Razzia vor der Wahl: Der Verdacht wird zur politischen Waffe
Zehn Tage vor der Landtagswahl geraten zwei AfD-Kandidaten durch eine Razzia in den Fokus. Der Vergleich mit linker Gewalt in Erfurt wirft die Frage auf: Warum stellen Medien bei der AfD eine Parteiverbindung her, während sie linke Angriffe Einzelnen zurechnen?
Spiegel, taz, Volksstimme und Correctiv stellen die AfD schon vor einem Urteil an den medialen Pranger – während sie linke Gewalt von der Partei Die Linke fernhalten
Zehn Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt durchsucht die Polizei die Wohnungen und Grundstücke mehrerer mutmaßlicher Unterstützer der verbotenen rechtsextremen „Artgemeinschaft“. Unter den Beschuldigten befinden sich zwei Kandidaten der AfD: Simon Lansmann und Sebastian Koch. Binnen kürzester Zeit erscheint die Nachricht in nahezu identischer Rahmung bei taz, Spiegel, Volksstimme und Correctiv.
Die taz titelt über „Razzien bei AfD-Männern“, der Spiegel über eine „Razzia bei zwei AfD-Landtagskandidaten […] wegen verbotener Rassistensekte“, die Volksstimme über eine „Razzia bei AfD-Kandidaten Lansmann und Koch“ und Correctiv über eine „Razzia bei zwei AfD-Kandidaten wegen verbotener Neonazi-Vereinigung“.
Keine dieser Überschriften ist für sich genommen nachweislich falsch. Beide Männer kandidieren für die AfD. Die Artgemeinschaft wurde verboten, weil sie rassistisches, antisemitisches und nationalsozialistisch geprägtes Gedankengut verbreitete. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte das Verbot am 29. April 2026. Die Parteizugehörigkeit der Beschuldigten besitzt daher unbestreitbar Nachrichtenwert.
Die entscheidende Frage lautet jedoch nicht nur, ob die einzelnen Angaben zutreffen. Sie lautet vielmehr: Warum werden genau diese Angaben ausgewählt, kombiniert und wenige Tage vor einer Wahl maximal hervorgehoben? Warum wird aus einem noch ungeklärten strafrechtlichen Verdacht gegen zwei Personen beinahe geschlossen eine Geschichte über die AfD als Partei? Und warum gelten bei politisch links eingeordneten Gewalttaten offenbar andere Regeln der Zurechnung?
Die Geschichte begann lange vor der Razzia
Der Eindruck einer plötzlich bekannt gewordenen Gefahr täuscht. Medien berichteten bereits Wochen vor den Durchsuchungen ausführlich über das Treffen auf dem Hof des AfD-Kandidaten Simon Lansmann.