Bürgerlich-liberale Zeitung

Briefing

Justizskandal Stade: Waffendeal und das SPD-Schweigen

Zwei Monate nach dem Sechsfachmord in Stade ist der mutmaßliche Waffenlieferant in Berlin gefasst worden. Doch während die Herkunft der Tatwaffe geklärt scheint, droht ein Justizskandal: Die Fluchthelferin Sylvia S., Schwiegermutter eines SPD-Politikers, bleibt weiterhin von der Justiz verschont.

Die Spur nach Berlin und das brüllende Schweigen um die SPD-Verstrickungen

Der kaltblütige Sechsfachmord in einer Jugendhilfe-Einrichtung in Stade hat die Republik erschüttert – doch was sich nun, zwei Monate nach der Bluttat, in den Ermittlungsakten und den Hinterzimmern der Justiz abspielt, droht zu einem handfesten Justizskandal auszuwachsen. Während die Polizei einen Durchbruch bei der Beschaffung der Tatwaffe feiert, legt sich ein bleierner Mantel des Schweigens über die Komplizen des Täters. Im Zentrum der unbeantworteten Fragen: Organisierte Kriminalität, ein perfides Unterstützernetzwerk und die unantastbar wirkende Schwiegermutter eines hochrangigen SPD-Politikers.

Der Waffendeal am Kurfürstendamm: Keine Beschaffung am Bahnhof Zoo

Lange wurde gerätselt, wie der 45-jährige Todesschütze Fatih G. an die Tatwaffe gelangen konnte. Die nun erfolgte Festnahme eines 49-jährigen türkischstämmigen Mannes in Berlin-Neukölln durch Spezialkräfte und die Stader Mordkommission liefert die erschreckende Antwort. Wer glaubte, solche illegalen Transaktionen fänden konspirativ und anonym an dunklen Ecken wie dem Bahnhof Zoo statt, wird eines Besseren belehrt. Die Realität der organisierten Kriminalität ist weitaus dreister.

Ermittlererkenntnissen zufolge wechselte die Mordwaffe – eine Beretta Modell 70, kalibriert für tödliche Präzision, inklusive 21 Schuss Munition – direkt auf dem noblen Kurfürstendamm den Besitzer. Der Preis für das Werkzeug, das sechs unschuldige Mitarbeiter des Jugendamtes und der Jugendhilfe das Leben kosten sollte: 4.000 Euro. Es war ein gezielter, geschäftsmäßiger Deal unter Landsleuten. Die Festnahme in Neukölln zeigt einmal mehr, wie tief die Strukturen des illegalen Waffenhandels in der Hauptstadt verwurzelt sind und wie mühelos Kriminelle das Land mit Schusswaffen überschwemmen. Der 49-jährige Lieferant sitzt nun in einer niedersächsischen Justizvollzugsanstalt, deren genauer Standort aus „Sicherheitsgründen“ streng geheim gehalten wird.

Blutbad im Jugendamt und der bequeme Tod des Haupttäters