GdP-Krise: Wie Jochen Kopelke und Sven Hüber die Gewerkschaft spalten
Ein Magazinbeitrag zur AfD bringt die GdP-Führung in Bedrängnis: Vize-Chef Sven Hüber gerät wegen seiner DDR-Politoffiziers-Vergangenheit in die Kritik, während ein gelöschter Wikipedia-Eintrag Fragen aufwirft. Bundeschef Jochen Kopelke reagiert mit Attacken – und spaltet die eigene Gewerkschaft.
Causa GdP: DDR-Vergangenheit, Wikipedia-Edit und der SPD-Hintergrund von Jochen Kopelke
Der Richtungsstreit an der Spitze der Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat sich zu einer Krise ausgewachsen. Im Zentrum stehen umstrittene Veröffentlichungen zum Umgang mit der AfD, die DDR-Grenzgeschichte von Vize-Chef Sven Hüber, der Versuch, dessen Biografie auf Wikipedia zu glätten, und das Verhalten von Bundeschef Jochen Kopelke.
Der Auslöser: Magazinbeitrag und Staatsnotstand-Thesen
In der GdP-Gewerkschaftszeitung DEUTSCHE POLIZEI publizierte der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Sven Hüber (62) einen Beitrag unter dem Titel „Richtig Nein sagen“. Darin befasste er sich mit dem Dienstverhältnis von Polizeibeamten im Kontext der Parteipolitik und entwarf Szenarien für den Fall einer AfD-Regierungsbeteiligung in Sachsen-Anhalt.
Hüber argumentierte, dass bereits die Wahl der AfD den Amtseid eines Polizisten verletzen könne, und zog Parallelen zu einem „inneren Staatsnotstand“, in dem Polizeikräfte gegen verfassungswidrige Anweisungen vorgehen müssten. Verfassungsexperten und eigene Gewerkschaftsränge bewerteten diese Äußerungen als hochgradig problematisch.
Der Schatten der Vergangenheit: Vom DDR-Politoffizier zum Hauptpersonalrat
Im Zuge der Debatte rückte Sven Hübers Biografie erneut in den Blickpunkt der Öffentlichkeit:
- Offiziersschule Suhl: Hüber studierte von 1983 bis 1987 an der Offiziershochschule „Rosa Luxemburg“ der Grenztruppen der DDR in Suhl und schloss mit einer Diplomarbeit über den damaligen Bundesgrenzschutz ab.
- Politoffizier: Bis zum Fall der Mauer am 9. November 1989 diente er im Grenzregiment 33 (Berlin-Treptow) als Politoffizier und Jugendinstrukteur.
- Laufbahn in der Bundesrepublik: Nach dem Ende der DDR setzte Hüber seine Laufbahn fort, stieg bei der heutigen Bundespolizei auf und bekleidet dort den Vorsitz des Hauptpersonalrates sowie Spitzenämter in der GdP.
Der Manipulationsversuch auf Wikipedia
Während der medialen Berichterstattung intervenierte ein Benutzerkonto namens „GdP.Bund“ auf der Enzyklopädie Wikipedia. Der Account versuchte, Passagen zu Hübers Funktion als DDR-Politoffizier sowie Details seiner Ausbildung aus dem Biografie-Eintrag zu streichen.
Die Administratoren der Plattform machten die Änderungen umgehend rückgängig und stellten die belegten Fakten wieder her. In Medien und Öffentlichkeit wurde dieser Schritt als versuchte Geschichtskorrektur und PR-Zensur gewertet.
Das Krisenmanagement von Jochen Kopelke
GdP-Bundeschef Jochen Kopelke (42) bezog nach anhaltendem Druck in einer offiziellen Stellungnahme Position:
- Einräumen des Edits: Die Bearbeitung des Wikipedia-Eintrags bezeichnete Kopelke als „bedauerliches Ergebnis eines internen Kommunikationsdefizits“.
- Schutz des Stellvertreters: Er stellte sich hinter Hüber, lobte dessen dreijahrzehntelangen Dienst in der Bundespolizei und wies die Medienkritik an Hübers DDR-Biografie als „öffentliche Hetze“ zurück.
- Drohung mit rechtlichen Schritten: Kopelke kündigte an, dass die GdP im Zusammenhang mit medialen Veröffentlichungen strafrechtlich gegen Urheber vorgehen werde.
Der politische und berufliche Hintergrund Kopelkes
Kritiker ordnen das Agieren der GdP-Führung vor dem Hintergrund von Kopelkes Werdegang ein:
- SPD-Parteibuch: Kopelke ist SPD-Mitglied und war unter anderem im SPD-Ortsverein Bremen-Findorff aktiv.
- Referent und Büroleiter: Vor seiner Wahl zum Bundesvorsitzenden im September 2022 arbeitete Kopelke als Büroleiter und persönlicher Referent des Bremer Innensenators Ulrich Mäurer (SPD).
- Verwaltungserfahrung: Durch seine Tätigkeit im Innenressort ist er mit Strategien der politischen Kommunikation und des Apparat-Schutzes vertraut.
In Teilen der Gewerkschaft sowie bei politischen Mitbewerbern verstärkte dies den Eindruck, dass Abwehrreflexe und geschlossenes Verwalten von Problemen Vorrang vor einer offenen Aufarbeitung der Vorwürfe erhielten.
Reaktionen innerhalb der Polizei
Der Kurs der Bundesspitze führte zu deutlichen Spannungen innerhalb der GdP. Mehrere große Landesbezirke – darunter Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg und Berlin – distanzierten sich von den Formulierungen der Bundesführung und forderten eine sachliche Selbstkritik. Auch die konkurrierende Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) übte scharfe Kritik am Krisenmanagement des GdP-Vorstands.
Quellenübersicht
- Berichterstattung BILD-Zeitung zu Wikipedia-Bearbeitung und GdP-Stellungnahme
- Offizielle Stellungnahme der GdP im Magazin DEUTSCHE POLIZEI
- Wikipedia-Eintrag Sven Hüber (Dokumentation des Werdegangs)
- Wikipedia-Eintrag Gewerkschaft der Polizei (Organisationsstruktur & Vorstand)
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