Der Montagsbesuch: Ein Gast mit blutigen Händen im Kanzleramt

Wenn am Montag die schwarzen Limousinen vor dem Kanzleramt vorfahren, weht ein Hauch von Realpolitik durch das Regierungsviertel, der das Erbe der Aufklärung Lügen straft.

Der Montagsbesuch: Ein Gast mit blutigen Händen im Kanzleramt
Der Gast: Ahmed al-Scharaa. In Damaskus firmiert er heute als das „zivilisierte“ Gesicht einer neuen Ära; in den Akten der Geheimdienste und in den geschundenen Herzen der syrischen Christen bleibt er jedoch der Mann, der einst als al-Golani das Banner der Dschihadisten trug und sich mit den Trophäen seiner Schlächter brüstete.

BERLIN, 30. MÄRZ 2026. Wenn am Montag die schwarzen Limousinen vor dem Kanzleramt vorfahren, weht ein Hauch von Realpolitik durch das Regierungsviertel, der das Erbe der Aufklärung Lügen straft. Bundeskanzler Friedrich Merz bittet zum Gespräch. Der Gast: Ahmed al-Scharaa. In Damaskus firmiert er heute als das „zivilisierte“ Gesicht einer neuen Ära; in den Akten der Geheimdienste und in den geschundenen Herzen der syrischen Christen bleibt er jedoch der Mann, der einst als al-Golani das Banner der Dschihadisten trug und sich mit den Trophäen seiner Schlächter brüstete.

Die Trümmer von Suqaylabiyah

Während in Berlin die Protokollabteilung den roten Teppich ausrollt, klammern sich in der zentralsyrischen Provinz Hama Menschen an ihre Kreuze. Suqaylabiyah, jenes stolze Bollwerk griechisch-orthodoxer Tradition, liegt in Scherben. Nur Stunden vor dem Palmsonntag, dem Tor zur heiligen Woche, brachen bewaffnete Mobs über die Stadt herein. Berichte zeichnen ein grauenvolles Bild: Bewaffnete Islamisten, die sich im Windschatten der neuen Regierung sicher fühlen, verwüsteten Häuser und Läden.

Besonders erschütternd sind die Meldungen über versuchte Gruppenvergewaltigungen christlicher Mädchen. Nur der verzweifelte Widerstand der Männer von Suqaylabiyah verhinderte Schlimmeres – woraufhin der Mob mit Verstärkung zurückkehrte, das Feuer eröffnete und zahlreiche christliche Männer verschleppte, denen nun die Hinrichtung droht. Es ist die bittere Ironie der Geschichte: Während die Vossische einst das liberale Bürgertum und die Religionsfreiheit pries, empfängt das offizielle Deutschland heute einen Mann, unter dessen Herrschaft das christliche Erbe des Orients im Staub zertreten wird.

Diplomatie des Vergessens

Man wird im Kanzleramt über „Rückführung“ sprechen. Man wird über „Stabilität“ und „Wiederaufbau“ parlieren. Es sind die technokratischen Vokabeln einer Außenpolitik, die sich der dschihadistischen Vergangenheit al-Scharaas beugt, um innenpolitische Migrationsziele zu erreichen. Doch dieser Kurs ist hochumstritten, wie bereits in unserem Kommentar Das Berliner Paradoxon: Wenn aus Terroristen Partner werden dargelegt wurde. Die Frage bleibt: Kann man einem Brandstifter den Wiederaufbau anvertrauen?

Al-Scharaa gibt sich in feinem Zwirn staatsmännisch, doch in Orten wie Suqaylabiyah zeigt sein System das wahre Gesicht. Während linke Medien teils versuchen, die Angriffe als „lokale Streitigkeiten“ zu verharmlosen, sprechen die Fakten eine deutliche Sprache: Es ist eine koordinierte Säuberung.

Wenn die syrischen Christen in diesen Stunden um ihr Überleben beten, blicken sie mit tiefem Unverständnis auf die deutsche Hauptstadt. Ein Staatsbesuch am Montag, nachdem am Wochenende zuvor die Ikonen brannten und Männer für ihren Glauben festgenommen wurden – das ist eine Symbolik, die schwerer wiegt als jedes diplomatische Communiqué. Der heutige Besuch im Kanzleramt wird als Erfolg der Vernunft verkauft werden. Doch für die Verfolgten in Syrien ist er ein Signal der endgültigen Preisgabe durch den Westen.