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Block Prozess: Das perfekte Alibi – oder genau das erwartbare Verhalten?

Gerhard Delling will mit ruhigem Auftreten und seltener Handynutzung seine Ahnungslosigkeit belegen. Doch genau dieses Verhalten ist auch mit den beschriebenen Regeln professioneller, abgeschirmter Kommunikation vereinbar. Das vermeintliche Entlastungsargument bekommt damit einen Haken.

Block Prozess:  Das perfekte Alibi – oder genau das erwartbare Verhalten?
Delling nennt ruhiges Feiern und seltene Handynutzung entlastend. Doch genau dieses Verhalten passt auch zu professioneller Abschirmung. Illustration by Richard Bergsirk

Gerhard Delling präsentiert sein Verhalten in der Silvesternacht als Argument für seine Ahnungslosigkeit. Niemand habe „auf heißen Kohlen“ gesessen, niemand ständig auf sein Handy geschaut. Die Verteidigung wollte sogar Zeugen dafür aufbieten, dass Christina Block und Delling entspannt unter Gästen feierten und ihre Telefone kaum beachteten.

Doch gerade dieser vermeintliche Entlastungsbeweis verdient eine zweite Betrachtung.

Denn die inzwischen im Prozess bekannt gewordenen Aussagen über die Arbeitsweise der israelischen Gruppe zeichnen das Bild einer abgeschirmten Kommunikation: ein unverfänglicher Neujahrsgruß als angeblich vorab vereinbarter Code, ein separat bereitgelegtes Prepaid-Handy und die Anweisung, das eigene Telefon zurückzulassen. David Barkay soll gegenüber Ermittlern erklärt haben, sichere Telefone und bestimmte Kommunikationsregeln seien für seine Firma Standard gewesen.

Wenn das zutrifft, verliert das Argument „Wir haben nicht aufs Handy geschaut“ nahezu seinen gesamten Entlastungswert. Wer für eine verdeckte Aktion professionelle Kommunikationsstrukturen benutzt, würde gerade nicht nervös auf seinem normalen Smartphone Nachrichten kontrollieren. Und wer nicht auffallen will, verhält sich in der Öffentlichkeit möglichst normal.