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Blockade-Aktivist im Klassenzimmer: Das Netzwerk hinter Suraj Mailitafi

Grünen-Kommunalpolitiker, Widersetzen-Sprecher und Bildungsreferent: Suraj Mailitafi taucht in Schulen, Projekten und öffentlich geförderten Bildungsstrukturen auf. Unsere Recherche zeigt Verbindungen, Fördergelder und offene Fragen zur politischen Neutralität.

Blockade-Aktivist im Klassenzimmer: Das Netzwerk hinter Suraj Mailitafi
Suraj Mailitafi zwischen Widersetzen, Schulprojekten und Fördergeld: Unsere Recherche zeigt Verbindungen und offene Neutralitätsfragen. KI generierte Illustration

Er ist Grünen-Kommunalpolitiker, Sprecher des Blockadebündnisses „Widersetzen“ und Multiplikator für politische und antirassistische Bildung. Suraj Mailitafi steht vor Schülern, arbeitet an Bildungsprojekten mit – und taucht zugleich an der Spitze eines Bündnisses auf, das Autobahnen und Zufahrten zu einem AfD-Parteitag blockiert. Unsere Recherche führt zu Schulen, Universitäten, staatlich geförderten Projekten und fast 100.000 Euro öffentlicher Förderung. Die entscheidende Frage lautet: Wo endet politische Bildung – und wo beginnt politische Einflussnahme?

Es ist eine Kombination, die genauer untersucht werden muss.

Auf der einen Seite steht Suraj Mailitafi als politischer Bildungsakteur: Schulen laden ihn ein, Bildungsprojekte führen ihn als Experten, Schüler diskutieren mit ihm über Politik, Rassismus und Gesellschaft.

Auf der anderen Seite steht derselbe Mailitafi als Sprecher von „Widersetzen“ – jenem Bündnis, das seine politische Strategie ausdrücklich nicht auf Demonstrationen und Argumente beschränkt, sondern mit massenhaften Blockaden Zufahrtswege und politische Veranstaltungen lahmlegen will.

Beim AfD-Bundesparteitag in Erfurt ging das Bündnis im Juli 2026 sogar so weit, Autobahnabschnitte zu blockieren.

Mailitafi erklärte dazu:

„Jetzt setzen wir das AfD-Verbot auf der Autobahn durch!“

Das ist keine Interpretation seiner politischen Haltung. Das Bündnis veröffentlichte den Satz selbst.

Und genau dieser politische Aktivist ist zugleich in der Bildungsarbeit mit Schülern aktiv.

Das ist nicht automatisch rechtswidrig.

Aber es verlangt Transparenz.

Vom Grünen-Kommunalpolitiker zum Sprecher von „Widersetzen“

Suraj Mailitafi wurde 2001 in Ghana geboren und kam als Kind nach Deutschland. Er studiert Chemie und ist kommunalpolitisch für die Grünen in Bersenbrück aktiv.

Parallel dazu engagiert er sich seit Jahren gegen Rassismus und in der politischen Bildungsarbeit.

Inzwischen ist er jedoch nicht mehr lediglich Kommunalpolitiker und Bildungsreferent.

Mailitafi ist eines der öffentlich sichtbaren Gesichter des Bündnisses „Widersetzen“.

Dieses Bündnis setzt bewusst auf Blockaden als Mittel der politischen Auseinandersetzung.

Am 4. Juli 2026 meldete „Widersetzen“ selbst, mehrere Tausend Aktivisten hätten die A71 und die B7 blockiert. An mindestens vier Punkten hätten Teilnehmer auf Fahrbahnen gesessen. Das ausdrücklich formulierte Ziel: Die zentralen Anfahrtsrouten zum AfD-Bundesparteitag sollten nicht mehr passierbar sein.

Das Bündnis feierte das als Erfolg.

Und Sprecher Mailitafi erklärte:

„Wir können sie stoppen! Jetzt setzen wir das AfD-Verbot auf der Autobahn durch!“

Damit stellt sich eine grundsätzliche Frage:

Welches Demokratieverständnis vermittelt jemand in Schulen, der gleichzeitig politische Gegner durch physische Blockaden an der Teilnahme an einer legalen Parteiveranstaltung hindern will?

Erfurt: Als Journalisten angegriffen wurden

Noch problematischer wurde das Wochenende durch Angriffe auf Journalisten.

Bei den Protesten in Erfurt wurden drei Reporter von Apollo News körperlich angegriffen. Auch ein Vertreter der Jungen Freiheit wurde attackiert.

Die Thüringer Polizei leitete Ermittlungen ein.

Im August 2026 waren nach Angaben der Polizei bereits vier erwachsene männliche Tatverdächtige im Zusammenhang mit dem Angriff auf das Apollo-News-Team ermittelt worden. Insgesamt liefen rund um das Parteitagswochenende zahlreiche Strafverfahren.

Dabei ist ebenfalls wichtig: Der überwiegende Teil der rund 31.000 Demonstranten verhielt sich nach Angaben der Polizei friedlich.

Aber die Angriffe auf Journalisten fanden statt.

Und sie lösten innerhalb des Protestmilieus eine bemerkenswerte Debatte darüber aus, ob Journalisten bestimmter Medien überhaupt als schutzwürdige Pressevertreter betrachtet werden sollten.

Auf einer Pressekonferenz fiel aus dem Umfeld des Bündnisses der Satz:

„Faschisten mit einem Presseausweis sind immer noch Faschisten.“

Dieser Satz stammt nicht von Mailitafi, sondern von einer anderen Sprecherin des Bündnisses.

Doch auch Mailitafis Reaktion auf die Forderung nach einer klaren Distanzierung von Gewalt wurde zum Gegenstand öffentlicher Kritik.

Gerade hier wird seine zweite Rolle relevant.

Denn Mailitafi ist nicht nur Aktivist.

Er arbeitet mit Jugendlichen.

Nicht nur eine Schule: Mailitafis Spuren in der Bildungslandschaft

Die IGS Osnabrück ist der bislang am besten dokumentierte Fall.

Am 3. Dezember 2024 wurde Mailitafi in die Schule eingeladen und sprach mit Schülern des 13. Jahrgangs.

Die Schule dokumentierte den Besuch selbst ausführlich.

Der zuständige Lehrer hatte Mailitafi zuvor bei einer Fishbowl-Diskussion erlebt und war nach Angaben der Schule von dessen „kompetenter und zugleich schülernaher Art“ überzeugt.

Daraufhin wurde der Grünen-Kommunalpolitiker an die IGS eingeladen.

Mailitafi sagte den Jugendlichen:

„Wir brauchen junge, kritische Stimmen in der Politik.“

Daran ist zunächst nichts Unzulässiges.

Politiker dürfen mit Schülern diskutieren.

Die interessante Frage beginnt erst danach:

Welche anderen politischen Positionen bekamen diese Schüler im Verlauf des Schuljahres präsentiert?

Wurde ein vergleichbar politisch aktiver Vertreter einer anderen Partei eingeladen?

Wurde Mailitafis politische Funktion für die Grünen ebenso thematisiert wie seine Tätigkeit gegen Rassismus?

Und wie wurde seine politische Position im Unterricht eingeordnet?

Das „Koloniale Klassenzimmer“

Eine zweite Spur führt zu einem wesentlich größeren Bildungsprojekt.

Auf der offiziellen Seite des Projektes „Das Koloniale Klassenzimmer“ wird Mailitafi ausdrücklich als

„Content Creator und Multiplikator für anti-rassistische und politische Bildung“

aufgeführt.

Neben ihm werden Wissenschaftler und weitere Experten genannt.

Das Projekt richtet sich ausdrücklich an Schüler und Lehrer und beschäftigt sich mit Kolonialismus und dessen Nachwirkungen.

Als beteiligte Schulen werden unter anderem genannt:

  • Domgymnasium Verden
  • Gymnasium Ernestinum Celle

Das zugrunde liegende Projekt „Weltwissen als Schulwissen“ wurde außerdem gemeinsam mit dem Schiller-Gymnasium Hameln durchgeführt.

Hier muss allerdings genau unterschieden werden.

Dass Mailitafi als Experte des Projektes aufgeführt wird und eine Schule an demselben Projekt beteiligt ist, beweist nicht automatisch, dass er persönlich an jeder dieser Schulen Unterricht oder Workshops gegeben hat.

Die Verbindung ist dokumentiert.

Der persönliche Einsatz muss im Einzelnen geklärt werden.

Und genau deshalb sollten die Schulen offenlegen, welche Beiträge Mailitafis in ihre Arbeit eingeflossen sind.

Jetzt wird es interessant: 97.311 Euro öffentliche Förderung

Denn bei diesem Projekt geht es nicht nur um einige Unterrichtsstunden.

Es geht um öffentliches Geld.

Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur führte das Projekt

„Weltwissen als Schulwissen. Geographische Wissensbestände des Kolonialismus in niedersächsischen Schulbibliotheken“

in seiner Förderung mit:

97.311 Euro

Das Ministerium selbst veröffentlichte diese Summe.

Das Projekt wurde über die Förderlinie Pro*Niedersachsen unterstützt.

Damit haben wir eine klare Verbindung zwischen einem staatlich finanzierten Bildungsprojekt und einem Expertenkreis, zu dem auch Suraj Mailitafi gehörte.

Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass Mailitafi 97.311 Euro erhielt.

Dafür gibt es keinerlei Beleg.

Aber gerade deshalb entsteht eine neue investigative Frage:

Hat Mailitafi für seine Mitarbeit ein Honorar oder eine Aufwandsentschädigung erhalten?

Falls ja:

Wie hoch war diese Vergütung?

Aus welchem Haushalt wurde sie bezahlt?

Und nach welchen Kriterien wurde ein aktiver Grünen-Kommunalpolitiker als Multiplikator politischer Bildung ausgewählt?

Noch ein Schulnetzwerk – und wieder Mailitafi

Damit endet die Spur nicht.

Auch das Projekt „Wege zum Frieden – Menschenrechte und Globale Partnerschaften“ des Netzwerks Werkstatt Zukunft führt zu Mailitafi.

Dort ist ein Schülerformat dokumentiert:

„Was brauchen wir, um in Frieden zu leben?“

Als Gäste werden unter anderem Suraj Mailitafi, die Professorin Devon Curtis, Rita Taphorn und Esther Filly genannt.

Das Projekt nennt als beteiligte Schulen:

  • Wilhelm-von-der-Heyde-Oberschule Delmenhorst
  • Neues Gymnasium Oldenburg
  • IGS Wilhelmshaven
  • Freie Waldorfschule Oldenburg

Auch hier gilt:

Nicht behauptet werden kann, Mailitafi habe persönlich an jeder dieser Schulen unterrichtet.

Dokumentiert ist jedoch sein Auftritt innerhalb eines Bildungsprojektes, an dem Schüler dieser Einrichtungen beteiligt waren.

Damit wächst das Bild.

Wir haben es nicht mit einem einzigen zufälligen Schulbesuch zu tun.

Mailitafi ist innerhalb mehrerer Strukturen politischer und gesellschaftlicher Bildungsarbeit präsent.

Weitere Schulen in unserer Recherche

Darüber hinaus führen unsere Recherchen zu weiteren Einrichtungen:

IGS Flötenteich Oldenburg

Hier bestehen Hinweise auf Berührungspunkte mit antirassistischer beziehungsweise politischer Bildungsarbeit im Umfeld Mailitafis.

Ein öffentlich zugänglicher Primärbeleg, aus dem zweifelsfrei hervorgeht, wann Mailitafi persönlich dort vor Schülern auftrat, liegt uns derzeit jedoch nicht vor.

Deshalb fragen wir die Schule:

War Suraj Mailitafi persönlich an der IGS Flötenteich als Referent, Workshop-Leiter oder Projektpartner tätig?

Falls ja:

Wann?

Mit welchen Jahrgangsstufen?

Zu welchem Thema?

Und wer finanzierte den Einsatz?

Grundschule Bersenbrück

Besonders klärungsbedürftig sind Hinweise auf eine Verbindung zur Grundschule Bersenbrück beziehungsweise zu einer dortigen Afrika-AG.

Gerade aufgrund des Alters der Kinder wäre ein persönlicher Einsatz eines parteipolitisch aktiven Referenten besonders erklärungsbedürftig.

Auch hier behaupten wir ausdrücklich nicht, ein politischer Workshop Mailitafis sei bereits zweifelsfrei nachgewiesen.

Wir fragen vielmehr:

Welche Rolle spielte Mailitafi dort?

Trat er persönlich vor Kindern auf?

Was war Inhalt der Veranstaltung?

Wer lud ihn ein?

Und gab es dafür eine Vergütung?

Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Eine weitere Spur führt zur Universität Oldenburg, an der Mailitafi studierte.

Auch hier taucht er im Umfeld gesellschaftspolitischer und antirassistischer Aktivitäten auf.

Für die weitergehende Behauptung, ihm seien reguläre akademische Lehrveranstaltungen übertragen worden, benötigen wir allerdings noch eine belastbare Dokumentation.

Deshalb geht auch an die Universität die Frage:

Hat Suraj Mailitafi Seminare, Workshops, Lehrveranstaltungen oder andere universitäre Bildungsformate geleitet oder mitgeleitet?

Und falls ja:

In welcher Funktion?

RECHERCHEKASTEN: Schulen, Projekte, Förderer und öffentliches Geld

Persönlicher Schulauftritt eindeutig dokumentiert

IGS Osnabrück

Mailitafi sprach am 3. Dezember 2024 vor dem 13. Jahrgang.

Die Schule dokumentierte den Besuch selbst.


Projektzusammenhang eindeutig dokumentiert

Domgymnasium Verden

Beteiligte Schule am Projekt „Weltwissen als Schulwissen / Das Koloniale Klassenzimmer“.

Gymnasium Ernestinum Celle

Beteiligte Schule desselben Projektes.

Schiller-Gymnasium Hameln

Am zugrunde liegenden Projekt „Weltwissen als Schulwissen“ beteiligt.

Suraj Mailitafi

Auf der offiziellen Projektseite aufgeführt als:

„Content Creator und Multiplikator für anti-rassistische und politische Bildung“


Zweites dokumentiertes Bildungsprojekt

„Wege zum Frieden – Menschenrechte und Globale Partnerschaften“

Mailitafi trat als Gast in dem Schülerformat „Was brauchen wir, um in Frieden zu leben?“ auf.

Am Gesamtprojekt beteiligt:

  • Wilhelm-von-der-Heyde-Oberschule Delmenhorst
  • Neues Gymnasium Oldenburg
  • IGS Wilhelmshaven
  • Freie Waldorfschule Oldenburg

Weitere Recherchehinweise

  • IGS Flötenteich Oldenburg
  • Grundschule Bersenbrück
  • Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Hier ist die konkrete persönliche Rolle Mailitafis noch nicht ausreichend dokumentiert. Die Einrichtungen sollten deshalb Auskunft geben.


DAS GELD

„Weltwissen als Schulwissen“

Öffentliche Förderung: 97.311 Euro

Förderer:

Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur

Förderlinie:

Pro*Niedersachsen

Projektpartner unter anderem:

Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek

Leibniz Universität Hannover

sowie beteiligte Schulen.

Offen ist:

Welche Honorare oder Aufwandsentschädigungen erhielten die einzelnen Experten?


„Wege zum Frieden“

Das Projekt nennt als Förderer unter anderem Engagement Global mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung.

Auch hier müssen Gesamtfördersumme, Einzelhonorare und mögliche Zahlungen an externe Referenten transparent gemacht werden.

Was sagt das Kultusministerium selbst?

Gerade an diesem Punkt wird die Angelegenheit politisch interessant.

Denn Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg, selbst Mitglied der Grünen, formulierte im Mai 2026 ausdrücklich, was Schulen gewährleisten müssten.

Schulen sollen demnach kritische Reflexion und Meinungsaustausch fördern.

Politische Positionen sollen vielfältig dargestellt werden.

Schüler sollen nicht überwältigt werden.

Und Lehrkräfte dürfen Schüler nicht zugunsten einer bestimmten Meinung innerhalb der pluralistischen Gesellschaft vereinnahmen.

Die Ministerin erklärte darüber hinaus ausdrücklich, Schulen müssten „die parteipolitische Neutralität“ beachten.

Damit liefert das Ministerium selbst den Maßstab für die Bewertung solcher Fälle.

Es geht also keineswegs um die Forderung, Schulen müssten politisch wertneutral sein.

Sie müssen selbstverständlich für Grundgesetz, Menschenwürde und Demokratie eintreten.

Aber zwischen dem Eintreten für die freiheitlich-demokratische Grundordnung und der Förderung einer bestimmten Partei oder politischen Bewegung liegt ein entscheidender Unterschied.

Der Beutelsbacher Konsens verbietet keine Politik – sondern Überwältigung

Auch der viel zitierte Beutelsbacher Konsens verlangt keine unpolitische Schule.

Seine drei wesentlichen Prinzipien sind jedoch entscheidend:

Überwältigungsverbot.

Schüler dürfen nicht mit einer gewünschten Meinung überrumpelt werden.

Kontroversitätsgebot.

Was politisch und wissenschaftlich kontrovers ist, muss grundsätzlich auch als kontrovers erscheinen.

Schülerorientierung.

Jugendliche sollen in die Lage versetzt werden, politische Situationen selbst zu analysieren und eigene Urteile zu entwickeln.

Deshalb lautet die richtige Frage nicht:

Darf Mailitafi überhaupt eine Schule betreten?

Natürlich darf er das.

Die Frage lautet:

Unter welchen Bedingungen?

Würde dieselbe Schule einen AfD-Aktivisten einladen?

Hier liegt der eigentliche politische Sprengstoff.

Man stelle sich den umgekehrten Fall vor.

Ein Kommunalpolitiker der AfD wäre gleichzeitig Sprecher eines Bündnisses, das Zufahrtsstraßen zu einem Parteitag der Grünen blockiert.

Er würde öffentlich erklären:

„Jetzt setzen wir das Grünen-Verbot auf der Autobahn durch!“

Anschließend würde er als Multiplikator politischer Bildung in einem öffentlich geförderten Bildungsprojekt auftreten.

Schulen würden ihn einladen.

Ministerien würden Projekte finanzieren, in deren Expertenkreis er sitzt.

Würde das niedersächsische Kultusministerium darin lediglich engagierte Demokratiebildung sehen?

Die Frage muss erlaubt sein.

Denn Neutralität zeigt sich nicht daran, wie Institutionen mit politischen Akteuren umgehen, deren Ziele sie teilen.

Neutralität zeigt sich im Umgang mit politischen Akteuren, deren Auffassungen sie ablehnen.

Niedersachsen steht ohnehin vor einer Neutralitätsdebatte

Die Frage bekommt zusätzliche Bedeutung, weil Niedersachsen gerade über den staatlichen Umgang mit oppositionellen Kandidaten diskutiert.

Für die Kommunalwahl am 13. September wurden mehrere Kandidaten wegen Zweifeln an ihrer Verfassungstreue nicht zugelassen.

Betroffen sind auch AfD-Politiker.

Im Fall Martin Sichert entschied der Wahlausschuss des Landkreises Friesland, ihn nicht zur Landratswahl zuzulassen.

Das Niedersächsische Innenministerium hatte zuvor eine Prüfung vorgenommen und Zweifel an seiner Verfassungstreue geäußert.

Sichert versuchte gerichtlich gegen den Ausschluss vorzugehen.

Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg wies seinen Eilantrag am 4. September zurück.

Wichtig ist allerdings:

Das Gericht entschied dabei nicht über die materielle Rechtmäßigkeit des Ausschlusses. Nach der Wahl besteht die Möglichkeit eines Wahlprüfungsverfahrens.

Verfassungsrechtler haben das Verfahren kontrovers bewertet.

Damit geht es auch hier um eine Grundsatzfrage:

Wie weit darf ein demokratischer Staat bei der politischen Vorauswahl gehen?

Und dann ist da noch der Antizionismus-Beschluss der Linken

Auch auf der anderen Seite des politischen Spektrums liefert Niedersachsen Anlass zu grundsätzlichen Fragen.

Die niedersächsische Linkspartei beschloss im März 2026 die Ablehnung des

„heute real existierenden Zionismus“.

Der Zentralrat der Juden reagierte mit außergewöhnlich scharfer Kritik.

Zentralratspräsident Josef Schuster wertete die demonstrative Ablehnung des jüdischen Staates als

„Angriff auf das Selbstbestimmungsrecht des jüdischen Volkes“.

Auch das gehört zur politischen Realität des Landes.

Gerade deshalb darf demokratische Bildung nicht nach politischen Sympathien organisiert werden.

Acht Fragen, die jetzt beantwortet werden müssen

Die Schulen, Projektträger und Ministerien können die Debatte sehr einfach versachlichen.

Sie müssen nur Transparenz herstellen.

1. An welchen Schulen ist Suraj Mailitafi seit 2020 persönlich als Referent aufgetreten?

2. Welche Jahrgangsstufen nahmen jeweils teil?

3. Welche Themen und Unterrichtsmaterialien wurden verwendet?

4. Wurde Mailitafis Mitgliedschaft bei den Grünen und seine politische Funktion gegenüber den Schülern offengelegt?

5. Wurden innerhalb desselben Unterrichts oder Schuljahres deutlich andere politische Positionen präsentiert?

6. Welche Honorare oder Aufwandsentschädigungen erhielt Mailitafi für Bildungsprojekte?

7. Aus welchen öffentlichen Förderprogrammen stammten diese Gelder?

8. Würden dieselben Schulen und Ministerien einen politisch ebenso aktiven Referenten aus einem konservativen, AfD-nahen oder rechten Protestmilieu nach denselben Kriterien einladen und finanzieren?

Diese Fragen sind weder rechts noch links.

Es sind Fragen staatlicher Transparenz.

Schulen sind keine Rekrutierungsräume politischer Bewegungen

Es wäre falsch, aus Mailitafis politischem Engagement automatisch zu schließen, dass jeder seiner Schulauftritte Indoktrination gewesen sei.

Dafür müsste man zunächst wissen, was tatsächlich gesagt, welche Materialien verwendet und wie die Veranstaltungen pädagogisch eingebettet wurden.

Genau diese Informationen müssen deshalb auf den Tisch.

Ebenso falsch wäre allerdings die gegenteilige Haltung:

Weil eine Veranstaltung unter den Begriffen „Demokratiebildung“, „Antirassismus“ oder „Menschenrechte“ läuft, ist politische Einseitigkeit nicht automatisch ausgeschlossen.

Auch moralisch positiv besetzte Begriffe ersetzen keine Kontrolle.

Suraj Mailitafi darf politische Auffassungen vertreten.

Er darf Grünen-Politiker sein.

Er darf gegen die AfD demonstrieren.

Er darf Sprecher von „Widersetzen“ sein.

Und er darf grundsätzlich auch mit Schülern diskutieren.

Aber staatliche Schulen und öffentlich finanzierte Bildungsprojekte tragen eine andere Verantwortung.

Sie müssen erklären können, warum sie jemanden auswählen.

Sie müssen politische Funktionen transparent machen.

Sie müssen Kontroversität ermöglichen.

Und sie müssen nachweisen können, dass ihre Maßstäbe unabhängig davon gelten, aus welcher politischen Richtung ein Referent kommt.

Denn Schüler brauchen keine staatlich vorsortierte politische Wahrheit.

Sie brauchen Informationen, Gegenargumente und die Freiheit, selbst zu urteilen.

Genau daran entscheidet sich, ob politische Bildung wirklich Bildung bleibt.

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Geschrieben von

Leon Berger
Leon Berger
Leon Berger ist Journalist mit handwerklicher Ausbildung und internationaler Perspektive. Nach Abitur und Volontariat prägten journalistische Stationen in Washington und Tel Aviv seinen Blick auf Politik und Gesellschaft.

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Von Dr. Contra