Timing, Bias und Methodenschwächen
Wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt nutzt die taz ein fragwürdiges Interview, um Stimmung gegen die Polizei zu machen. Beamte werden unter Antisemitismus-Generalverdacht gestellt. Eine Analyse zeigt: Die zugrundeliegende Studie ist methodisch unbrauchbar und politisch motiviert.
Wie ein taz-Interview Stimmung gegen die Polizei Sachsen-Anhalt macht
Wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sorgt ein Interview in der taz für Aufsehen. Unter dem Titel „Ein Beamter sagte, viele Kolleg*innen fänden die AfD gut“ wird das Bild einer vermeintlich durchsetzten, empathielosen und strukturell antisemitischen Landespolizei gezeichnet. Bei genauerer Betrachtung des Texts, der handelnden Akteurinnen und des wissenschaftlichen Rahmens offenbart sich jedoch ein Lehrbeispiel für ideologische Vorverurteilung, methodische Schwächen und gezielte politische Stimmungsmache im Vorfeld eines entscheidenden Wahltags.
Das politische Timing: Studienbefunde als Wahlkampfmunition
Dass ein Interview über eine wochenlange Beobachtung bei der Polizei Sachsen-Anhalt exakt vier Tage vor der Landtagswahl am 6. September veröffentlicht wird, ist kein Zufall. Die politischen Rahmenbedingungen sind brisant: Die AfD liegt in den Umfragen im Land bei Rekordwerten.
Das Framing des Beitrags zielt darauf ab, eine direkte Verbindung zwischen polizeilicher Berufspraxis, vermeintlichem strukturellem Antisemitismus und dem Erstarken der AfD herzustellen. Indem der polizeiliche Alltag pauschal unter Diskriminierungsverdacht gestellt und mit einer möglichen Regierungsbeteiligung der AfD verknüpft wird, dient der Artikel weniger der sachlichen Aufklärung als vielmehr der politischen Mobilisierung.
Die Akteurinnen: Akademische Einäugigkeit trifft auf Aktivismus
Um die wissenschaftliche Belastbarkeit der Aussagen zu bewerten, lohnt sich ein Blick auf die Beteiligten des Interviews:
- Die Forscherin (Franziska Sujeba): Als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Soziale Arbeit, Medien, Kultur der Hochschule Merseburg forscht Sujeba explizit zu den Schwerpunkten „Institutioneller Antisemitismus im Kontext Polizei“ und „Antisemitismuskritische Bildungsarbeit“. Ihr gesamtes akademisches Profil ist auf die Bestätigung dieser einen These ausgerichtet. In der Wissenschaftsforschung ist dieses Phänomen als Confirmation Bias (Bestätigungsfehler) oder Maslows Hammer bekannt: Wer als einziges Werkzeug einen Hammer besitzt, sieht in jedem Phänomen einen Nagel.
- Die Interviewerin (Cynthia Cornelius): Die Nachforschungen zur Autorin zeigen eine Überschneidung von akademischer Qualifikation und journalistischer Haltung. Als Studentin im Umfeld der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und freie Journalistin für das explizit linke Milieu der taz fehlt dem Beitrag die kritische Distanz. Anstatt methodische Schwächen der Befragten zu hinterfragen oder Gegenpositionen einzuholen, agiert das Interview als Stichwortgeber für vorgefertigte Narrative.