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Baerbock bei Columbia: So verspielt die Elite-Uni ihren Ruf!

Baerbock bei Columbia: Praxiswissen oder Prestige? Die Ex-Außenministerin bringt politische Erfahrung mit, aber weder Promotion noch wissenschaftliche Lehrbilanz. Fehler und umstrittene Amtsführung werfen die Frage auf, ob Elite-Unis heute Erkenntnis vermitteln oder vor allem große Namen verkaufen!

Baerbock bei Columbia: So verspielt die Elite-Uni ihren Ruf!
Baerbock bei Columbia: So verspielt die Elite-Uni ihren Ruf! KI Illustration

Sollte Annalena Baerbock tatsächlich eine dreijährige Vollzeitstelle als „Professor of Professional Practice“ an der Columbia University erhalten, wäre das formal zulässig – aber noch lange kein Beweis für akademische Exzellenz. Columbia erklärt selbst, solche Stellen seien für Menschen mit bedeutender außeruniversitärer Karriere gedacht, die üblicherweise nicht die akademischen Voraussetzungen für eine reguläre Professur auf Lebenszeit besitzen. Die Universität darf das so handhaben. Die Frage ist jedoch, ob sie damit Wissen vermittelt oder vor allem Prominenz vermarktet.

Baerbocks Ausbildung ist weder wertlos noch mit einer klassischen wissenschaftlichen Laufbahn vergleichbar. Sie studierte in Hamburg Politikwissenschaft und erreichte das Vordiplom, schloss das Diplomstudium aber nicht ab. Anschließend erwarb sie 2005 einen einjährigen Master of Laws an der London School of Economics. Ihre 2008 begonnene Promotion an der Freien Universität Berlin über Naturkatastrophen und humanitäre Hilfe beendete sie nicht. Das alles ist eine respektable akademische Qualifikation. Es fehlen aber Promotion, Forschungsleistung, wissenschaftliche Publikationsbilanz und eine längere nachgewiesene Lehrtätigkeit. Ihr eigener Lebenslauf nennt den nicht abgeschlossenen Promotionsversuch ausdrücklich.

Hinzu kommt, dass ihre Ausbildungsangaben im Bundestagswahlkampf 2021 mehrfach präzisiert werden mussten. Aus früheren Formulierungen wie „Politik- und Jurastudium“ wurde schließlich die zutreffendere Angabe eines politikwissenschaftlichen Vordiploms. Das bedeutete nicht, dass ihr Londoner Abschluss ungültig war. Die LSE bestätigte den LL.M., und auch die Universität Hamburg bestätigte das Vordiplom. Aber gerade bei einer Bewerberin für höchste Ämter hinterließen die nachträglichen Korrekturen den Eindruck einer unnötig geschönten Selbstdarstellung. Tagesschau und Correctiv dokumentierten den Vorgang.

Auch ihre Amtszeit als Außenministerin liefert Erfahrung, aber keine unbestreitbare Erfolgsbilanz. Baerbock setzte auf eine „feministische Außenpolitik“, Menschenrechte und eine harte Linie gegenüber Russland. Sie war international präsent und fand klare Worte für die Verteidigung der Ukraine. Doch eine gute Absicht ist noch kein diplomatischer Erfolg. Weder der Krieg in der Ukraine noch der Krieg in Gaza wurde durch deutsche Diplomatie einer Lösung nähergebracht. Deutschlands Einfluss auf China, Russland und zahlreiche Staaten des globalen Südens blieb begrenzt. Das kann man nicht Baerbock allein anlasten; Außenpolitik hängt von Bündnispartnern, Gegnern und dem Bundeskanzler ab. Es macht aber die Erzählung von der außergewöhnlich erfolgreichen „globalen Führungspersönlichkeit“ fragwürdig.

Problematisch war außerdem ihre Sprache. Vor dem Europarat sagte sie: „We are fighting a war against Russia.“ Später stellte sie klar, Deutschland befinde sich nicht im Krieg mit Russland und der Zusammenhang sei entscheidend. Dennoch sollte eine Außenministerin gerade in einer militärisch angespannten Lage Formulierungen wählen, die keine unnötige propagandistische Vorlage bieten. Das Auswärtige Amt dokumentiert sowohl das Zitat als auch ihre spätere Erklärung.

Bei der Münchner Sicherheitskonferenz sagte sie über Wladimir Putin: „If he doesn’t change by 360 degrees, no.“ Gemeint waren offenkundig 180 Grad, denn eine Drehung um 360 Grad führt wieder zum Ausgangspunkt. Das ist ein Versprecher, kein Staatsverbrechen. Doch bei einer Politikerin, die für Präzision in globaler Führung stehen soll, fügt er sich in ein Bild wiederkehrender sprachlicher Unachtsamkeit. Das Wortprotokoll findet sich beim US-Außenministerium.

Baerbock kann zweifellos erklären, wie Ministerien, Parteien, internationale Konferenzen und die Vereinten Nationen funktionieren. Für einzelne Vorträge wäre dieses Insiderwissen wertvoll. Eine gute Professorin muss jedoch mehr leisten: argumentieren statt verkünden, Gegenpositionen ernst nehmen, eigene Irrtümer offenlegen und aus politischen Fehlschlägen nachvollziehbare Lehren ziehen. Ob Baerbock das kann, ist bisher nicht belegt.

Besonders bemerkenswert ist, dass die offizielle Columbia-Seite die angebliche Berufung derzeit noch gar nicht bestätigt. Beim zweiten Leitungsplatz des Programms steht lediglich „To Be Announced in Fall 2026“. Man sollte deshalb eine Medienmeldung nicht vorschnell als vollendete Tatsache behandeln. Columbia SIPA

Sollte die Berufung erfolgen, bestätigt sie dennoch ein grundsätzliches Problem vieler Eliteuniversitäten: Berühmte Namen, politische Netzwerke und institutionelles Prestige werden als Bildung verkauft. Studierende bezahlen dann nicht nur für Erkenntnis, sondern für Zugang zu einem einflussreichen Milieu. Columbia mag damit Aufmerksamkeit gewinnen. Glaubwürdigkeit gewinnt die Universität so nicht. Für eine Ausbildung, bei der der große Name wichtiger erscheint als nachgewiesene wissenschaftliche und didaktische Leistung, würde ich keinen Cent bezahlen.

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Geschrieben von

Cilla Zielinski
Cilla Zielinski
Cilla Zielinski ist Medizinerin und Feuilletonistin. Sie schreibt an der Schnittstelle von Wissenschaft, Design und Kultur und analysiert gesellschaftliche Trends mit präzisem, nüchternem Blick.

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