Elif Eralp gewinnt Berlin-Wahl „Eine von uns wird Bürgermeisterin!“
Wenn die taz den Wahlerfolg bejubelt und vom Triumph der Eigenen schwärmt, zeigt sich: Es geht nicht um Integration, sondern um Separatismus. Eine scharfe Abrechnung mit linker Identitätspolitik, hohlen Floskeln und dem Verrat an echter Assimilation.
Antwort auf die Kolumne Keep me updated von Ali Çelikkan
Lieber Ali Çelikkan,
fangen wir doch direkt mit der großen, welthistorischen Begegnung an, die Sie da so rührend und mit einer fast schon kindlichen Naivität in Ihrer taz-Kolumne beschreiben. Da irren Sie vor zehn Jahren als junger Journalist durch die Gänge des Bundestages und treffen – oh Wunder, der Himmel reißt auf – auf Frank-Walter Steinmeier. Und dieser Gigant der politischen Rhetorik, dieser ewige Schröder-Kumpel und maßgebliche Architekt der Agenda 2010, der Mann, der die politische Phrasendrescherei und das nichtssagende Raunen zur absoluten olympischen Disziplin erhoben hat, haucht Ihnen im Vorbeigehen ein lässiges, völlig bedeutungsloses „Keep me updated“ entgegen. Ein englischer Floskel-Wegwerfsatz, wie man ihn auf jedem drittklassigen Startup-Netzwerktreffen hört, wenn das Gegenüber eigentlich nur schnell lächelnd zum Buffet fliehen will.
Und Sie? Sie machen aus dieser hohlen Politiker-Phrase zehn Jahre später Ihren journalistischen Nordstern, Ihre große publizistische Mission. Glauben Sie allen Ernstes, der heutige Schlossherr von Bellevue, der oberste Grüßaugust der Nation, saß in den letzten zehn Jahren jeden Abend schlaflos in seinem samtbezogenen Sessel und hat sich gefragt: „Mensch, was macht eigentlich der Ali? Wann kommt endlich mein ersehntes Update aus Neukölln?“ Diese geradezu groteske Selbstüberschätzung ist bereits die perfekte Ouvertüre für den Rest Ihres Artikels, in dem Sie den Bezug zur politischen und gesellschaftlichen Realität dieses Landes endgültig hinter sich lassen.
Kommen wir also zum inhaltlichen Kern Ihres großen „Updates“ an den Bundespräsidenten. Sie feiern den Wahlerfolg von Elif Eralp und der Linkspartei in Berlin. Und wie lautet der euphorische Jubelruf, der laut Ihrer Beobachtung durch die migrantischen Communitys hallt? „Eine von uns wird Bürgermeisterin!“ Eine von uns. In diesen drei kleinen, toxischen Worten, lieber Ali, offenbart sich die ganze verheerende Tragik und die zerstörerische Kraft der rot-rot-grünen Identitätspolitik, die Sie uns hier als fortschrittliches Märchen aus dem Berliner Kiez verkaufen wollen.
„Eine von uns“ bedeutet nämlich im politischen Umkehrschluss immer auch zwingend: „Nicht eine von denen“. Es ist der ultimative, unüberhörbare Ruf der Separation. Was Sie da in der taz bejubeln, ist ganz sicher nicht der Triumph der Integration. Es ist nicht das freudige, harte Ankommen in der Mitte der deutschen Gesellschaft. Es ist exakt das Gegenteil: Es ist die zelebrierte Manifestation des migrantischen Stammesdenkens.
Sie, Herr Çelikkan, und Ihre ideologische taz-Blase wollen im Grunde gar keine echte Integration und schon gar keine Assimilation. Wir brauchen aber schlichtweg keine Einwanderer – egal ob Türken, Araber oder sonst woher –, die zwar gerne die Vorzüge und Freiheiten dieses Landes in Anspruch nehmen wollen, aber sich strikt weigern, Deutsche zu werden.
Wir brauchen keine Menschen, die das Konzept der Assimilation ablehnen, ganz so, wie es Ihr damaliger und heutiger türkischer Präsident Erdogan einst als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" verunglimpft hat, um seine Anhänger in Deutschland fein säuberlich auf Distanz zur Mehrheitsgesellschaft zu halten. Sie wollen offensichtlich keine neuen Deutschen, die in diesem Land Wurzeln schlagen, seine Geschichte, Sprache und Leitkultur respektieren und Teil eines großen, gemeinsamen Staatsvolkes werden. Sie wollen unantastbare Parallelgesellschaften, die sich nun auch noch gezielt politische Mandate sichern.
Sie beschreiben die Wahlparty im Ballhaus Rixdorf am Kottbusser Damm, als wäre es eine romantische, unschuldige Szene aus einem multikulturellen Utopia. Migranten tanzen Halay zum dumpfen Saz-Klang, und die deutschen Linken stolpern mit – wie Sie selbst geradezu süffisant schreiben – „gewohnt unbeholfenen Körperkoordination“ daneben herum.
Was für ein unfreiwillig entlarvendes Bild für Ihr Weltbild! Der deutsche Mehrheitsbürger darf in Ihrer kruden Vorstellung von Gesellschaft offenbar nur noch als ungelenker, apologetischer und grenzenlos toleranter Statist am Rand klatschen, während die wahre Musik von denjenigen gespielt wird, die sich bewusst abgrenzen.
Es geht der Linken und der mit ihr Hand in Hand paktierenden Türkischen Arbeiterpartei (TİP) eben ganz offensichtlich nicht um das Wohl der gesamten Stadt oder des ganzen Landes. Man klappert die Berliner Haustüren nicht ab, um Bürger für eine geeinte Gesellschaft zu gewinnen. Man tut dies, um eine ethnisch und ideologisch separierte Wählergruppe zu mobilisieren, deren politische Hauptidentität schlichtweg darin besteht, sich vom deutschen Mainstream fernzuhalten und das „Migra“-Dasein zum unantastbaren Kult zu erheben.
Und wenn wir schon von politischer Repräsentation sprechen: Wo war eigentlich Ihr großes, jubelndes Update an den Herrn Bundespräsidenten, als Leute wie Cem Özdemir in höchste politische Ämter aufstiegen und in Baden-Württemberg Triumphe feierten? Warum hat das radikale linke Milieu, warum hat die publizistische taz-Fraktion bei Özdemir nie dieses wohlige, warme „Einer von uns“-Gefühl zelebriert?
Die Antwort ist so simpel, wie sie Ihre gesamte Ideologie schonungslos entlarvt: Weil Özdemir den in Ihren Augen unverzeihlichen Fehler begangen hat, sich vollständig und erfolgreich zu assimilieren. Er steht für bürgerliche Verantwortung, für wirtschaftliche Vernunft, er spricht feinstes Schwäbisch, repräsentiert das "Ländle" als Landesvater der Herzen und verkörpert den perfekten Aufstieg in die etablierte Mitte der deutschen Gesellschaft. Er spielt nicht das professionelle, dauerbeleidigte Opfer, er nutzt keine anti-westliche Klassenkampf-Rhetorik, und er ist ein glasklarer Kritiker des politischen Islams und der Erdogan-Autokratie. Für einen Politiker wie Özdemir, der lebhaft und greifbar beweist, dass man in Deutschland durch Anpassungsbereitschaft, Leistung und Respekt vor der Mehrheitskultur alles erreichen kann, hat Ihr identitätspolitisches Milieu nur eiskalte Verachtung übrig. Denn eine gelungene Assimilation nach dem Vorbild Özdemir zerstört Ihr lukratives publizistisches Geschäftsmodell der ewigen Marginalisierung und Ausgrenzung.
Ihre Kolumne, Herr Çelikkan, feiert in Wahrheit nicht den Sieg der Demokratie oder der Teilhabe, sie feiert den Sieg der gesellschaftlichen Zersplitterung. Wenn Sie allen Ernstes glauben, dass ein friedliches, starkes und produktives Zusammenleben in einem Land funktionieren kann, in dem jede ethnische, religiöse oder ideologische Interessengruppe nur noch „einen von uns“ an der Spitze sehen will, dann haben Sie die elementaren Grundpfeiler einer funktionierenden Nation nicht ansatzweise begriffen. Ein Land, das Einwanderer aufnimmt, muss zwingend verlangen können, dass diese Menschen den unbedingten Willen haben, sich vollends zu integrieren und die kulturellen und politischen Trennlinien der Vergangenheit auszuradieren.
Assimilation ist kein schmutziges Wort, kein politisches Gift und schon gar kein Verrat, wie es in den stickigen Redaktionsräumen der taz gebetsmühlenartig behauptet wird. Assimilation ist der absolut unverzichtbare soziale Klebstoff, der verhindert, dass eine Gesellschaft in sich verfeindete, misstrauische Ghettos und egoistische Stämme zerfällt. Wer, wie Sie, den berechtigten Anpassungsdruck der Mehrheitsgesellschaft verteufelt und stattdessen das separierte „Migra“-Dasein als höchste politische Daseinsform stilisiert, bereitet fahrlässig den Boden für exakt jene zerrissene, konfliktgeladene Gesellschaft, die Sie nun so unverhohlen auf linken Wahlpartys bejubeln.
Also, lieber Ali, wenn Sie Ihrem Kumpel, dem alten Phrasen-König Frank-Walter Steinmeier, das nächste Mal ein Update ins Schloss Bellevue schicken, seien Sie doch wenigstens für einen kurzen Moment absolut ehrlich. Schreiben Sie ihm: „Lieber Herr Bundespräsident, wir haben es geschafft. Wir haben die klassische Integration endgültig beerdigt und durch aggressive, spaltende Identitätspolitik ersetzt. Wir definieren uns gar nicht mehr primär als Berliner oder gar als Deutsche, sondern nur noch als Kurden, Aleviten, Türken und wütende, antikapitalistische 'Migras'. Die Gesellschaft spaltet sich jeden Tag ein bisschen mehr, das tribale Stammesdenken regiert die Kieze, und wir tanzen dazu lautstark Halay auf den rauchenden Trümmern des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Keep me updated, werter Herr Bundespräsident, ob Sie da oben in Ihrem gut gepolsterten Elfenbeinturm eigentlich noch irgendetwas von diesem Flächenbrand mitbekommen.“
Das, mein lieber Ali Çelikkan, wäre zumindest eine schonungslos ehrliche und realitätsnahe Kolumne gewesen. Aber echte Ehrlichkeit und kritische Selbstreflexion passen eben leider nur sehr selten in das engstirnige Weltbild der taz.
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