DIE ROTE LACHNUMMER – FOLGE 18
Die Linke will mit SPD und Grünen Berlin regieren. Bundesweit sehen 62 Prozent der Befragten das skeptisch; selbst unter SPD-Anhängern überwiegt die Ablehnung. Trotzdem starten 14 Facharbeitsgruppen mit rund 300 Beteiligten. Die rote Lachnummer über eine Koalition auf Begeisterungssuche.
Politische Zeitungssatire | DIE VOSSISCHE
Aktueller Anlass vom 5. November 2026: Der neue ARD-Deutschlandtrend zeigt erhebliche Vorbehalte gegenüber einer Linken-geführten Regierung in Berlin. Bundesweit bewerten 62 Prozent der Befragten ein solches Bündnis aus Linken, Grünen und SPD als weniger gut oder schlecht. Nur 28 Prozent finden es gut. Besonders bemerkenswert: Unter den bundesweit befragten SPD-Anhängern überwiegt die Ablehnung mit 54 Prozent. Gleichzeitig beginnen am Freitag in Berlin die ersten von 14 Facharbeitsgruppen mit insgesamt rund 300 Beteiligten ihre Koalitionsverhandlungen. WDR Presselounge
14 Arbeitsgruppen. Und keine für die Begeisterung.
Die Linke will Berlin regieren. Doch 62 Prozent der Deutschen sehen das Bündnis skeptisch. Selbst die SPD-Anhänger fremdeln. Eine politische Komödie über Mehrheiten, Macht und die erstaunliche Fähigkeit, Zustimmung durch Sitzungen zu ersetzen.
Die Revolution gründet einen Arbeitskreis
Die Revolution hat eine neue Arbeitsform entdeckt: die Facharbeitsgruppe. In Berlin sollen rund 300 Politiker und Fachleute in 14 solcher Gruppen den künftigen Koalitionsvertrag von Linken, Grünen und SPD vorbereiten. Am Freitag beginnen die ersten Beratungen. Es fehlt nur eine fünfzehnte Gruppe. Ihr Auftrag wäre, jemanden zu finden, der sich auf diese Regierung freut.
Der ARD-Deutschlandtrend hat am Donnerstag eine wenig festliche Zahl geliefert. Bundesweit halten 62 Prozent der befragten Wahlberechtigten eine von der Linken geführte Berliner Regierung für weniger gut oder schlecht. Gut finden sie 28 Prozent. Man kann das als Stimmungskiller betrachten. Oder als ideale Voraussetzung für eine Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit.
Besonders reizvoll sind die Antworten der SPD-Anhänger. Bundesweit bewerten 54 Prozent von ihnen das geplante Bündnis negativ, nur 40 Prozent positiv. Die Sozialdemokraten verhandeln in Berlin also über ein Regierungsprojekt, für das sich selbst in der eigenen politischen Anhängerschaft keine Mehrheit erwärmen kann.
Das ist wahre Koalitionsdisziplin: Man fährt mit, obwohl die Mitreisenden bereits am Bahnsteig auf die Bremse zeigen.
Bevor jemand den nationalen Umfragewert zur vermeintlichen Abwahl der Berliner Regierung erklärt: Befragt wurden 1.297 Wahlberechtigte in ganz Deutschland, nicht ausschließlich Berliner. Der Deutschlandtrend ist kein zweiter Berliner Wahlgang.
In der Hauptstadt wurde am 20. September tatsächlich gewählt. Die Linke gewann 45 Mandate, die Grünen 25 und die SPD 21. Zusammen sind das 91 von 153 Sitzen, eine parlamentarische Mehrheit. Diese Zahlen schaffen eine demokratische Grundlage, selbst wenn in Bayern oder Niedersachsen jemand die Stirn runzelt.
Nur hat demokratische Legitimität eine lästige Schwester. Sie heißt politische Überzeugungskraft. Und von der hätte das neue Bündnis gern etwas mehr im Gepäck.
Die Umfrage ist also keine verfassungsrechtliche Bremse. Sie ist eher das Geräusch, das eine politische Großbaustelle macht, bevor die ersten Bauzäune stehen. Man sollte die Werte weder als Volksentscheid missverstehen noch als belanglose Laune abtun.
Die Parteien müssen nicht erklären, warum sie überhaupt verhandeln dürfen. Sie müssen erklären, warum am Ende etwas Besseres herauskommen soll als drei Parteiprogramme, die sich gegenseitig ihre Lieblingsstellen gestrichen haben.
Die Linken-Anhänger sind bundesweit zu 88 Prozent begeistert, die der Grünen zu 61 Prozent. Es sind also ausgerechnet die Sozialdemokraten, die schon vor dem ersten Koalitionsvertrag das Kunststück einer inneren Opposition einüben.
Man darf gespannt sein, ob die SPD demnächst zugleich regiert und sich in ihren eigenen Pressemitteilungen kritisch begleitet.
Das organisatorische Gerüst steht jedenfalls. Eine Dachgruppe aus den Parteispitzen entscheidet, was aus den Vorschlägen der Facharbeitsgruppen in den Vertrag gelangt. Die ersten Ergebnisse sollen Ende November vorliegen, ein fertiger Vertrag Anfang Januar. Danach dürfen die Mitglieder aller drei Parteien urteilen.
Das klingt nach einem wohlgeordneten Verfahren. Es erinnert nur ein wenig an ein Restaurant, in dem 300 Köche die Speisekarte entwerfen und die Gäste anschließend gefragt werden, ob sie überhaupt Hunger haben.
Vielleicht lässt sich das Problem durch eine noch präzisere Ressortverteilung lösen.
Die Linke übernimmt das Versprechen, die Grünen die Bedingungen, die SPD die Zweifel. Der Haushalt bekommt eine Excel-Tabelle, die innere Sicherheit eine Fußnote, und die Begeisterung wird wegen fehlender Zuständigkeit vorläufig vertagt.
Am Ende muss eine Berliner Regierung nicht bei einer bundesweiten Umfrage gewinnen. Sie muss Berlin ordentlich regieren. Das wäre schon eine bemerkenswerte Leistung.
Bis dahin aber bleibt die eleganteste Form dieser Koalition diejenige, in der sie noch keine Entscheidung treffen musste.
Sollte unter den 14 Arbeitsgruppen tatsächlich eine fehlen, wäre der Name rasch gefunden:
Arbeitsgruppe Zustimmung.
Den Vorsitz übernimmt die SPD. Sie hat die meiste Erfahrung mit dem Gegenargument.
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