Billig aus China, teuer für Deutschland: Wie wir unseren Wohlstand selbst abschaffen
Billig aus China, teuer für Deutschland: Wie wir unseren Wohlstand selbst abschaffen. Paul Fisher fragt in dieser Folge von „Ungefiltert“, wie lange dieses Kunststück noch funktionieren soll.
Deutschland hat einen neuen Volkssport: möglichst billig einkaufen – und anschließend überrascht sein, wenn die eigene Industrie verschwindet.
Fast jeder Zweite würde laut einer von FOCUS veröffentlichten Umfrage ein günstiges chinesisches Elektroauto kaufen. Warum auch nicht? Viel Ausstattung, moderner Look, attraktiver Preis.
Geiz ist schließlich geil.
Zumindest so lange, bis der eigene Arbeitsplatz gestrichen, das Werk geschlossen oder die Produktion nach China verlagert wird. Dann soll bitte sofort der Staat kommen – mit Subventionen, Hilfspaketen und neuen Schulden.
Bezahlen sollen das natürlich möglichst die anderen.
Willkommen im deutschen Wirtschaftsmodell.
Paul Fisher fragt in dieser Folge von „Ungefiltert“, wie lange dieses Kunststück noch funktionieren soll.
Wir wollen Weltmarktpreise, deutsche Spitzenlöhne, kürzere Arbeitszeiten, maximale soziale Sicherheit und einen Staat, der jedes Lebensrisiko absichert. Finanziert werden soll das von Unternehmen, „den Reichen“ oder jenem sagenumwobenen Geldautomaten im Keller des Finanzministeriums.
Das Problem: Irgendjemand muss den Wohlstand vorher erwirtschaften.
Während Deutschland seine Industrie mit hohen Energiepreisen, Steuern, Sozialabgaben, Bürokratie und immer neuen Vorschriften belastet, kaufen wir anschließend begeistert die billigeren Produkte aus dem Ausland.
Die Fabrik verschwindet. Der Arbeitsplatz verschwindet. Die Steuereinnahmen verschwinden.
Die Umweltbelastung?
Die verschwindet natürlich nicht.
Sie steht jetzt nur in China.
Batterien, Stahl, Aluminium, Kunststoffe und Elektronik müssen weiterhin produziert werden. Rohstoffe müssen weiterhin abgebaut werden. Fabriken brauchen weiterhin Energie.
Deutschland kann also seine Industrie verlieren und sich gleichzeitig für sinkende heimische Emissionen feiern.
Das ist ungefähr so, als würde man seinen Müll über den Gartenzaun werfen und sich danach über den außergewöhnlich sauberen Vorgarten freuen.
Und dann ist da noch Paul Fishers persönlicher Umweltskandal: ein 19 Jahre alter Mercedes SL.
Benziner. Ehemaliger Luxuswagen. US-Reimport. Seit zehn Jahren in seinem Besitz. Gepflegt, bezahlt und nahezu im Neuzustand.
Man hört förmlich schon das moralische Martinshorn.
Ein Mercedes! Ein SL! Ein Benziner!
Doch der Wagen hat einen entscheidenden Vorteil: Er existiert bereits.
Für Paul Fisher musste seit zehn Jahren kein neues Auto gebaut werden. Keine neue Karosserie. Kein neuer Innenraum. Keine neue Elektronik. Keine neue Batterie.
Natürlich verbraucht der Mercedes Benzin. Aber die Umweltbilanz eines Autos beginnt eben nicht erst am Auspuff.
Auch ein Elektroauto fällt nicht klimaneutral vom Himmel.
Vielleicht ist echte Nachhaltigkeit manchmal erstaunlich unspektakulär: behalten, pflegen, reparieren, weiterfahren.
Diese Folge ist kein Angriff auf Elektroautos und kein Aufruf zum Boykott chinesischer Produkte.
Sie ist ein Angriff auf wirtschaftliche Selbsttäuschung.
Wer billig aus China kauft, darf das tun. Aber er sollte sich nicht gleichzeitig wundern, wenn Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Know-how nach China wandern.
Und die Politik sollte nicht glauben, patriotische Kaufappelle könnten schlechte Standortbedingungen ersetzen.
Deutschland kann nicht gleichzeitig seine Industrie vertreiben, Sozialleistungen ausweiten und hoffen, dass irgendjemand anders die Rechnung übernimmt.
Wohlstand entsteht durch Arbeit, Innovation, Wettbewerb, Investitionen und Verantwortung.
Nicht durch Wunschdenken.
Nicht durch Verbote.
Und ganz sicher nicht durch einen Vollkaskostaat ohne Zahler.
Eine Folge über China-Autos, Elektroautos, Mercedes SL, deutsche Autoindustrie, Deindustrialisierung, Klimapolitik, Energiepreise, Sozialstaat, Steuern, Arbeitsplätze und die Frage, warum ein 19 Jahre alter Luxus-Mercedes vielleicht vernünftiger ist als Deutschlands neueste Wohlstandsstrategie.
„Ungefiltert mit Paul Fisher“.
Direkt. Ironisch. Unbequem.
Denn billig gekauft kann am Ende verdammt teuer werden.
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