Blinder Fleck nach dem CSD-Anschlag: Wie die Pantisano-Brüder den Islamismus verharmlosen

Der CSD-Anschlag offenbart den blinden Fleck der Linken: Die Brüder Luigi und Alfonso Pantisano verharmlosen die islamistische Gefahr und erklären stattdessen die Union zum Hauptfeind. Eine kritische Analyse über ideologische Scheuklappen und das Versagen, reale Bedrohungen beim Namen zu nennen.

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Blinder Fleck nach dem CSD-Anschlag: Wie die Pantisano-Brüder den Islamismus verharmlosen
CSD-Anschlag & Pantisano-Brüder: Der blinde Fleck der Linken

Der Anschlag und das vertraute Reflexmuster der Politik

Der islamistische Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin hat die Republik tief getroffen – doch statt eines innehaltenden Konsenses über die Bedrohungslagen unserer offenen Gesellschaft folgte prompt der gewohnte parteipolitische Schlagabtausch. Im Zentrum der Debatte stehen Verschärfungen der Sicherheitspolitik auf der einen und der Vorwurf der politischen Instrumentalisierung auf der anderen Seite.

Unionspolitiker wie Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) reagierten schnell mit harten Forderungen: Elektronische Fußfesseln als obligatorisches Mittel für Gefährder, eine schnellere Präventivhaft und der Verzicht auf das Jugendstrafrecht bei volljährigen Tätern.

Für Luigi Pantisano, den frisch gewählten Bundesvorsitzenden der Partei Die Linke, sind diese Vorstöße jedoch nichts weiter als ein „unwürdiges Spiel“. Im Interview mit der taz warf er der Union vor, nach jedem Anschlag lediglich ihre „Polizeistaats-Wunschlisten“ hervorzuholen, um das Leid der Opfer für die eigene Agenda zu nutzen. Die vorgeschlagenen Verschärfungen gingen am eigentlichen Thema vorbei. Die Polizei, so Pantisano, könne zwar Täter im besten Fall stoppen, aber nicht den zugrundeliegenden Hass bekämpfen. Seine Lösung liegt im Symbolischen und Präventiven: Sichtbare Solidarität, die Beflaggung des Reichstages und die finanzielle Stärkung von Bildungsarbeit.

Der Neuköllner Vorfall und die Realitätsverweigerung der Linken

Doch der Vorwurf der Instrumentalisierung schlug postwendend zurück. Denn während die Sicherheitsbehörden den islamistischen Hintergrund des Berliner Täters längst benannt hatten, offenbarte sich in Pantisanos eigenem Parteiverband ein bemerkenswerter blinder Fleck.

Der Linken-Kreisverband Berlin-Neukölln veröffentlichte auf Instagram einen Post, der die Tat einordnen sollte. Darin war wortreich von einer „queer- und transfeindlichen Ideologie durch rechte und konservative Kräfte“ als Wegbereiter des Anschlags die Rede. Das Wort „Islamismus“ oder ein Verweis auf die tatsächliche Motivation des Täters suchte man vergebens.

Die Quittung für diese selektive Wahrnehmung folgte prompt. Der Berliner CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers warf der Linken in der Welt eine fundamentale „Realitätsverweigerung im Umgang mit dem politischen Islam und dem Islamismus“ vor. Wer ein Problem nicht beim Namen nennen könne, sei Teil des Problems und nicht der Lösung. Zwar korrigierte der Kreisverband den Post später und der Berliner Spitzenkandidat entschuldigte sich, doch das Signal war gesetzt. Luigi Pantisano ging dennoch in den Gegenangriff über und warf konservativen Politikern Absurdität vor: Sie würden erst Gelder für queere Projekte kürzen und sich später als deren Beschützer inszenieren.

Alfonso Pantisano und die sprachliche Verwässerung einer totalitären Ideologie

Die Tendenz, unliebsame Realitäten in das vertraute Raster des Kampfes gegen „Rechts“ zu pressen, ist jedoch kein Exklusivmerkmal der Linkspartei. Sie reicht bis in die Berliner SPD und führt direkt zu Luigis Bruder: Alfonso Pantisano, dem Berliner Queerbeauftragten.

Kurz vor dem verhängnisvollen Anschlag hatte Alfonso Pantisano öffentlich erklärt, dass die queere Community primär „von rechts und von konservativen Kräften“ bedroht werde. Nach der Tat, als der islamistische Hintergrund des Täters feststand, sah er sich zu einer semantischen Dehnungsübung gezwungen: Er stellte klar, dass er unter dem Begriff „konservative Kräfte“ selbstverständlich auch Islamisten verstehe.

Diese nachträgliche sprachliche Gleichsetzung löst das Problem jedoch nicht, sondern verschleiert es. Islamismus ist keine bloße Steigerungsform oder eine besonders strenge Variante des bürgerlichen Konservativismus. Er ist eine eigenständige, totalitäre politische Ideologie mit absolutem Herrschaftsanspruch. Wo islamistische Kräfte an Macht gewinnen, werden individuelle Selbstbestimmung, Religionsfreiheit, Frauenrechte und insbesondere queeres Leben fundamental infrage gestellt und physisch bedroht. Wer Islamisten sprachlich zu einer Unterkategorie „konservativer Kräfte“ degradiert, verwischt die entscheidenden Unterschiede und sabotiert damit eine zielgerichtete, effektive Gegenstrategie zum Schutz der Betroffenen.

Das Paradoxon der Systemkritik – Karrieren im Schutzraum des Rechtsstaates

Betrachtet man das Agieren der Pantisano-Brüder in dieser Krise, tritt ein tiefes politisches und biografisches Paradoxon zutage. Beide Brüder haben von Kindheit an in hohem Maße von den demokratischen, rechtsstaatlichen und pluralistischen Strukturen der Bundesrepublik profitiert. Sie konnten Karrieren in etablierten Parteien und Institutionen machen, öffentlich für ihre Überzeugungen eintreten und Spitzenämter bekleiden.

Dennoch neigen beide in ihren jeweiligen Rollen dazu, ebendieses System und seine bürgerlichen Repräsentanten mit maximaler Härte zu attackieren, während der Blick auf importierte, illiberale Bedrohungen erstaunlich unscharf bleibt. Unvergessen ist in diesem Kontext Luigi Pantisanos Entgleisung kurz vor seiner Wahl zum Parteichef im Juni 2026, als er die CDU in einem Interview mit der Bild-Zeitung mit der AfD und mit Faschisten gleichsetzte – eine Entgleisung, die ihm parteiübergreifend schärfste Kritik und Rücktrittsforderungen einbrachte.

Die Debatte um den CSD-Anschlag zeigt: Wenn Ideologie den Blick auf die Realität verstellt, gerät der eigentliche Schutz von Minderheiten ins Hintertreffen. Queere Menschen in Deutschland verdienen eine Sicherheitspolitik und eine politische Führung, die sämtliche Gefahrenquellen unvoreingenommen und präzise beim Namen nennt: den gewalttätigen Rechtsextremismus ebenso wie den militanten Islamismus, christlichen Fundamentalismus ebenso wie jede andere Form von organisierter Menschenfeindlichkeit. Werden diese Phänomene aus politischer Taktik gegeneinander aufgerechnet oder sprachlich weichgespült, verspielt die Politik das Vertrauen derer, die sie zu schützen vorgibt.

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