchschnittlicher Kosten politischer Führung. Insgesamt kamen damit über sechs Milliarden Euro aus diesen Ausgleichsstufen.

Auf der anderen Seite wurden 2025 Abschläge bei Bayern von 11,7 Milliarden Euro, bei Baden-Württemberg und Hessen von jeweils rund vier Milliarden Euro sowie bei Hamburg von 331 Millionen Euro vorgenommen. Quelle: Bundesfinanzministerium

Seit 2020 handelt es sich technisch nicht mehr um direkte Überweisungen einzelner Länder an Berlin, sondern vor allem um Zu- und Abschläge bei der Verteilung des Länderanteils an der Umsatzsteuer. Politisch bleibt der Konflikt derselbe: Finanzstarke Länder tragen einen erheblichen Teil des Ausgleichs, während Berlin dauerhaft der größte Empfänger ist.

Der Finanzausgleich ist grundgesetzlich vorgesehen und soll vergleichbare Lebensverhältnisse ermöglichen. Solidarität zwischen den Ländern ist notwendig. Sie ist aber kein Freibrief für unbegrenzt steigende Ausgaben.

Wenn Berlin ein zusätzliches Wohnungsbauprogramm von bis zu zwei Milliarden Euro jährlich plant, während der eigene Schuldenstand wächst und das Land bereits Milliarden aus dem Ausgleich erhält, müssen die Geberländer fragen dürfen, wie tragfähig diese Politik ist.

Die Bereitschaft zur Solidarität kann politisch sinken, wenn Bürger in Bayern, Baden-Württemberg oder Hessen den Eindruck gewinnen, dass Berlin kostspielige Sonderprogramme beschließt, deren Finanzierung langfristig teilweise von anderen getragen wird. Rechtlich können einzelne Länder den Ausgleich nicht einfach beenden. Politisch wächst jedoch der Druck, das System zu reformieren oder die Belastung der Geberländer zu begrenzen.

Was jetzt gegen die Wohnungsnot helfen würde

Eine wirksame Wohnungspolitik muss Mieterschutz, Neubau und Bevölkerungsentwicklung gemeinsam betrachten:

  1. Baugenehmigungen vollständig digitalisieren und verbindliche Fristen einführen.
  2. Kommunalen, genossenschaftlichen und privaten Wohnungsbau gleichzeitig ermöglichen.
  3. Serielles Bauen und einheitlichere Standards fördern.
  4. Öffentliche Grundstücke über Erbbaurecht für bezahlbaren Wohnraum bereitstellen.
  5. Dachgeschosse, Aufstockungen und geeignete Bürogebäude schneller umnutzen.
  6. Sozialwohnungen möglichst dauerhaft binden.
  7. Förderprogramme langfristig und verlässlich gestalten.
  8. Rechtswidrige Mieten, Zweckentfremdung und spekulativen Leerstand konsequent verfolgen.
  9. Zuwanderung realistisch in Wohnungs- und Infrastrukturprognosen einrechnen.
  10. Geflüchtete stärker auf Regionen mit verfügbarem Wohnraum verteilen.
  11. Neue Quartiere mit Schulen, Kitas und Verkehrsanbindungen gemeinsam planen.
  12. Ausgaben und Finanzierung vollständig offenlegen.

Ausblick: Wird Wohnen 2027 wieder bezahlbarer?

Eine schnelle Trendwende ist unwahrscheinlich. Selbst wenn Genehmigungen und Bauaufträge steigen, erreichen neue Wohnungen den Markt erst mit erheblicher Verzögerung.

Gleichzeitig bleiben Bauland, Finanzierung und Bauleistungen teuer. In wachsenden Metropolen kommt zusätzlicher Wohnraumbedarf durch Binnenwanderung, internationale Zuwanderung und kleinere Haushalte hinzu.

Für Berlin besteht ein besonderes Risiko: Werden vorhandene Wohnungen immer stärker reguliert und verteilt, ohne dass der Neubau deutlich zunimmt, wird aus der Mietpreiskrise eine dauerhafte Zugangskrise.

Die entscheidende Kennzahl ist deshalb nicht, wie viele Wohnungen gedeckelt, angekauft oder vergesellschaftet werden. Entscheidend ist, wie viele zusätzliche bezahlbare Wohnungen tatsächlich bezugsfertig werden.

Sollte eine künftige Berliner Regierung private Investitionen abschrecken, milliardenschwere Programme ohne gesicherte Finanzierung beginnen und den zusätzlichen Bedarf durch Zuwanderung weiter ausblenden, dürfte die Wohnungsnot größer statt kleiner werden.

Häufige Fragen zur Wohnungsnot 2026

Wie hoch sind die Mietpreise in Deutschland 2026?

Die bundesweite Angebotsmiete für Bestandswohnungen lag im zweiten Quartal 2026 bei durchschnittlich 8,97 Euro pro Quadratmeter. In München wurden 20,12 Euro verlangt.

Warum herrscht in Deutschland Wohnungsnot?

Hohe Nachfrage trifft auf zu wenig verfügbaren Wohnraum. Baukosten, Zinsen, teures Bauland, lange Genehmigungen, der Rückgang der Sozialwohnungen und die zusätzliche Nachfrage durch Bevölkerungswachstum verstärken das Problem.

Welchen Einfluss hat Migration auf den Wohnungsmarkt?

Zuwanderung erhöht die Zahl der Menschen und Haushalte, die Wohnraum benötigen. Wenn der Neubau nicht entsprechend steigt, nimmt die Konkurrenz um Wohnungen zu. Migration ist damit ein wichtiger Nachfragefaktor, aber nicht die einzige Ursache der Wohnungsnot.

Wie viele Wohnungen wurden 2025 gebaut?

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden 2025 insgesamt 206.600 Wohnungen fertiggestellt – 18 Prozent weniger als 2024.

Würde ein Mietendeckel die Wohnungsnot lösen?

Ein Mietendeckel kann regulierte Mieten senken und Bestandsmieter schützen. Er schafft jedoch keinen Wohnraum und kann dazu führen, dass weniger Wohnungen öffentlich angeboten oder Investitionen verschoben werden.

Wie viel erhält Berlin aus dem Finanzkraftausgleich?

Im Jahr 2025 erhielt Berlin rund 4,2 Milliarden Euro aus dem Finanzkraftausgleich. Hinzu kamen rund 1,9 Milliarden Euro allgemeine Bundesergänzungszuweisungen.

Ist das Wohnungsprogramm der Berliner Linken finanzierbar?

Die Partei plant Eigenkapitalzuführungen von bis zu zwei Milliarden Euro jährlich. Angesichts des hohen Schuldenstands und der angespannten Haushaltslage ist die dauerhafte Finanzierung nicht überzeugend nachgewiesen.

Was ist das wirksamste Mittel gegen Wohnungsnot?

Langfristig hilft vor allem ein größeres Angebot: mehr bezahlbarer Neubau, schnellere Verfahren, die Umnutzung vorhandener Gebäude und dauerhaft gebundene Sozialwohnungen.

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Geschrieben von

Cilla Zielinski
Cilla Zielinski
Medizinerin (München) & Feuilletonistin in Zürich. An der Schnittstelle von Wissenschaft, Design & Kultur. Seziert den Zeitgeist mit chirurgischer Präzision.

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