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Asyl und Loyalität: Warum Ibrahims taz-Text Fragen aufwirft

Der taz-Beitrag von Mohamed Ibrahim offenbart das Versagen deutscher Asylpolitik: Jahrelang vom Steuerzahler finanziert und im Staatsdienst tätig, legt er das „Deutsch“ ab. Eine Streitschrift über fehlende Loyalität, die Kosten der Duldung und die Notwendigkeit echter Integrationspflichten.

Asyl und Loyalität: Warum Ibrahims taz-Text Fragen aufwirft
Ein taz-Autor legt das „Deutsch“ ab, profitiert aber weiter von Steuermitteln. Warum unsere Asylpolitik bedingungslose Loyalität einfordern muss.

Eine Streitschrift über staatliche Alimentierung, selektive Loyalitäten und das Versagen der moralischen Integrationsdebatte.

Ein Beitrag des freien Journalisten Mohamed Ibrahim im Tageszeitung-Feuilleton (taz, Ausgabe vom 4. August 2026) sorgt für Aufsehen. Unter dem Titel „Warum ich die Vorsilbe ‚Deutsch‘ wieder ablegte“ schildert der Autor – Jahrgang 1973, als Kind palästinensischer Flüchtlinge aus dem Libanon über Ost-Berlin in die BRD eingereist – seinen emotionalen Bruch mit der Bundesrepublik.

Ibrahims Begründung: Nach dem 7. Oktober 2023 und den militärischen Reaktionen Israels auf den Terror der Hamas habe er sich in Deutschland ungesehen und gesellschaftlich isoliert gefühlt. Seine Konsequenz: Er gestattet sich selbst das Ablegen der Identitätsvorsilbe. Er nennt sich nicht mehr „Deutsch-Palästinenser“, sondern schlicht „Palästinenser“.

Der Artikel liest sich wie eine persönliche Emanzipationsgeschichte, legt bei genauerem Hinsehen jedoch eine grundlegende Fehlentwicklung der deutschen Asyl- und Migrationspolitik offen: Wer sich vom Aufnahmeland jahrzehntelang alimentieren lässt, verlangt maximale Staatsempathie für das eigene Herkunftsland – verweigert aber im Gegenzug die Loyalität zur Staatsräson der gewählten Heimat, sobald Zielkonflikte entstehen.

Die Bilanz einer Ankunft: Was Kost und Logis den Steuerzahler kosteten

Um die Dimension des Falls zu verstehen, lohnt sich ein kühler Blick auf die Zahlen. Mohamed Ibrahim beschreibt unumwunden die Anfänge seiner Familie in Berlin: 17 Jahre lang verbrachte die sechsköpfige Familie in einem Erstaufnahmeheim im bürgerlichen West-Berlin – ausgestattet mit dem Status der „Duldung“.

„Dort sollten wir die nächsten 17 Jahre leben. Wir erhielten vom Amt zunächst einen Status als ‚Geduldete‘. Das bedeutete ein Leben auf gepackten Koffern…“ — Mohamed Ibrahim, taz (04.08.2026)

Eine sechsköpfige Familie über knapp zwei Jahrzehnte im Status der Duldung durchzubringen, bedeutete bereits in den 1970er und 1980er Jahren enorme Aufwendungen für die öffentliche Hand. Nimmt man die historischen Sach- und Regelleistungen, Unterkunftskosten in West-Berliner Heimen sowie Krankenhilfeleistungen der damaligen Sozialämter zusammen, fielen im Schnitt pro Kopf geschätzte 800 bis 1.000 DM monatlich an.

Eine konservative Modellrechnung:

  • 17 Jahre Heimunterbringung für 6 Personen: Bei rund 5.000 DM Monatskosten für die gesamte Familie summierten sich die Aufwendungen über 17 Jahre hinweg auf über 1 Million D-Mark (inflationsbereinigt heute rund 1,1 Millionen Euro an reinen Sozial- und Unterbringungskosten).
  • Bildungsweg & Infrastruktur: Dazu kamen kostenfreie Schulbildung für vier Kinder, Realschul- und Gymnasialbesuch, universitäres Politikstudium an der Freien Universität Berlin sowie Sprach- und Integrationsförderungen.

Die staatlich finanzierte Karriere

Ironisch wirkt die finanzielle Komponente der Gegenwart: Ibrahim arbeitet als Diplom-Politologe hauptberuflich bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH – einer bundeseigenen Durchführungsorganisation, die im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) agiert. Laut Gehaltsdaten (Quelle: kununu) liegt das Durchschnittsgehalt für Referenten und Berater bei der GIZ bei etwa 73.400 Euro brutto im Jahr (inklusive vom Steuerzahler getragener Arbeitgeberanteile). Zudem bezieht er regelmäßig Honorare für Workshops aus öffentlichen Töpfen, Schulen und staatlich geförderten Ausstellungen.

Es ergibt sich das Bild eines Mannes, dessen gesamter Lebensweg – von der Flucht 1973 über die Sonderschulabwendung bis hin zum Posten im Staatsdienst – vom deutschen Steuerzahler finanziert und ermöglicht wurde. Dass genau dieser Staat nun als nicht empathisch genug abgelehnt wird, stößt vielen Bürgerinnen und Bürgern bitter auf.

Die historische Fehlentscheidung: Warum überhaupt Asyl im fernen Deutschland?

Die Schilderungen Ibrahims werfen unvermeidbar eine Grundfrage der Asylpolitik auf: Warum gewährte die Bundesrepublik Deutschland den Palästinensern in den 1970er Jahren überhaupt Duldung und Schutz?

Die Familie floh 1973 vor dem beginnenden Bürgerkrieg im Libanon. Ein historisch nahegelegener Zufluchtsort wäre eine der zahlreichen arabisch-muslimischen Nachbarnationen gewesen, die über dieselbe Sprache, ähnliche Kulturstandards und religiöse Identitäten verfügen. Doch der Weg führte über Beirut per Flugzeug nach Ost-Berlin und von dort direkt durch das Nadelöhr des Kalten Krieges nach West-Berlin – angelockt durch die westdeutschen Sozialsysteme und das damals weltweit einmalig weitgefasste Asylrecht des Grundgesetzes (Art. 16 a.F. GG).

Fluchtbewegung 1973:
[Libanon / Beirut] ──(Flug)──> [Ost-Berlin / Schönefeld] ──(Transit)──> [West-Berlin (Sozialsystem)]

Dabei galt schon damals: Schutz vor Bürgerkrieg ist kein klassisches Asyl im Sinne individueller politischer Verfolgung. Dass eine Familie 17 Jahre lang auf dem Rechtsstatus der „Duldung“ verharrte, zeigt das historische Versagen der deutschen Verwaltung: Anstatt Kriterien für eine zügige Rückkehr in die Region oder eine unmissverständliche, zügige Integration mit vollem Bekenntnis zu schaffen, ließ man die Betroffenen im administrativen Schwebezustand.

Wer als Muslim aus einem arabischen Land bewusst den Weg in ein christlich-abendländisch geprägtes europäisches Land wählt, tut dies meist aus wirtschaftlichen oder sicherheitstechnischen Erwägungen. Doch eine funktionierende Einwanderungsgesellschaft muss verlangen können, dass diese Wahl mit einer tiefen, unumkehrbaren Loyalität gegenüber dem Aufnahmeland einhergeht – und nicht als bloße Versorgungsoption verstanden wird.

Das Integrationsparadoxon: Einwanderung verpflichtet zur Loyalität

Ibrahim schildert im Artikel ausführlich, wie sehr er sich bemühte dazuzugehören: Weihnachtsbaum in der Wohnung, Pünktlichkeit, die Hits der Neuen Deutschen Welle, Jubel beim ESC-Sieg von Nicole 1982.

Doch diese Anpassung entpuppt sich als Oberflächenphänomen, sobald es ernst wird. Als die Bundesregierung nach dem Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 das Existenzrecht Israels als deutsche Staatsräson bekräftigte, zerbrach das Zugehörigkeitsgefühl des Autors:

„Die Bundesregierung unter Olaf Scholz sagte Israel ihre uneingeschränkte Unterstützung zu. Im Verständnis der deutschen Staatsräson schien für das Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung kaum Platz zu sein… Nach dem 7. Oktober hatte ich oft das Gefühl, genau das verloren zu haben. Deshalb bezeichne ich mich heute nicht mehr als Deutsch-Palästinenser, sondern als Palästinenser.“ — Mohamed Ibrahim, taz (04.08.2026)

Hier offenbart sich eine gefährliche Schieflage.

Der Vergleich mit den USA: Das Prinzip der Staatsloyalität

Historische Vergleiche zeigen, wie echte Einwanderung funktioniert. Millionen Deutsche, Italiener oder Japaner wanderten im 19. und frühen 20. Jahrhundert in die Vereinigten Staaten von Amerika aus. Als die USA im Zweiten Weltkrieg gegen die ehemaligen Heimatländer dieser Mütter und Väter kämpften, gab es für die Migranten der zweiten und dritten Generation kein Vertun: Sie trugen die Uniform der US-Armee, kämpften in der Normandie und im Pazifik gegen ihre eigenen Herkunftsnationen. Sie wussten, dass der Eid auf die neue Heimat Vorrang vor den Blutslinien der Vergangenheit hat.

In Deutschland hingegen erleben wir durch den falsch verstandenen Multikulturalismus ein Phänomen der Dauer-Immigration: Einbürgerung wird als Rechtegewährleistung ohne Pflichten verstanden. Der Pass wird kassiert, aber die Loyalität bleibt im Herkunftsland verankert.

Fazit: Zeit für ein Ende des Identitäts-Rosinenpickens

Mohamed Ibrahims taz-Beitrag ist unbewusst ein starkes Dokument gegen die bisherige deutsche Asyl- und Integrationspraxis. Er zeigt:

  1. Duldung ohne Konsequenz erzeugt Parallelloyalitäten: Wer über Jahrzehnte im rechtlichen Schwebezustand versorgt wird, entwickelt selten eine bedingungslose Identifikation mit dem Staat.
  2. Staatsbürgerschaft erfordert Wertekonsens: Die deutsche Staatsbürgerschaft ist keine Schönwetter-Vereinbarung. Wer die Unterstützung des Staates genießt und aus Steuermitteln bezahlt wird, muss akzeptieren, dass die deutsche Außenpolitik historisch begründeten Prinzipien folgt.
  3. Kein Recht auf Einbandstraßen-Empathie: Es kann nicht sein, dass der deutsche Staat als finanzielle Heimat geschätzt, als politische Heimat aber bei der ersten Zerreißprobe verneint wird.

Wenn Mohamed Ibrahim die Vorsilbe „Deutsch“ ablegen möchte, ist das seine persönliche Entscheidung. Es wirft jedoch die Frage auf, ob jemand, der die fundamentale Staatsräson seines Gastlandes ablehnt, im Staatsdienst einer Durchführungsorganisation wie der GIZ die richtigen Impulse setzt. Echte Integration erfordert den Willen, Deutscher sein zu wollen – mit allen Rechten, aber vor allem mit allen Pflichten und historischen Konsequenzen.


Quellenangaben & Referenzen

  1. Ibrahim, Mohamed: „Warum ich die Vorsilbe ‚Deutsch‘ wieder ablegte“, die tageszeitung (taz), Ausgabe vom 04.08.2026.
  2. Bundesministerium des Innern (BMI): Jahresbilanz der Asylbewerberzahlen und Aufwendungen der Länder/Gemeinden (Historische Archive 1980–1988).
  3. Kununu Gehaltsdatenbank (2026): Durchschnittsgehälter bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH.
  4. Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland: Art. 16a (Asylrecht) und Grundsätze der Staatsangehörigkeit (StAG).
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Geschrieben von

Alvan Bovay
Alvan Bovay
Alvan Bovay ist investigativer Journalist und Wirtschaftswissenschaftler. Der frühere CEO einer internationalen Werbeagentur schreibt über Politik, Medien und Machtstrukturen und leitet Defending Liberty Daily.

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