Die Haltungs-Bilanzen der Anja Kohl: Gibt es an der Börse eigentlich „gute linke“ und „böse rechte“ Aktien?

Wenn die ARD-Börsenexpertin Anja Kohl als Stammgast beim BR-Stammtisch Täter und Opfer vertauscht, leidet die Glaubwürdigkeit. Verzapft sie an der Börse denselben ideologischen Mist? Gibt es dort etwa „linke gute“ und „rechte böse“ Aktien, oder kann man die Börse im Ersten noch ernst nehmen?

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Die Haltungs-Bilanzen der Anja Kohl: Gibt es an der Börse eigentlich „gute linke“ und „böse rechte“ Aktien?
Logik-Crash bei Anja Kohl: Gibt es „böse“ Aktien?

Anja Kohl gilt als das unbestechliche Gesicht des deutschen TV-Wirtschaftsjournalismus. Wer kurz vor der Tagesschau im Ersten die Sendung Wirtschaft vor acht einschaltet, erwartet präzise Analysen, nackte Zahlen und unbestechliche Fakten vom Frankfurter Parkett. Doch wer Frau Kohl beim Sonntags-Stammtisch im Bayerischen Rundfunk (BR) erlebte, wo sie regelmäßig als Stammgast am Tisch sitzt, rieb sich fassungslos die Augen. Dort mutierte die vermeintlich kühle Rechnerin zur Chef-Ideologin eines öffentlich-rechtlichen Haltungsjournalismus, der jeglichen Bezug zur logischen Realität verloren hat.

Was war passiert? Am Rande des AfD-Parteitags in Erfurt jagten und prügelten gewalttätige, linke Gegendemonstranten junge Reporter konservativer Medien. Einem Journalisten wurde auf den Kopf getreten, einem anderen ins Gesicht geboxt. Ein brutaler Angriff auf die Pressefreiheit – verübt aus dem linksextremen Spektrum. Anja Kohls Fazit in der BR-Runde? „Die AfD hat es nicht geschafft, öffentlich sich davon zu distanzieren.“

Man muss sich diese intellektuelle Geisterfahrt auf der Zunge zergehen lassen: Eine journalistische Instanz fordert live im Fernsehen von den Opfern einer Demonstration, sich von den Gewalttaten ihrer eigenen, hasserfüllten Gegner zu distanzieren. Das ist so, als würde man von einem Hausbesitzer verlangen, sich öffentlich dafür zu entschuldigen, dass Einbrecher seine Möbel zertrümmert haben. Sogar die Redaktion des BR musste nach massiver Kritik im eigenen Korrekturblog zurückrudern und einräumen, dass für eine echte Einordnung der Fakten in der Sendung leider „die Zeit fehlte“.

Doch dieser Fehltritt am bayerischen Stammtisch wirft eine viel tiefere, fundamentale Frage auf: Wenn eine renommierte Wirtschaftsjournalistin im politischen Raum Täter und Opfer so bereitwillig vertauscht, um eine moralische Narrative zu bedienen – wie hält sie es dann eigentlich mit ihrem Kerngeschäft?

Verzapft Frau Kohl an der Börse eigentlich denselben moralisierenden Mist? Gibt es in ihrer Denkwelt womöglich auch „linke, gute“ und „rechte, böse“ Aktien?

Übertragen wir ihr Erfurter Logik-Modell auf das Parkett: Müssten sich nach dieser Schablone demnach saubere Tech-Konzerne dafür entschuldigen, wenn betrügerische Spekulanten den Markt manipulieren? Und wie bewertet eine solche Haltungs-Ökonomin die harte Realität der Märkte? Seit Jahren versucht die Finanzwelt über sogenannte ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) eine moralische, oft linksliberale Agenda in die Depots zu drücken. Grüne Tech-Aktien gelten als „gut“, Rüstungskonzerne als „böse“.

Doch die nackte Realität schert sich nicht um den erhobenen Zeigefinger. Spätestens seit den globalen Krisen erleben Rüstungsaktien wie Rheinmetall historische Höhenflüge, während hochsubventionierte, grüne Luftschlösser reihenweise in sich zusammenbrechen. Die Börse ist radikal pragmatisch. Sie kennt keine Gesinnung, sondern nur Rendite, Cashflow und nackte Bilanzen.

Kann man die Börse im Ersten mit einer Moderatorin, die als Stammgast im BR die journalistischen Grundregeln der Kausalität über Bord wirft, überhaupt noch ernst nehmen? Wenn die Grenze zwischen unbestechlicher Berichterstattung und ideologischer Voreingenommenheit so massiv verschwimmt, leidet die Kernkompetenz. Wer im Fernsehen Wirtschaft erklärt, muss frei von ideologischen Scheuklappen sein. Wenn Bilanzen irgendwann nach politischer Wohlgefälligkeit statt nach Gewinn und Verlust bewertet werden, verliert der Wirtschaftsjournalismus seine Existenzberechtigung. Frau Kohl hat am Sonntags-Stammtisch intellektuell Schiffbruch erlitten. Es bleibt zu hoffen, dass sie auf dem Frankfurter Parkett die Zahlen sauberer trennt als die politische Logik im TV-Studio.


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Germanistik statt Finanzen – Die fehlende Bilanz der Expertin

Wirft man einen Blick auf den Lebenslauf der ARD-Börsenexpertin, wird das Fundament ihrer Marktanalysen noch fragwürdiger. Anja Kohl hat ein abgeschlossenes Studium – allerdings nicht in Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft oder Finanzwissenschaften. Ihr akademischer Hintergrund lautet: Germanistik, Publizistik und Politikwissenschaft. Sie ist eine Frau der Worte, keine Frau der Zahlen. Was sie zur „Finanzexpertin“ qualifiziert, ist offensichtlich nicht tiefes ökonomisches Fachwissen, sondern die jahrelange mediale Routine im öffentlich-rechtlichen Apparat sowie Stationen bei Sendern wie Bloomberg oder n-tv.

Dass sie komplexe Wirtschaftsdaten vor allem in sprachliche Bilder, Sprichwörter und Metaphern verpackt – was ihr sogar eine Parodie in Switch Reloaded einbrachte –, passt ins Bild: Wo die harte wirtschaftliche Tiefenschärfe fehlt, muss das rhetorische Talent einspringen.

Besonders pikant wird es jedoch bei ihren Nebentätigkeiten. Im Jahr 2009 geriet Kohl massiv in die Kritik, weil sie nebenbei gut bezahlte Auftritte bei Banken und Industriekonzernen wahrnahm. Das NDR-Medienmagazin Zapp hinterfragte damals zu Recht die Unabhängigkeit ihrer journalistischen Arbeit. Der Hessische Rundfunk wiegelte die Debatte damals als „Neiddebatte“ ab und verwies darauf, dass Kohl ohnehin nur „freie Mitarbeiterin“ sei.

Diese Personalie offenbart das Kernproblem unseres Wirtschaftsjournalismus: Wenn die oberste Erklärerin des Frankfurter Parketts im Grunde eine Geisteswissenschaftlerin mit einer Vorliebe für die Finanzbranche ist, darf man sich nicht wundern, wenn am Ende Ideologie über Fakten siegt. Wer von Banken für Vorträge gebucht wird und im BR-Studio die Kausalität von Ursache und Wirkung bei linker Gewalt verfälscht, zeigt vor allem eines: Frau Kohl beherrscht das PR-Handwerk und die politische Haltung perfekt. Um den realen, harten Markt unvoreingenommen zu analysieren, braucht es jedoch mehr als ein Germanistik-Diplom und das richtige Parteibuch im Kopf.


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