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HateAid gehört zu einem Drittel Campact: Das Netzwerk hinter Deutschlands selbsternannten Hass-Wächtern

Campact kämpft gegen Hass und Hetze – und hält zugleich 33,32 Prozent an HateAid. Doch der Verein selbst fährt aggressive Kampagnen gegen politische Gegner wie Theo Müller. Ein Blick auf Macht, Netzwerke und die Frage, wer eigentlich die selbsternannten Kontrolleure kontrolliert.

HateAid gehört zu einem Drittel Campact: Das Netzwerk hinter Deutschlands selbsternannten Hass-Wächtern
Campact hält 33,32 Prozent an HateAid. Zugleich fährt der Verein aggressive Kampagnen gegen politische Gegner wie Theo Müller.

Campact und HateAid: Wer kontrolliert eigentlich die Kontrolleure?

Campact kämpft offiziell gegen Hass, Hetze und die angebliche Verrohung des politischen Diskurses. Gleichzeitig fährt die millionenschwere Kampagnenorganisation selbst Kampagnen, die politische Gegner und Unternehmer öffentlich unter maximalen Druck setzen. Besonders interessant: Campact ist Mitgründer und bis heute zu 33,32 Prozent Gesellschafter von HateAid – jener Organisation, die sich dem Kampf gegen digitale Gewalt und Hassrede verschrieben hat. Zeit für eine unbequeme Frage: Wo endet legitimer Protest und wo beginnt der digitale und analoge Pranger?

Wer den Namen HateAid hört, denkt zunächst an eine Organisation, die Menschen gegen Beleidigungen, Bedrohungen und digitale Gewalt schützt. Genau so beschreibt sich HateAid selbst: Man wolle Betroffenen helfen, ihre Rechte durchzusetzen, finanziere Prozesse und setze sich politisch für Menschenrechte im digitalen Raum ein.

Was deutlich weniger bekannt ist: Hinter HateAid steht von Anfang an auch Campact.

Die gesellschaftsrechtlichen Verhältnisse sind eindeutig. Campact e.V. hält 33,32 Prozent der Anteile an der HateAid gGmbH. Weitere 33,34 Prozent hält Anna-Lena von Hodenberg, weitere 33,34 Prozent Fearless Democracy e.V. HateAid wurde 2018 von diesen Akteuren gegründet.

Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern steht im Transparenzbericht von HateAid selbst.

Und gerade deshalb lohnt sich ein genauer Blick darauf, wie Campact selbst politischen Streit führt.

Campact ist längst kein kleiner Bürgerverein

Campact ist heute eine politische Machtmaschine.

2025 nahm der Verein 26,25 Millionen Euro ein. Die Gesamtausgaben beliefen sich auf 26,05 Millionen Euro. Allein 13,88 Millionen Euro flossen nach eigenen Angaben direkt in Kampagnenarbeit. Rund 9,2 Millionen Euro verwendete Campact für Projekte, die der Verein unter „Stärkung der Demokratie und gegen Rechtsextremismus“ einordnet. Ende 2025 beschäftigte Campact 138 fest angestellte Mitarbeiter.

Wichtig ist dabei: Der Campact e.V. erhält nach eigenen Angaben keine staatlichen Gelder. Wer Campact deshalb als unmittelbar steuerfinanzierten Verein bezeichnet, macht es der Organisation unnötig leicht, Kritik zurückzuweisen.

Doch mangelnde Staatsfinanzierung bedeutet nicht mangelnden politischen Einfluss.

Im Gegenteil.

Campact mobilisiert Millionen Menschen, finanziert riesige Werbekampagnen, organisiert Demonstrationen, startet Petitionen, unterstützt politische Bündnisse und interveniert gezielt in politische Konflikte.

Das ist legitim.

Aber es ist eben politische Machtausübung.

Der Feldzug gegen Müllermilch

Wie aggressiv Campact dabei vorgehen kann, zeigte die Kampagne gegen den Unternehmer Theo Müller.

Müller hatte sich wiederholt mit AfD-Chefin Alice Weidel getroffen, sie öffentlich als Freundin bezeichnet und erklärt, er bewege sich zwischen einem interessierten Beobachter und einem Sympathisanten der AfD.

Für Campact war das Anlass für eine monatelange Kampagne.

Und die hatte es in sich.

Mehr als 2,2 Millionen Sticker wurden verteilt. Unterstützer wurden ausdrücklich dazu aufgerufen, diese auf Müller-Produkte in Supermärkten zu kleben.

Die Aufschriften lauteten unter anderem:

„Alles AfD, oder was?“

und

„Jetzt mit AfD-Geschmack“.

Anschließend folgten 28.000 Plakate in 14 Städten, Großprojektionen auf Gebäude und schließlich LED-Trucks, die durch mehr als 20 deutsche Städte fuhren. Für die Plakataktion sammelte Campact nach eigenen Angaben 422.000 Euro ein.

Das war keine kleine Demonstration vor einer Konzernzentrale.

Es war eine professionell organisierte, millionenfach verbreitete Kampagne, mit der die politische Haltung eines Unternehmers unmittelbar mit seinen Produkten und Marken verbunden wurde.

Campact formulierte das Ziel selbst unmissverständlich: Wer Rechtsextreme unterstütze, müsse „mit unserem Protest rechnen“.

Man kann diese Kampagne politisch richtig finden.

Man kann sie auch für legitim halten.

Aber man sollte sie beim Namen nennen: Es ist der Versuch, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Druck auf einen Menschen auszuüben, weil Campact dessen politische Positionierung ablehnt.

Müller ging vor Gericht – und verlor

Zur Vollständigkeit gehört allerdings auch: Theo Müller versuchte, Campact gerichtlich untersagen zu lassen, ihn als Unterstützer der AfD zu bezeichnen.

Damit scheiterte er im Februar 2026 vor dem Landgericht Hamburg.

Das Gericht wertete die Aussage als zulässige Meinungsäußerung und sah tatsächliche Anknüpfungspunkte für Campacts Bewertung.

Das Urteil bedeutet jedoch nicht, dass jede Methode der Campact-Kampagne gesellschaftlich unproblematisch wäre.

Gerichte entscheiden über Rechtsverletzungen.

Die politische Frage lautet dagegen: Welche Diskussionskultur wollen wir?

Und genau hier wird die Verbindung zu HateAid interessant.

Ausgerechnet Campact ist Gesellschafter von HateAid

HateAid erklärt, man wolle Menschen davor schützen, durch digitale Gewalt aus dem öffentlichen Diskurs gedrängt zu werden.

Die Organisation sagt selbst:

Sie sei unabhängig und überparteilich, aber ausdrücklich „nicht neutral“.

Campact wiederum ist nicht irgendein Förderer am Rand.

Der Verein hat HateAid mitgegründet und besitzt fast exakt ein Drittel der Gesellschaft.

HateAid betont allerdings ausdrücklich, dass beide Organisationen rechtlich getrennt seien und Campact weder direkt noch indirekt Gelder aus HateAid erhalte. Öffentliche Fördermittel an HateAid seien projektgebunden.

Auch das gehört zu einer seriösen Darstellung.

Doch die personelle und historische Verbindung ist trotzdem bemerkenswert.

Anna-Lena von Hodenberg, heute Geschäftsführerin und Gesellschafterin von HateAid, arbeitete zuvor als Campaignerin bei Campact und engagierte sich dort gegen Hate Speech. HateAid selbst beschreibt Campact als einen seiner Mitgründer.

Wir haben es also nicht mit zwei völlig fremden Organisationen zu tun.

Es handelt sich um ein politisches Ökosystem.

Wer definiert eigentlich „Hass“?

Das eigentliche Problem beginnt dort, wo Begriffe wie „Hass“, „Hetze“, „Desinformation“ oder „demokratiefeindlich“ politisch aufgeladen werden.

Eine Morddrohung ist keine Meinung.

Eine Beleidigung ist juristisch überprüfbar.

Eine Volksverhetzung ebenfalls.

Doch politische Ablehnung, Polemik, scharfe Kritik und Boykottaufrufe bewegen sich auf einem völlig anderen Feld.

Genau deshalb muss die Frage erlaubt sein:

Warum wird aggressive politische Mobilisierung moralisch unterschiedlich bewertet, abhängig davon, von welcher Seite sie kommt?

Wenn Campact Millionen Sticker verbreitet, mit denen Produkte eines Unternehmers politisch markiert werden, gilt das als „Aufklärung“.

Wenn politische Gegner mit vergleichbaren Methoden arbeiten würden – wie würde dasselbe Milieu reagieren?

Der Doppelstandard ist zumindest diskussionswürdig.

Eine Organisation gegen Hass – verbunden mit einer Kampagnenmaschine

Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass HateAid keinen sinnvollen Zweck erfüllt.

Menschen, die Morddrohungen, Stalking, antisemitische Hetze oder massive digitale Belästigung erleben, brauchen Hilfe.

Aber gerade Organisationen, die darüber mitentscheiden wollen, wie die Grenzen des öffentlichen Diskurses gezogen werden, müssen besonders transparent sein.

Wer finanziert sie?

Wer sitzt gesellschaftsrechtlich dahinter?

Welche politischen Netzwerke bestehen?

Welche Begriffe werden verwendet?

Und gelten dieselben Maßstäbe für alle politischen Lager?

Bei HateAid lautet eine Antwort jedenfalls:

Einer der drei Eigentümer ist Campact.

Ein Verein, dessen Geschäftsmodell ausdrücklich darin besteht, politischen Druck zu organisieren.

Campact verfügt über enorme außerparlamentarische Macht

Das sollte man grundsätzlich nicht verbieten.

Eine Demokratie lebt von Verbänden, Initiativen, Bürgerbewegungen und politischem Aktivismus.

Aber Demokratie lebt auch davon, Macht sichtbar zu machen.

Wenn ein Unternehmen Millionen Euro für Lobbyarbeit ausgibt, sprechen Medien selbstverständlich von wirtschaftlichem Einfluss.

Warum sollte für NGOs etwas anderes gelten?

Campact verfügt über Millionen von Kontakten, mehr als 26 Millionen Euro Jahresbudget und einen professionellen Kampagnenapparat mit mehr als hundert Beschäftigten.

Der Verein kann innerhalb weniger Stunden hunderttausende Menschen mobilisieren.

Er kann Millionen Werbemittel produzieren.

Er kann Politiker unter Druck setzen.

Und er kann Unternehmer zum Gegenstand bundesweiter Kampagnen machen.

Das ist Macht.

Keine staatliche Macht.

Keine parlamentarische Macht.

Aber gesellschaftliche Macht.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Darf Campact das?

Natürlich darf Campact politische Kampagnen führen.

Und natürlich darf Campact Gesellschafter von HateAid sein.

Die bessere Frage lautet:

Warum wird diese Macht so selten als Macht behandelt?

Wenn Unternehmer politische Parteien unterstützen, wird nach wirtschaftlichen Interessen gefragt.

Wenn Parteien Medienkampagnen organisieren, wird nach Propaganda gefragt.

Wenn Lobbyisten Ministerien beeinflussen, fordert man Transparenzregister.

Doch wenn millionenschwere NGOs Politik betreiben, werden sie häufig lediglich als „Zivilgesellschaft“ beschrieben.

Dieser Begriff klingt harmlos.

Er ist es nicht immer.

Campact ist längst ein hochprofessioneller politischer Akteur.

Und wer gleichzeitig gegen Hass und gesellschaftliche Ausgrenzung kämpfen will, muss sich gefallen lassen, dass die eigenen Methoden ebenfalls kritisch geprüft werden.

Gerade die Müllermilch-Kampagne zeigt, wie dünn die Grenze zwischen „politischer Aufklärung“ und öffentlichem Pranger werden kann.

Campact fordert Transparenz von Politik und Wirtschaft.

Dann sollte dasselbe Prinzip auch für Campact gelten.

Und für HateAid.

Denn in einer Demokratie gilt eine einfache Regel:

Wer politische Macht ausübt, muss öffentliche Kontrolle aushalten – auch dann, wenn er sich selbst für die gute Seite hält.

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Geschrieben von

Dr. Contra
Dr. Contra
Dr. Contra ist bürgerlich-liberaler Analyst und Kolumnist der Vossischen. Er schreibt über Machtstrukturen, digitale Souveränität und algorithmische Willkür und plädiert für Transparenz und offene Debatten.
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