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BMW: Milliarden für Chinas Kommunisten – Rückzieher beim AfD-Präsidenten

Milliardeninvestitionen im kommunistischen China, Rückzug eines Leasingangebots in Magdeburg: BMW-Chef Milan Nedeljković verantwortete jahrelang den Ausbau der chinesischen Produktion. Welche politischen Maßstäbe gelten beim deutschen Autokonzern?

BMW: Milliarden für Chinas Kommunisten – Rückzieher beim AfD-Präsidenten
BMW investiert Milliarden im kommunistisch regierten China. Nach der Wahl des AfD-Landtagspräsidenten zieht der Konzern ein Leasingangebot zurück. Illustration by Richard Bergsirk

In China investiert BMW Milliarden unter der Herrschaft der Kommunistischen Partei. In Deutschland zieht der Konzern am Tag der Wahl eines AfD-Landtagspräsidenten ein Leasingangebot zurück. BMW-Chef Milan Nedeljković, geboren im kommunistischen Jugoslawien, verantwortete fast sieben Jahre lang die weltweite Produktion und trieb den China-Ausbau persönlich voran. Ein Kommentar über politische Maßstäbe, Managementverantwortung und einen Konzern, dessen Gewinne einbrechen.

Mit Chinas Kommunisten macht BMW Milliardengeschäfte. Mit einem demokratisch gewählten deutschen AfD-Landtagspräsidenten wird plötzlich ein Dienstwagen zum Problem.

In Peking ist das Machtmonopol der Kommunistischen Partei für BMW kein grundsätzliches Geschäftshindernis. Der Konzern investiert Milliarden, baut Fabriken, entwickelt Automobile und sichert sich langfristige Partnerschaften unter der Herrschaft eines autoritären Einparteienstaates.

In Magdeburg dagegen wird Tobias Rausch zum Präsidenten des Landtags gewählt – und am selben Tag zieht BMW ein bereits vorliegendes Leasingangebot für dessen künftigen Dienstwagen zurück.

In China langfristige Geschäfte unter einer kommunistischen Diktatur. In Deutschland ein Rückzieher am Tag einer demokratischen Wahl.

Zufall? Ein bislang unbekannter geschäftlicher Grund? Oder entscheidet bei BMW inzwischen das Parteibuch darüber, mit welchen deutschen Staatsinstitutionen der Konzern Geschäfte machen möchte?

BMW schweigt.

Und ausgerechnet der Mann an der Spitze des Konzerns, Milan Nedeljković, hat als langjähriger Produktionsvorstand den milliardenschweren Ausbau der chinesischen BMW-Fertigung persönlich vorangetrieben.

Währenddessen geraten Gewinne und Absatz unter Druck.

Wie konsequent sind die politischen Maßstäbe eines Weltkonzerns, der in China Milliarden investiert, in Deutschland aber eine Entscheidung mit erheblicher politischer Signalwirkung nicht erklären will?

BMW und die Kommunistische Partei Chinas: Eine Partnerschaft bis 2040

Man muss nicht interpretieren, um zu erkennen, wie tief BMW in das politische und wirtschaftliche System Chinas eingebunden ist.

Die Fakten stehen in den Veröffentlichungen des Unternehmens.

BMW hält 75 Prozent am Gemeinschaftsunternehmen BMW Brilliance Automotive. Die Partnerschaft wurde bis zum Jahr 2040 verlängert. In Shenyang befindet sich ein zentraler Teil des weltweiten BMW-Produktionsnetzwerks.

China ist zugleich nach Deutschland der zweitgrößte Forschungs- und Entwicklungsstandort des Konzerns.

Das Unternehmen produziert dort nicht nur für den chinesischen Markt. Es schafft industrielle Kapazitäten, bildet Beschäftigte aus, entwickelt Technologien und unterhält umfangreiche Beziehungen zu Zulieferern und staatlichen Stellen.

Ein Bericht der Amerikanischen Handelskammer in China aus dem Jahr 2025 bezeichnet BMW Brilliance als größten Steuerzahler der Provinz Liaoning seit neun aufeinanderfolgenden Jahren.

BMW trägt also über seine Geschäftstätigkeit in erheblichem Umfang zu den Staatseinnahmen einer kommunistisch regierten Provinz bei.

Und das ist keine beiläufige politische Charakterisierung Chinas.

Artikel 1 der Verfassung der Volksrepublik bestimmt ausdrücklich, dass die Führung der Kommunistischen Partei ein Wesensmerkmal des chinesischen sozialistischen Systems ist.

Die Partei kontrolliert den Staat. Sie bestimmt die politischen Rahmenbedingungen. Freie nationale Wahlen mit einem möglichen demokratischen Regierungswechsel gibt es nicht.

Unabhängige Opposition wird unterdrückt. Medien und Zivilgesellschaft unterliegen massiven Einschränkungen.

All diese Verhältnisse sind der BMW-Führung seit Jahrzehnten bekannt.

Dennoch investiert der Konzern weiter.

Wirtschaftliche Zusammenarbeit bedeutet nicht automatisch politische Zustimmung. Aber sie hat wirtschaftliche Konsequenzen: Arbeitsplätze, Steuereinnahmen, technologisches Wissen und zusätzliche industrielle Leistungsfähigkeit.

Und genau hier beginnt die Frage nach den politischen Maßstäben des BMW-Vorstands.

Warum ist die Zusammenarbeit innerhalb eines kommunistischen Einparteiensystems geschäftlich selbstverständlich, während nach der Wahl eines AfD-Politikers in Deutschland ausgerechnet ein staatliches Leasingangebot zurückgezogen wird?

Milan Nedeljković: Ein Manager aus dem kommunistischen Jugoslawien

Der Mann, der diese Frage heute beantworten müsste, heißt Milan Nedeljković.

Er wurde am 11. März 1969 in Kruševac geboren, einer Stadt im damaligen kommunistischen Jugoslawien, genauer in der Sozialistischen Republik Serbien innerhalb der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien.

Nedeljković kam als Kind Anfang der 1970er-Jahre nach Deutschland und wuchs in Wuppertal auf.

Heute besitzt er sowohl die deutsche als auch die serbische Staatsangehörigkeit.

Er studierte Maschinenbau, promovierte an der Technischen Universität München und begann 1993 seine berufliche Laufbahn bei BMW.

Es folgten verschiedene Führungspositionen, unter anderem in den Werken Oxford, Leipzig und München.

Im Oktober 2019 wurde er Produktionsvorstand der BMW AG.

Am 14. Mai 2026 übernahm er schließlich den Vorstandsvorsitz.

Seine Herkunft aus dem damaligen kommunistischen Jugoslawien ist Teil seiner Biografie. Was seine heutige unternehmerische Verantwortung betrifft, sind jedoch vor allem seine dokumentierten Entscheidungen maßgeblich.

Und diese Entscheidungen führen unmittelbar nach China.

Nedeljković ist keineswegs ein Konzernchef, der erst seit wenigen Monaten mit den internationalen Produktionsstrukturen von BMW zu tun hat.

Fast sieben Jahre lang war er als Vorstandsmitglied für die weltweite Produktion zuständig.

Produktionsstandorte, Fertigungsnetzwerke, neue Technologien und industrielle Kapazitäten gehörten zu seinem Verantwortungsbereich.

Er hat die internationale Produktionsstrategie nicht allein beschlossen. Aber er gehörte jahrelang zu den Führungskräften, die sie umsetzten und weiterentwickelten.

Dafür gibt es einen besonders aufschlussreichen Beleg.

18. Mai 2023: Nedeljković kündigt Milliardeninvestitionen in China an

Am 18. Mai 2023 veröffentlichte BMW eine Pressemitteilung zum zwanzigjährigen Bestehen von BMW Brilliance Automotive.

Im Mittelpunkt stand der damalige Produktionsvorstand Milan Nedeljković.

Er kündigte in Shenyang an, dass BMW die Neue Klasse ab 2026 auch in China produzieren werde.

Gleichzeitig wurde ein neues Werk zur Montage von Hochvoltbatterien angekündigt.

Investitionsvolumen: zehn Milliarden Yuan.

Nach den damaligen Angaben sollten dadurch rund 2.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.

Ein Jahr später folgte eine weitere große Investitionsentscheidung.

Im April 2024 unterzeichnete BMW eine Vereinbarung über zusätzliche Investitionen von 20 Milliarden Yuan in die chinesische Provinz Liaoning.

Der damalige Vorstandsvorsitzende Oliver Zipse stellte diese Vereinbarung öffentlich als weiteren Baustein der langfristigen China-Strategie vor.

Die Zahlen zeigen die Dimension:

Zehn Milliarden Yuan für eine neue Batteriefertigung. Weitere 20 Milliarden Yuan für die Modernisierung und Erweiterung der Produktionsstrukturen.

Allein diese beiden Programme standen für angekündigte Investitionen in Höhe von zusammen 30 Milliarden Yuan.

Das ist keine Randnotiz der Unternehmensgeschichte.

Es ist eine umfassende industrielle Entscheidung zugunsten eines Standorts, dessen politische Ordnung von der Kommunistischen Partei bestimmt wird.

Und Milan Nedeljković war als Produktionsvorstand bei einem wesentlichen Teil dieser Entwicklung unmittelbar beteiligt.

Er kann sich deshalb heute nicht als unbeteiligter Nachfolger präsentieren, der lediglich die China-Politik früherer Generationen übernommen hätte.

Für Bodo Ramelow stand ein BMW 7er bereit

Wie bemerkenswert der Vorgang in Sachsen-Anhalt ist, zeigt ein Blick nach Thüringen.

Bodo Ramelow, langjähriger Ministerpräsident und prominenter Vertreter der Linkspartei, nutzte nach der Dienstwagenübersicht der Deutschen Umwelthilfe von 2024 einen BMW 7 L, Baujahr 2022.

BMW war also im Dienstwagenpark eines von einem Linken-Politiker geführten Bundeslandes vertreten.

Ein vergleichbarer Rückzug eines Angebots aufgrund von Ramelows Parteizugehörigkeit ist nicht dokumentiert.

Das ist noch kein Beweis unterschiedlicher Behandlung. Thüringen und Sachsen-Anhalt sind unterschiedliche Vertragspartner, und die jeweiligen Vertragsbedingungen sind nicht bekannt.

Aber der Vergleich wirft eine berechtigte Frage auf.

Am 6. Oktober 2026 wird Tobias Rausch von der AfD in Sachsen-Anhalt zum Landtagspräsidenten gewählt. Er erhält 48 von 82 abgegebenen Stimmen.

Noch am selben Tag nimmt die Münchner BMW-Zentrale ein zuvor vorliegendes Leasingangebot für das Nachfolgefahrzeug des Landtagspräsidenten zurück.

Der bestehende Dienstwagen, ein BMW 7er seines CDU-Amtsvorgängers Gunnar Schellenberger, kann zunächst weitergenutzt werden. Dessen Leasingvertrag läuft allerdings im November aus.

Es wurde also kein bestehender Vertrag mit Rausch gekündigt. Zurückgezogen wurde ein Angebot für das künftige Fahrzeug.

Rausch kritisierte den Vorgang öffentlich und wandte sich schriftlich an BMW.

Der Konzern erklärte lediglich, sich grundsätzlich nicht zu einzelnen Kundenbeziehungen zu äußern.

Eine geschäftliche Entscheidung mit erheblicher politischer Wirkung – aber ohne eine öffentlich nachvollziehbare Begründung.

BMW muss die AfD nicht unterstützen.

BMW muss auch die Linkspartei nicht unterstützen, weil ein linker Ministerpräsident einen BMW als Dienstwagen fuhr.

Aber ein Landtagspräsident ist nicht einfach ein privater Parteikunde.

Er repräsentiert ein Verfassungsorgan eines deutschen Bundeslandes.

Dessen Geschäftsbeziehungen berühren deshalb auch das Vertrauen in die institutionelle Neutralität öffentlicher Beschaffung.

Wenn das Parteibuch des Amtsinhabers tatsächlich den Ausschlag für den Rückzug gab, wäre das eine bewusste politische Entscheidung.

Ob es so war, muss BMW beantworten.

Menschenrechte in China: Als der US-Senat BMW überprüfte

Die Geschäfte in China werfen noch eine andere Frage auf: Wie konsequent kontrolliert BMW die Einhaltung seiner eigenen Standards?

Im Mai 2024 veröffentlichte der Finanzausschuss des amerikanischen Senats Untersuchungsergebnisse über problematische Lieferketten in der Automobilindustrie.

Ein Schwerpunkt war der Umgang mit chinesischen Zulieferern, die nach amerikanischem Recht wegen mutmaßlicher Verbindungen zu Zwangsarbeit gesperrt waren.

Die Untersuchung ergab, dass BMW mindestens 8.000 Mini Cooper in die Vereinigten Staaten eingeführt hatte, die elektronische Komponenten der Sichuan Jingweida Technology Group enthielten.

Dieser Zulieferer stand bereits auf einer amerikanischen Sperrliste im Zusammenhang mit dem Uyghur Forced Labor Prevention Act.

Nach Angaben des Ausschusses hatte BMW zunächst erklärt, keine entsprechenden Komponenten in den betroffenen Fahrzeugen zu verwenden. Später bestätigte der Konzern die Lieferungen.

Im Juni 2024 verlangte Senator Ron Wyden weitere Auskünfte.

Es wurde damit nicht nachgewiesen, dass BMW selbst Zwangsarbeit angeordnet hatte.

Aber die Untersuchung dokumentierte erhebliche Probleme bei der Kontrolle der Lieferkette und bei der Aufklärung gegenüber dem amerikanischen Senat.

Ein Konzern, der gesellschaftliche Verantwortung als Leitbild verwendet, muss sich an solchen Vorgängen messen lassen.

Zum damaligen Zeitpunkt war Nedeljković Produktionsvorstand. Die genaue interne Ressortzuständigkeit für die betroffenen Zulieferteile und die Compliance-Kontrolle ist nicht öffentlich geklärt.

Das entbindet den Vorstand als Leitungsgremium jedoch nicht von der Frage, ob die Kontrollmechanismen des Konzerns ausreichend waren.

Während China schwächelt, setzt BMW auf politische Haltung

Besonders bemerkenswert ist der Streit um den Dienstwagen vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Situation.

Die BMW Group meldete für das erste Halbjahr 2026 einen Rückgang des Konzernergebnisses vor Steuern um 29,4 Prozent auf rund 4,05 Milliarden Euro.

Im zweiten Quartal fiel die operative Marge des Automobilgeschäfts auf nur noch 2,3 Prozent.

China, über Jahre einer der entscheidenden Wachstumsmärkte, entwickelt sich zunehmend zum Problem.

Im ersten Halbjahr 2026 gingen die BMW-Auslieferungen in der Volksrepublik um 20,4 Prozent zurück. Allein im zweiten Quartal betrug das Minus 30,2 Prozent.

In Europa und den Vereinigten Staaten entwickelte sich der Absatz dagegen positiv.

BMW hat zugleich neue Investitionen in Deutschland angekündigt. Ende September 2026 stellte der Konzern rund zwei Milliarden Euro für seine deutschen Produktions- und Batteriestandorte im Zusammenhang mit dem neuen BMW 3er vor.

Das zeigt: BMW gibt seinen deutschen Industriestandort nicht auf.

Dennoch steht die Konzernführung vor schwierigen Entscheidungen über Kosten, Wettbewerbsfähigkeit, internationale Produktionskapazitäten und die künftige Verteilung der Wertschöpfung.

Gerade deshalb ist die öffentliche Kontroverse um einen zurückgezogenen Leasingwagen bemerkenswert.

Bei der Bundestagswahl 2025 erhielt die AfD 10.328.780 Zweitstimmen. Das entspricht 20,8 Prozent der gültigen Zweitstimmen.

Unter diesen Wählern befinden sich selbstverständlich auch heutige und potenzielle BMW-Kunden.

Wie viele davon tatsächlich die Marke wechseln würden, ist nicht bekannt.

Aber der Konzern hat nun eine öffentliche Debatte darüber ausgelöst, ob politische Überzeugungen bei seinen Geschäftsbeziehungen eine Rolle spielen.

Eine traditionsreiche Automarke lebt nicht nur von Motoren, Technik und Design. Sie lebt auch vom Vertrauen der Kunden.

Und das kann durch eine unzureichend erklärte Entscheidung beschädigt werden.

Playmobil: Wenn deutsche Industriegeschichte im Ausland weitergeht

Dass die Verantwortung der Führung deutscher Traditionsunternehmen grundsätzlich kritischer untersucht werden muss, zeigt ein anderer Fall.

Playmobil.

Im Juni 2026 endete die deutsche Produktion der bekannten Spielfiguren im fränkischen Dietenhofen. Rund 350 Beschäftigte verloren ihre Arbeitsplätze.

Die Fertigung erfolgt seitdem in Malta und Tschechien.

Im September wurde bekannt, dass Bahri Kurter, seit 2023 Vorstand für Entwicklung, Marketing und Vertrieb, das Unternehmen verlässt.

Kurter war nicht allein für die Schließung verantwortlich; auch die Produktionszuständigkeit und die Entscheidungen der gesamten Unternehmensführung müssen berücksichtigt werden. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Spielwarenherstellers bestanden bereits seit Jahren.

Dennoch bleibt die Frage, wie eine jahrzehntelang in Deutschland verwurzelte Marke ihre industrielle Fertigung am Heimatstandort verlieren konnte.

Playmobil und BMW sind unterschiedliche Unternehmen mit verschiedenen Geschäftsmodellen.

Aber beide Fälle lenken den Blick auf eine grundlegende Managementfrage:

Welche Verantwortung tragen die Führungskräfte deutscher Traditionsunternehmen für Standorte, Beschäftigte, Wertschöpfung und langfristige wirtschaftliche Substanz?

Diese Verantwortung lässt sich nicht aus einem Geburtsort oder einer Staatsangehörigkeit ableiten.

Sie lässt sich aus konkreten Entscheidungen, Investitionsprogrammen und wirtschaftlichen Ergebnissen beurteilen.

Genau daran müssen sich die Verantwortlichen messen lassen.

Deutsche Industrie oder globales Geschäft ohne politische Konsequenz?

BMW ist ein internationaler Konzern.

Niemand kann ernsthaft verlangen, dass er nur in Deutschland produziert oder ausschließlich Kunden in demokratisch regierten Ländern bedient.

Aber die Unternehmensführung selbst erhebt politische Ansprüche.

Milan Nedeljković erklärte im September 2026, Rechtspopulismus und Nationalismus seien Gift für einen weltoffenen Wirtschaftsstandort, der vom Welthandel lebe.

Eine klare politische Position.

Doch wie weit reicht dieser Anspruch?

BMW arbeitet in China mit einem Wirtschaftssystem zusammen, das untrennbar mit dem Machtapparat einer kommunistischen Einheitspartei verbunden ist.

Der Konzern akzeptiert dort langfristig die politischen Rahmenbedingungen und investiert enorme Summen.

In Deutschland dagegen wird nach einer demokratischen Wahl ein Leasingangebot für ein staatliches Amt zurückgezogen.

Das allein beweist keine politische Motivation.

Doch BMW verweigert bis heute eine nachvollziehbare öffentliche Erklärung.

Und gerade durch dieses Schweigen bleibt der Vorwurf unterschiedlicher politischer Maßstäbe bestehen.

Wirtschaftliche Zusammenarbeit mit China ist nicht automatisch eine ideologische Unterstützung der Kommunistischen Partei.

Ein Dienstwagen für Bodo Ramelow bedeutet nicht automatisch Unterstützung der Linkspartei.

Und ein Dienstwagen für Tobias Rausch wäre ebenso wenig eine Unterstützung der AfD.

Warum also sollte die Parteizugehörigkeit eines gewählten Amtsträgers überhaupt darüber entscheiden, ob ein Automobilkonzern einer staatlichen Institution ein Leasingangebot unterbreitet?

Das ist die Frage, auf die BMW antworten sollte.

Die Frage an Milan Nedeljković

Nedeljković führt BMW erst seit Mai 2026.

Doch er gehört seit 2019 zum Vorstand und hat den internationalen Produktionsausbau über Jahre mitverantwortet.

Er hat milliardenschwere China-Investitionen persönlich öffentlich angekündigt.

Er trägt heute die Verantwortung für einen Konzern, dessen Gewinne und China-Absatz erheblich zurückgegangen sind.

Und er führt ein Unternehmen, das sich öffentlich zu politischen Grundsätzen bekennt, während es in einem kommunistischen Einparteienstaat langfristige industrielle Partnerschaften unterhält.

Die entscheidenden Fragen sind deshalb konkret:

Wer ordnete den Rückzug des Leasingangebots an?

War Nedeljković an der Entscheidung beteiligt?

Gab es eine konzerninterne Regel, die Geschäfte mit staatlichen Institutionen unter Führung von AfD-Politikern ausschließt?

Und weshalb wird diese Entscheidung öffentlich nicht erklärt?

BMW könnte diese Fragen beantworten und damit den Verdacht einer politisch motivierten Geschäftspolitik ausräumen.

Stattdessen bleibt es bei dem Hinweis auf vertrauliche Kundenbeziehungen.

Ein Unternehmen, das wirtschaftlich tief im kommunistisch regierten China verankert ist, sollte besonders sorgfältig erklären, weshalb es am Tag der Wahl eines deutschen Parlamentspräsidenten ein geschäftliches Angebot zurückzieht.

Denn hier geht es längst nicht mehr nur um die Marke eines Dienstwagens.

Es geht um die Maßstäbe eines Weltkonzerns.

Um die Verantwortung seiner Führung.

Und um eine unbequeme Frage:

Warum sind milliardenschwere Geschäfte unter der Herrschaft der Kommunistischen Partei Chinas für BMW selbstverständlich – während der Konzern den Rückzug eines Leasingangebots am Tag der Wahl eines deutschen AfD-Landtagspräsidenten nicht erklären will?

Die Antwort schuldet BMW nicht einer Partei.

Sie ist von öffentlichem Interesse.


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Geschrieben von

Dr. Contra
Dr. Contra ist bürgerlich-liberaler Analyst und Kolumnist der Vossischen. Er schreibt über Machtstrukturen, digitale Souveränität und algorithmische Willkür und plädiert für Transparenz und offene Debatten.
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