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Alexander eroberte die Welt. Zwei Männer wollten nur ein Leben.

Zwei Männer kämpfen im Reich Alexanders um Liebe und Freiheit. Adrian Kerr verbindet historische Epik, politische Intrigen und sinnliche M/M-Romance zu einem ungewöhnlichen Roman über die Macht der Sieger und die Namen der Vergessenen.

Alexander eroberte die Welt. Zwei Männer wollten nur ein Leben.
Liebe, Krieg und Macht im Reich Alexanders: Adrian Kerrs „Königreiche aus Staub“ in der erweiterten Ausgabe. Eine literarische Besprechung.

Mit „Königreiche aus Staub“ legt Adrian Kerr einen historischen M/M-Roman vor, der weit mehr sein will als eine Liebesgeschichte vor antiker Kulisse. Es geht um Krieg, Macht, Begehren und die gefährliche Frage, wer über das Schicksal eines Menschen bestimmen darf.

Die Geschichte Alexanders des Großen ist tausendfach erzählt worden. Meistens aus der Perspektive der Sieger. Adrian Kerr interessiert sich für diejenigen, die unter ihren Füßen lagen.

Sein Roman Königreiche aus Staub, jetzt in einer vollständig überarbeiteten und erheblich erweiterten Ausgabe erschienen, beginnt mit dem Untergang Thebens im Jahr 335 vor Christus.

Alexander ist jung, ehrgeizig und auf dem Weg zur Weltherrschaft. Der sechzehnjährige Myron hingegen verliert innerhalb weniger Stunden seine Heimat, seinen Vater und seine Freiheit.

Er besitzt nur noch sein Wissen über einige Namen, die niemals in die falschen Hände geraten dürfen.

Damit beginnt eine Geschichte, die sich über Jahre und Kontinente erstreckt, vom zerstörten Griechenland bis tief in das persische Großreich.

Zwei Jungen, zwei Welten, eine gefährliche Nähe

Leandros ist siebzehn, Makedone, Soldat und an Gehorsam gewöhnt. Seine Familie erwartet von ihm eine militärische Laufbahn. Die Gunst mächtiger Männer soll seine Zukunft sichern.

Myron gehört zur unterworfenen Bevölkerung.

Er hat allen Grund, Leandros zu hassen.

Kerr verzichtet auf die bequeme Vorstellung einer Liebe, die solche Unterschiede durch einen einzigen romantischen Augenblick verschwinden lässt.

Als sich die beiden begegnen, sind sie zunächst Gegner. Myron muss um sein Überleben kämpfen. Leandros beginnt erst allmählich zu begreifen, dass ein Befehl nicht dadurch richtig wird, dass er von einem König stammt.

Der Roman nimmt sich Zeit, bis aus diesem Konflikt Vertrauen und schließlich Liebe entsteht.

Diese Entwicklung ist seine eigentliche emotionale Leistung.

Myron bleibt widerständig, gelegentlich verletzend und moralisch keineswegs immer überlegen. Leandros wiederum ist kein heimlicher Pazifist in makedonischer Uniform. Er will Karriere machen, bewundert militärische Stärke und kann sich lange nicht von den Erwartungen seines Umfelds lösen.

Gerade deshalb wirken beide glaubwürdig.

Eine Liebe, die auch körperlich erzählt wird

Die erweiterte Ausgabe macht deutlicher als zuvor, dass Kerr einen historischen Liebesroman für Erwachsene geschrieben hat.

Während die Beziehung zunächst durch Misstrauen, Gespräche und vorsichtige Annäherung geprägt ist, erhält mit dem Erwachsenwerden der Figuren auch ihre Sexualität größeren Raum.

Die körperlichen Begegnungen sind teilweise ausdrücklich geschildert. Das unterscheidet den Roman sowohl von einer zurückhaltenden Jugendromanze als auch von historischen Büchern, die gleichgeschlechtliche Liebe lediglich andeuten.

Bemerkenswert ist jedoch, dass Kerr Sexualität nicht als isolierten Reiz einsetzt.

Sie wird zum Gegenentwurf einer Welt, in der Menschen verkauft, benutzt und nach ihrem gesellschaftlichen Nutzen bewertet werden.

Die beiden Männer müssen erst lernen, dass Nähe keine Verfügungsgewalt bedeutet.

So entsteht eine Liebesgeschichte, in der Begehren, Verletzlichkeit und Freiheit untrennbar miteinander verbunden sind.

Der gefährlichste Mann trägt nicht unbedingt ein Schwert

Die zweite große Stärke des Romans liegt in seiner politischen Konstruktion.

Kerrs eigentlicher Gegenspieler ist nicht Alexander. Es ist Menalkes, ein Mann, der Macht durch persönliche Abhängigkeiten, Geld, manipulierte Akten und gefälschte Dokumente organisiert.

Menschen verschwinden aus Registern. Gefangene werden zu Handelsware. Schriftstücke legitimieren Entscheidungen, die andernfalls als Verbrechen erkennbar wären.

Der bemerkenswerteste Gedanke dieses Romans lautet deshalb: Herrschaft beginnt nicht erst beim Töten. Sie beginnt häufig beim Erfassen, Einordnen und Verfügen.

Eine Wachstafel kann über Leben oder Tod entscheiden.

Der Schreiber kann mächtiger werden als der Soldat.

Und die Frage, wer die Archive kontrolliert, ist manchmal wichtiger als die Frage, wem eine Stadt gehört.

Kerr entwickelt daraus einen historischen Intrigenroman, dessen Motive erschreckend vertraut erscheinen, ohne dass seine Figuren in gegenwärtige politische Kostüme gezwängt werden müssen.

Alexander und Hephaistion: Die andere Liebe

Eine weitere erzählerische Entscheidung verdient Aufmerksamkeit.

Kerr stellt Alexander und Hephaistion ausdrücklich als Liebende dar.

Historisch ist die außergewöhnliche Nähe der beiden Männer belegt. Ihre genaue sexuelle Beziehung bleibt Gegenstand der Interpretation.

Der Roman macht aus einer historisch möglichen Deutung eine literarische Wirklichkeit.

Damit entsteht eine interessante Gegenüberstellung.

Auf der einen Seite stehen Alexander und Hephaistion, deren persönliche Beziehung untrennbar mit der Macht eines Weltreichs verbunden ist.

Auf der anderen Seite stehen Myron und Leandros, die allmählich erkennen, dass ihre Liebe nur überleben kann, wenn sie sich dem Anspruch dieser Macht entziehen.

Das ist keine einfache Gegenüberstellung von gut und böse.

Es ist eine Frage nach dem Preis absoluter Loyalität.

Wo Kerr zu viel will

Ein Roman dieser Dimension kann nicht überall dieselbe erzählerische Intensität halten.

Die erweiterte Fassung widmet Verwaltungsvorgängen, Dokumenten, militärischen Abläufen und Nebenfiguren beträchtlichen Raum. Das gibt der antiken Welt Substanz und macht ihre gesellschaftlichen Strukturen nachvollziehbar.

Gelegentlich droht jedoch die politische Konstruktion die eigentliche Geschichte zu überlagern.

Zudem neigen manche Dialoge dazu, die zentralen Gedanken über Freiheit, Schuld und Verantwortung ausdrücklich auszuformulieren, obwohl die Ereignisse sie bereits ausreichend verdeutlichen.

Einige dieser Passagen hätten von größerer Zurückhaltung profitiert.

Andererseits wäre es falsch, genau jene historischen und gesellschaftlichen Dimensionen herauszukürzen, die diesen Roman von einer gewöhnlichen historischen Romanze unterscheiden.

Die Menschen hinter den großen Ereignissen

Zu den überzeugendsten Figuren zählen neben dem Liebespaar Damaris, Thaleia und Artazostre.

Sie sind nicht bloß Helferinnen zweier männlicher Hauptfiguren.

Damaris kämpft gegen das Vergessen. Thaleia kennt die Folgen des Krieges auf menschliche Körper. Artazostre versteht, dass Wahrheit ohne Belege gegen die Interessen der Mächtigen oft machtlos bleibt.

Gemeinsam erweitern sie den Horizont des Romans.

Kerr beschreibt damit nicht nur die Gewalt des Krieges, sondern auch die mühsame Arbeit nach der Gewalt: Verwundete versorgen, Menschen wiederfinden, Beweise sichern, Vertrauen zurückgewinnen und ein Leben beginnen, das nicht mehr allein von der Vergangenheit beherrscht wird.

Das ist literarisch anspruchsvoller als die übliche Abfolge von Schlachten und persönlichen Triumphen.

Das Urteil

Königreiche aus Staub ist ein ambitionierter historischer Roman, der drei Genres zusammenführt: das antike Epos, den politischen Intrigenthriller und die M/M-Liebesgeschichte.

Diese Verbindung gelingt nicht vollkommen reibungslos. Der Text ist umfangreich, stellenweise erklärungsfreudig und verlangt Aufmerksamkeit für eine Vielzahl von Figuren und Beziehungen.

Doch er besitzt eine klare literarische Identität.

Myron und Leandros sind keine modernen Männer, die lediglich antike Gewänder tragen sollen. Ihr Leben wird von Stand, Herkunft, Krieg und Loyalität bestimmt. Ihre Liebe gewinnt gerade dadurch Bedeutung, dass sie unter diesen Bedingungen keine Selbstverständlichkeit ist.

Und Alexander?

Er erobert beinahe die ganze bekannte Welt.

Kerrs Roman stellt eine andere Frage: Was nützt einem Menschen die Größe eines Reiches, wenn er darin nicht frei leben kann?

Ein historisches Liebesepos mit politischem Verstand, sinnlicher Intensität und einer bemerkenswerten Botschaft: Geschichte gehört nicht allein den Siegern.


Buchinformation: Adrian Kerr, Königreiche aus Staub – Ein historischer M/M-Roman aus der Zeit Alexanders. Zweite, vollständig überarbeitete und erweiterte Ausgabe, Erich Reiss Publishing, 2026.

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Königreiche aus Staub: Eine Liebe im Schatten Alexanders des Großen

von Adrian Kerr

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Geschrieben von

Paul Fisher
Paul Fisher ist Ökonom, Journalist und konservativer schwuler Autor mit internationaler Perspektive. Er schreibt liberal, unabhängig und kritisch über Politik, Gesellschaft und Freiheit – faktenorientiert, pointiert und ohne Denkverbote.
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