Das Erbe von Apollo: Die Menschheit kehrt zum Mond zurück

Artemis ist nicht Apollo. Das Ziel für 2028 ist der Aufbau eines „Base Camps“ am Mondsüdpol, um dort dauerhaft zu forschen und den Mond als Sprungbrett für den Mars zu nutzen.

Das Erbe von Apollo: Die Menschheit kehrt zum Mond zurück
In wenigen Stunden, exakt um 22:24 Uhr UTC, soll das neue Zeitalter der bemannten Erforschung des Weltraums beginnen.

VON UNSEREM KORRESPONDENTEN IN CAPE CANAVERAL

Es ist ein historisches Datum, dieser erste April des Jahres 2026. Doch was sich in diesen Stunden auf der Startrampe 39B des Kennedy Space Center vollzieht, ist alles andere als ein Scherz. 53 Jahre nach der letzten bemannten Mondmission, Apollo 17, steht die gewaltige „Space Launch System“-Rakete (SLS) bereit. In wenigen Stunden, exakt um 22:24 Uhr UTC, soll das neue Zeitalter der bemannten Erforschung des Weltraums beginnen.

Ein technologischer Gigant erwacht

Die Vorbereitungen laufen nach Plan. In diesem Moment fließen über 2,8 Millionen Liter kryogener Treibstoff – flüssiger Wasserstoff und Sauerstoff – in die Tanks der 98 Meter hohen SLS-Rakete. Es ist das stärkste Trägersystem, das die NASA je gebaut hat, entworfen, um das Orion-Raumschiff mit einer vierköpfigen Besatzung weit über den erdnahen Orbit hinaus zu katapultieren.

Die Mission Artemis II ist dabei weit mehr als eine nostalgische Reise. Während die Apollo-Kapseln der 60er Jahre technische Wunderwerke ihrer Zeit waren, gleicht die Orion-Kapsel einem fliegenden Supercomputer. Das Hauptziel dieses zehntägigen Fluges: Die Validierung der Lebenserhaltungssysteme unter realen Tiefraum-Bedingungen.

Die Besatzung: Ein neues Antlitz für die Raumfahrt

Die Zusammensetzung der Crew markiert den deutlichsten Bruch mit der Ära der „White Scarf“-Piloten der Apollo-Zeit. An Bord befinden sich:

  • Reid Wiseman (Kommandant): Ein erfahrener Navy-Testpilot.
  • Victor Glover (Pilot): Er wird der erste schwarze Mensch sein, der den tiefen Weltraum bereist.
  • Christina Koch (Missionsspezialistin): Die Rekordhalterin für den längsten Frauen-Aufenthalt im All wird die erste Frau in der Mondnähe.
  • Jeremy Hansen (Missionsspezialist): Als erster Kanadier unterstreicht er die internationale Allianz dieses Programms.

Der Flugplan: Ein „U-Turn“ im All

Im Gegensatz zu den späteren Apollo-Missionen wird Artemis II nicht auf dem Erdtrabanten landen. Das Raumschiff wird eine sogenannte „Free-Return-Trajektorie“ fliegen. Nach dem Verlassen der Erdumlaufbahn wird Orion den Mond in einer Entfernung von etwa 7.600 Kilometern umrunden. Die Schwerkraft des Mondes fungiert dabei als natürliches Katapult, das die Kapsel ohne großen Triebwerkseinsatz zurück zur Erde schleudert.

Sollte alles glattgehen, wird die Kapsel am 10. April mit einer Geschwindigkeit von rund 40.000 km/h in die Erdatmosphäre eintreten und im Pazifik wassern.

Warum erst jetzt?

Kritiker fragen oft, warum es über fünf Jahrzehnte dauerte, um dorthin zurückzukehren, wo Neil Armstrong bereits 1969 seine Spuren hinterließ. Die Antwort der NASA ist klar: Artemis ist nicht Apollo. Während es damals um den politischen Triumph im Kalten Krieg ging („Flags and Footprints“), zielt Artemis auf Nachhaltigkeit. Das Ziel für 2028 ist der Aufbau eines „Base Camps“ am Mondsüdpol, um dort dauerhaft zu forschen und den Mond als Sprungbrett für den Mars zu nutzen.

In den kommenden Stunden hält die Welt den Atem an. Es ist ein Wagnis, das an die kühnsten Träume der Aufklärung erinnert – der Mensch greift erneut nach den Sternen, getragen von kühler Vernunft und modernster Technik.


Die wichtigsten Fakten im Überblick:

  • Startzeit: 01. April 2026, 22:24 UTC (Launch Window offen für 2 Stunden).
  • Rakete: SLS (Space Launch System) – Schubkraft: 4,3 Millionen kg.
  • Missionsdauer: 10 Tage.
  • Historischer Wert: Erste bemannte Mondannäherung seit 1972.