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170.000 Zusagen, linksextreme Mobilisierung: Wer benutzt die Gen Z?

Mehr als 170.000 Online-Zusagen, doch die Polizei erwartet teils weniger Menschen. Hamburgs Verfassungsschutz warnt vor extremistischer Mobilisierung, Schülervertreter distanzieren sich. In NRW gab es vier Festnahmen, deren Bezug zu den Protesten offen ist. Wer spricht heute wirklich für die Jugend?

170.000 Zusagen, linksextreme Mobilisierung: Wer benutzt die Gen Z?
GenZ regelt: 170.000 Zusagen, Warnungen vor linker Vereinnahmung und vier Festnahmen in Düsseldorf. Wer organisiert die Demos vor Ort eigentlich? llustration: Dawid Jan Wiczorov / Vossisc

Vier Festnahmen, verbarrikadierte Geschäfte, Warnungen des Verfassungsschutzes und eine Schülervertretung, die sich distanziert. Während die Organisatoren von „Gen Z regelt“ Hunderttausende mobilisieren wollen, bleibt eine entscheidende Frage offen: Wer spricht heute eigentlich für die Jugend?

Von Moritz Neumann | Die Vossische | 31. Oktober 2026, 13:15 Uhr MEZ

Heute soll Deutschland die Wut einer Generation erleben.

Mehr als 170.000 Menschen haben nach Angaben der Initiative „Gen Z regelt“ ihre Teilnahme an bundesweiten Demonstrationen angekündigt. In 34 Städten sind Proteste vorgesehen. Die Forderungen: bessere Schulen, bezahlbares Leben, Klimaschutz und keine Wehrpflicht.

Doch unmittelbar vor dem Beginn der Hauptkundgebungen wird deutlich, wie groß die Diskrepanz zwischen den Online-Versprechen und der tatsächlichen Organisation sein könnte.

170.000 Zusagen. Aber wer kommt wirklich? Und wer hat am Ende das politische Kommando?

Hamburg: 11.000 Klicks, höchstens 2.000 erwartet

Hamburg liefert ein bemerkenswertes Beispiel.

Mehr als 10.000 Menschen haben online ihre Teilnahme angekündigt. Die örtlichen Veranstalter rechnen dagegen mit lediglich 1.000 bis 2.000 Demonstranten.

Ein gigantischer Unterschied.

Auch in München liegen rund 9.000 Online-Zusagen vor. Die Polizei erwartet zwischen 5.000 und 7.000 Teilnehmer.

In Köln werden inzwischen etwa 15.000 Menschen erwartet. Wegen der hohen Prognosen wurde der Kundgebungsort in die Nähe des Doms verlegt.

Noch sind das Schätzungen, keine gezählten Teilnehmer. Erst heute Nachmittag wird sich zeigen, wie groß diese Bewegung tatsächlich ist.

Der Verfassungsschutz nennt Namen

Während die Initiatoren ausdrücklich friedliche Demonstrationen versprechen, veröffentlicht der Hamburger Verfassungsschutz eine bemerkenswerte Warnung.

Nach seinen Erkenntnissen mobilisieren für die dortige Kundgebung unter anderem der Rote Aufbau, die Interventionistische Linke, das Offen Antifaschistische Treffen Hamburg sowie Young Struggle und Thawra.

Die Sicherheitsbehörde beschreibt diese Gruppen als linksextremistisch beziehungsweise als extremistische Organisationen mit Auslandsbezug.

Sie sieht die Gefahr, dass bestehende politische Konflikte aufgegriffen werden, um sie ideologisch zu erweitern und neue Anhänger zu gewinnen.

Das bedeutet nicht, dass diese Gruppen die Demonstrationen kontrollieren. Aber ihre Beteiligung an der Mobilisierung ist dokumentiert.

Vier Festnahmen – eine entscheidende Frage noch offen

In Düsseldorf und Neuss hat die Polizei bereits am Freitag vier Männer vorläufig festgenommen.

Der Verdacht: Sie sollen sich zu gewalttätigen Aktionen gegen Menschen und Sachen verabredet haben.

Die Ermittler untersuchen, ob die geplanten Taten mit den heutigen Gen-Z-Protesten zusammenhängen.

Ein solcher Zusammenhang ist bislang nicht bestätigt. Ebenso wenig ist belegt, dass die Verdächtigen der Initiative angehören.

Die Festnahmen zeigen dennoch, wie ernst die Sicherheitsbehörden mögliche Gewalttaten im Umfeld des Protesttages nehmen.

Ausgerechnet die Schülervertreter wollen nicht mitmachen

Besonders aufschlussreich ist die Haltung der Bundesschülerkonferenz.

Sie distanziert sich ausdrücklich von den heutigen Protesten.

Die Begründung: undurchsichtige Organisationsstrukturen und die Gefahr politischer Instrumentalisierung.

Die offiziellen Schülervertreter unterstützen die Forderung nach besseren Schulen, wollen aber eigene Protestformen entwickeln.

Eine Bewegung beruft sich auf die Jugend. Deren bundesweite Interessenvertretung verweigert ihr die Unterstützung.

Unterdessen weist die Berliner Sprecherin Veronika Dinter Warnungen vor extremistischer Einflussnahme zurück. Sie spricht von einer medialen Ablenkung von den eigentlichen Forderungen.

Dass Dinter zugleich Mitglied des Bundesvorstands von Die Linke.SDS ist, gehört zu den bereits dokumentierten politischen Verbindungen innerhalb des Berliner Organisationsteams.

Um 14 Uhr beginnt der eigentliche Test

Die entscheidenden Fragen werden heute auf den Straßen beantwortet.

Wie viele Menschen erscheinen tatsächlich?

Welche Fahnen dominieren? Wer steht auf den Bühnen? Und welche politischen Forderungen werden dort erhoben?

Bisher ist belegt, dass unterschiedliche linke und linksradikale Organisationen die Mobilisierung unterstützen und teilweise eigene Themen einbringen. Eine einheitliche Steuerung der gesamten Bewegung durch diese Gruppen ist dagegen nicht nachgewiesen.

Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob Jugendliche demonstrieren dürfen. Selbstverständlich dürfen sie das.

Sondern:

Wer organisiert ihre Proteste – und wer wird heute Abend behaupten, diese Jugendlichen hätten für seine politische Agenda demonstriert?

Die Vossische wird genau darauf schauen.

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Geschrieben von

Moritz Neumann
Moritz Neumann, 24, aus Berlin-Dahlem, studierte Geisteswissenschaften. Er schreibt als Feuilletonist und Kolumnist für Die Vossische und prägt dort mit scharfer, eigenwilliger Stimme das Kultur- und Meinungsressort.

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