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Schon wieder ein Preis für Suraj Mailitafi?

Nach Angriffen auf Journalisten verweigerte Suraj Mailitafi die Distanzierung von den Tätern. Trotzdem steht der Widersetzen-Sprecher beim Deutschen Engagementpreis zur Wahl. Unsere Recherche verfolgt die Spur über Young Schura, Allianz Foundation, DSEE, Jurys und Millionen aus öffentlichen Mitteln.

Schon wieder ein Preis für Suraj Mailitafi?
Gewalt gegen Reporter, Widersetzen, Young Schura, Allianz und Steuergeld: Unsere Recherche zeigt das Netzwerk hinter Mailitafis Nominierung 2026. Illustration by Richard Bergsirk

Wer den Widersetzen-Sprecher auszeichnet – und wer dafür bezahlt

Journalisten werden geschlagen und getreten. Widersetzen-Sprecher Suraj Mailitafi erklärt die Angegriffenen zu „rechten Provokateuren“ und verweigert auf ausdrückliche Nachfrage die Distanzierung von den Tätern. Wenige Monate später steht er beim Deutschen Engagementpreis in der Kategorie „Demokratie und Partizipation“ zur Wahl. Die Spur führt über die Allianz Foundation, eine damalige Vorständin der staatlich finanzierten Ehrenamtsstiftung, Young Schura und ein weit verzweigtes politisches Netzwerk. Eine Recherche über Preise, Millionenförderung und die Frage, welche Maßstäbe hier eigentlich gelten.

Es ist nur ein Satz.

Aber es ist ein Satz, den man nicht aus der Welt moderieren kann.

Nach körperlichen Angriffen auf Journalisten bei den Protesten gegen den AfD-Bundesparteitag in Erfurt wurde Suraj Mailitafi gefragt, ob Gewalt gegen Menschen legitim sei, die er für Faschisten hält.

Seine Antwort:

„Sie wollen eine Distanzierung von mir, die kann ich Ihnen aber nicht liefern.“

Mailitafi fügte als Begründung hinzu, die Menschen, die sich „haben provozieren lassen“, gehörten schließlich ebenfalls zur antifaschistischen Bewegung. Das Zitat stammt aus einem Stern-Interview und wurde anschließend vollständig dokumentiert.

Drei Monate später präsentiert der Deutsche Engagementpreis Suraj Mailitafi als Kandidaten.

Themengebiet:

„Demokratie und Partizipation“.

Preisgeld beim Publikumspreis:

10.000 Euro.

Und damit beginnt eine Geschichte, bei der es nicht nur um einen Aktivisten geht.

Es geht um diejenigen, die ihn auswählen.

Um diejenigen, die ihn finanzieren.

Um diejenigen, die ihn auszeichnen.

Und um ein System von Stiftungen, Verbänden und Jurys, in dem sich dieselben Institutionen erstaunlich häufig wiederbegegnen.

Erfurt: Reporter werden gejagt, geschlagen und getreten

Zunächst die Tatsachen.

Am 4. Juli 2026 berichteten Journalisten über die Proteste gegen den AfD-Bundesparteitag in Erfurt.

Drei Reporter von Apollo News wurden nach Feststellungen des internationalen Committee to Protect Journalists verfolgt, geschlagen, getreten und mit Gegenständen beworfen. Sie mussten medizinisch versorgt werden. Einer von ihnen wurde wegen einer Kopfverletzung im Krankenhaus behandelt.

Auch ein Reporter der Jungen Freiheit wurde angegriffen und ins Gesicht geschlagen.

Die Thüringer Polizei leitete Ermittlungen ein – bei den Angriffen auf die Apollo-Reporter wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung, beim Angriff auf den Reporter der Jungen Freiheit wegen Raubes und Körperverletzung.

Das ZDF überprüfte die Vorwürfe ebenfalls und kam zu einem eindeutigen Ergebnis: Es gebe keine Hinweise darauf, dass die angegriffenen Journalisten sich presserechtlich unzulässig verhalten hätten.

Reporter ohne Grenzen formulierte dazu:

„Kritik an Berichterstattung ist legitim – Gewalt und Einschüchterung sind es nie.“

Damit war die Ausgangslage eindeutig.

Journalisten waren körperlich angegriffen worden.

Die entscheidende Frage wäre eigentlich einfach gewesen:

Verurteilt ein Sprecher des veranstaltenden Protestbündnisses diese Gewalt?

Mailitafi: „Das sind keine Journalisten“

Mailitafi tat etwas anderes.

Als er im Stern auf die Angriffe angesprochen wurde, erklärte er über Reporter von Apollo News und Nius:

„Das sind keine Journalisten, sondern rechte Provokateure.“

Er warf ihnen vor, mit der Absicht zu Veranstaltungen zu kommen, zu provozieren und anschließend Bilder davon „propagandistisch auszuschlachten“.

Das Muster ist bemerkenswert.

Nicht die Täter stehen zunächst im Mittelpunkt.

Sondern diejenigen, die geschlagen wurden.

Aus Journalisten werden „Provokateure“.

Aus Gewalt wird eine Reaktion auf angebliche Provokation.

Und schließlich fragt der Stern genau das, worauf es ankommt:

„Ist Gewalt gegenüber Menschen, die Sie als Faschisten und Faschistinnen betrachten, legitim?“

Mailitafis Antwort:

„Sie wollen eine Distanzierung von mir, die kann ich Ihnen aber nicht liefern.“

Das ist keine bloße Unterlassung.

Mailitafi wurde nicht vergessen zu fragen.

Die Gewalt wurde nicht abstrakt beschrieben.

Er wurde ausdrücklich mit der Frage konfrontiert, ob Gewalt gegenüber bestimmten politischen Gegnern legitim sei.

Und er verweigerte ausdrücklich die Distanzierung.

Seine Begründung war die Zugehörigkeit der Gewalttäter zur eigenen „antifaschistischen Bewegung“.

Gewalt muss man nicht selbst ausüben, um sie politisch zu legitimieren

Natürlich gibt es keinen Beleg dafür, dass Mailitafi selbst einen Reporter geschlagen oder getreten hat.

Das behauptet auch niemand, der seriös arbeitet.

Aber politische Rechtfertigung von Gewalt beginnt nicht erst mit der eigenen Faust.

Sie kann darin bestehen, Gewalttäter zu entschuldigen, Verantwortung auf die Opfer zu verschieben oder Gewalt abhängig von der politischen Einordnung des Opfers unterschiedlich zu bewerten.

Genau deshalb ist Mailitafis Antwort relevant.

Er erklärt die Angegriffenen zu „rechten Provokateuren“.

Er unterstellt ihnen eine Provokationsstrategie.

Er spricht ihnen den Journalistenstatus ab.

Und er verweigert anschließend die Distanzierung von den Tätern mit der Begründung, diese gehörten zur eigenen Bewegung.

Ob man diesen Vorgang sprachlich als Gewaltverherrlichung, Gewaltrechtfertigung oder Relativierung von Gewalt bezeichnet, ist eine journalistische Bewertung.

Der zugrunde liegende Sachverhalt ist dagegen dokumentiert.

Das war keine Einzelmeinung im Affekt

Auch das Bündnis Widersetzen reagierte nach den Angriffen nicht mit einer vorbehaltlosen Verurteilung.

Am 6. Juli veröffentlichte Widersetzen eine Pressemitteilung unter dem Titel:

„Gezielte Eskalation durch rechte Provokateure“.

Darin wurden Apollo News und Junge Freiheit ebenfalls als „rechte Provokateure“ bezeichnet. Widersetzen behauptete, sie hätten Teilnehmer bedrängt und versucht, Vorfälle zu provozieren, die anschließend propagandistisch ausgeschlachtet werden könnten.

Widersetzen-Sprecherin Noa Sander ging noch weiter.

Auf einer Pressekonferenz erklärte sie:

„Faschist mit einem Presseausweis sind immer noch Faschist.“

Das ZDF zitierte diese Aussage ausdrücklich im Zusammenhang mit den Angriffen und stellte fest, dass die politische Ausrichtung eines Mediums dessen presserechtlichen Schutz nicht aufhebt.

Erst am 8. Juli veröffentlichte das Bündnis eine Formulierung, wonach Angriffe auf Menschen nicht dem eigenen Aktionskonsens entsprächen. Gleichzeitig blieb es bei der Bezeichnung der angegriffenen Reporter als „rechte Provokateure“.

Wer steckt organisatorisch hinter Widersetzen?

Auch hier lohnt sich ein Blick ins Kleingedruckte.

Im Impressum von Widersetzen steht:

Thomas Willms.

Organisation:

VVN-BdA – Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten.

Auch das Spendenkonto von Widersetzen läuft nicht auf irgendeine lose Initiative.

Kontoinhaber ist die Bundesvereinigung VVN-BdA.

Thomas Willms ist Bundesgeschäftsführer der VVN-BdA.

Und er beschreibt die Rolle seines Verbandes bei Widersetzen selbst bemerkenswert offen.

In einem Interview des eigenen VVN-BdA-Magazins sagt Willms:

Die VVN-BdA sei „von Anfang an mit dabei“.

Und:

„Nur Mitmachen reicht für uns nicht. Wir müssen schon in die Verantwortung.“

Deshalb stehe er auch als Verantwortlicher auf den Flyern von Widersetzen.

Das ist kein verstecktes Verhältnis.

Die organisatorische Verantwortung wird von der VVN-BdA selbst ausdrücklich beansprucht.

Und genau dieser Mann steht jetzt beim Deutschen Engagementpreis

Wer heute die Seite des Deutschen Engagementpreises öffnet, findet dort ein vollkommen anderes Bild.

Suraj Mailitafi wird präsentiert als Aktivist für Chancengerechtigkeit, Demokratie und Antirassismus.

Sein Engagement finde „auf der Straße, in Schulen und Vereinen, in der Kommunalpolitik und auf Social Media“ statt.

Seine Sprecherrolle bei Widersetzen wird auf der offiziellen Profilseite nicht erwähnt.

Die Kontroverse um die Gewalt gegen Journalisten ebenfalls nicht.

Das Themenfeld dagegen schon:

„Demokratie und Partizipation“.

Der Publikumspreis ist mit 10.000 Euro ausgestattet. Der zweite und dritte Platz erhalten 7.500 beziehungsweise 5.000 Euro.

Die Frage lautet deshalb:

Wer hat Mailitafi überhaupt in dieses System gebracht?

Die Spur führt zur Allianz Foundation

Der Deutsche Engagementpreis hat Mailitafi nicht selbst nominiert.

Auf seiner Kandidatenseite steht ausdrücklich:

„Nominiert von: Movers of Tomorrow Award.“

Dieser Preis wird von der Allianz Foundation vergeben.

2025 wurden dort 143 Personen nominiert. Nach einer Onlineabstimmung kamen die 50 Stimmenstärksten in die sogenannte Movers-Kohorte.

Jeder erhielt 1.500 Euro.

Danach wählte eine Jury zehn zusätzliche Preisträger aus.

Sie erhielten weitere 3.500 Euro.

Suraj Mailitafi gehörte zu diesen zehn Jury-Preisträgern.

Er erhielt damit insgesamt 5.000 Euro aus dem Programm.

Und die Auszeichnung machte ihn anschließend nominierungsfähig für den Deutschen Engagementpreis.

Wer saß in der Jury, die Mailitafi auszeichnete?

Hier wird aus einer einfachen Preisgeschichte eine Netzwerkgeschichte.

Die Jury bestand unter anderem aus:

Christian Humborg, CEO der Allianz Foundation.

Andreas Schmid von der Allianz Betriebs- und Vertriebs AG.

Und:

Katarina Peranić.

Ihre damalige Funktion?

Vorständin der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt – DSEE.

Genau diese DSEE veranstaltet heute den Deutschen Engagementpreis.

Die Kette lautet also:

Allianz Foundation.

Movers of Tomorrow.

Jury mit der damaligen DSEE-Vorständin Katarina Peranić.

Auszeichnung Mailitafis.

Darauf basierende Nominierung für den Deutschen Engagementpreis.

Veranstalter dieses Deutschen Engagementpreises:

wieder die DSEE.

Das beweist keine Absprache.

Es beweist aber eine institutionelle Überschneidung, die bislang in der öffentlichen Darstellung praktisch unsichtbar bleibt.

Und wie finanziert sich die Allianz Foundation?

2025 nahm die Allianz Foundation insgesamt rund 8,78 Millionen Euro ein.

Davon entfielen 5,035 Millionen Euro auf Spenden.

Für den Movers of Tomorrow Award gab die Stiftung rund 277.000 Euro aus.

Die Foundation bezeichnet die Allianz SE als zentrale Geldgeberin; die Verbindung zwischen Konzern und Stiftung ist damit finanziell erheblich.

Das heißt:

Bevor Mailitafi beim staatlich getragenen Ehrenamtspreis auftauchte, war er bereits Teil eines mit erheblichen privaten Mitteln finanzierten Förder- und Auszeichnungsprogramms.

Danach kommt der Steuerzahler ins Spiel

Die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt ist keine gewöhnliche NGO.

Sie wurde durch Bundesgesetz als Stiftung öffentlichen Rechts errichtet.

Und ihre institutionelle Finanzierung kommt 2026 vollständig aus dem Bundeshaushalt.

Im Haushaltsplan stehen:

20 Millionen Euro aus dem Bereich Sport und Ehrenamt des Bundeskanzleramts.

Weitere 10 Millionen Euro aus einem zweiten Bundesetat.

Zusammen:

30 Millionen Euro.

Der Bundeshaushalt weist den Finanzierungsanteil der institutionellen Förderung der DSEE ausdrücklich mit 100 Prozent aus.

Das bedeutet nicht, dass jeder einzelne Euro des Deutschen Engagementpreises unmittelbar Steuergeld ist. Der Preis nennt zusätzlich die Deutsche Postcode Lotterie als Förderpartner.

Aber Veranstalterin ist eine öffentlich-rechtliche Stiftung, deren institutionelle Finanzierung 2026 vollständig vom Bund getragen wird.

Das Wort „steuerfinanziert“ fällt deshalb nicht vom Himmel.

Und wer sitzt in der Jury?

Die Jury 2026 umfasst unter anderem:

Luisa Neubauer.

DSEE-Vorständin Lena Bloemacher.

Dr. Babette Kibele, Leiterin der Abteilung Sport und Ehrenamt im Bundeskanzleramt.

Dazu kommen Vertreter verschiedener Verbände und Organisationen.

Wichtig:

Neubauer hat Mailitafi nicht nominiert.

Und es gibt keinen Beleg dafür, dass sie persönlich für ihn gestimmt hat.

Wer die Geschichte auf „Luisa Neubauer zeichnet Widersetzen-Sprecher aus“ verkürzt, macht sie schwächer, nicht stärker.

Denn die eigentlich interessante Verbindung liegt bereits eine Stufe früher:

Die damalige DSEE-Vorständin Katarina Peranić saß in jener Allianz-Jury, die Mailitafi 2025 zusätzlich auszeichnete.

Nun landet Mailitafi über genau diesen Preis beim von der DSEE veranstalteten Deutschen Engagementpreis.

Die eigenen Regeln der DSEE

Besonders bemerkenswert werden die Vorgänge, wenn man die Teilnahmebedingungen des Deutschen Engagementpreises liest.

Dort behält sich die DSEE ausdrücklich vor, Teilnehmer auszuschließen, wenn Inhalte oder Aktivitäten

„im Widerspruch zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung“

stehen oder terroristische, extremistische, diskriminierende beziehungsweise rechtswidrige Ziele verfolgt oder unterstützt werden.

Ein Ausschluss kann sogar nachträglich erfolgen.

Nun ist Mailitafi weder wegen der Erfurter Angriffe verurteilt noch selbst als Täter beschuldigt.

Aber das ist auch nicht die entscheidende Frage.

Die entscheidende Frage lautet:

Hat die DSEE bei einem Kandidaten der Kategorie „Demokratie und Partizipation“ überhaupt überprüft, wie er sich nach dokumentierter politischer Gewalt gegen Journalisten öffentlich positioniert hat?

Und falls ja:

Wie wurde die ausdrückliche Verweigerung einer Distanzierung bewertet?

Young Schura: Mailitafis zweites politisches Netzwerk

Doch Mailitafis organisatorischer Hintergrund reicht weiter.

2024 wurde er öffentlich als Vorsitzender von Young Schura Niedersachsen vorgestellt. Noch ein im Februar 2026 veröffentlichtes pädagogisches Begleitmaterial bezeichnet ihn als Vorsitzenden des muslimischen Jugendverbands.

Young Schura entstand aus der Schura Niedersachsen.

Die Schura selbst bezeichnet Young Schura ausdrücklich als ihre Jugendorganisation beziehungsweise ihren Landesjugendverband.

Damit ist Mailitafis Young-Schura-Tätigkeit kein unverbundener Nebenjob.

Sie führt direkt in einen der bedeutenden muslimischen Dachverbände Niedersachsens.

Was in der Schura organisiert ist

Die aktuelle Mitgliederliste der Schura Niedersachsen ist aufschlussreich.

Unter ihrem Dach finden sich zahlreiche Ortsvereine der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüş – IGMG.

Darunter auch der IGMG Regionalverband Niedersachsen sowie Ortsvereine in Hannover, Oldenburg, Garbsen, Laatzen, Peine, Braunschweig, Salzgitter, Osnabrück und weiteren Städten.

Und genau diese Verbindung wird im aktuellen niedersächsischen Verfassungsschutzbericht 2025 ausdrücklich beschrieben.

Dort heißt es über die IGMG:

„Verbindungen bestehen z. B. zur Schura Niedersachsen.“

Der Bericht stellt zugleich klar, dass die IGMG Niedersachsen seit 2014 nicht mehr als eigenständiges Beobachtungsobjekt geführt wird.

Aber:

Nach aktueller Bewertung seien inzwischen wieder engere Verbindungen der niedersächsischen IGMG zur Bundeszentrale in Köln feststellbar.

Auch eine Nähe zu Necmettin Erbakan und seinen ideologischen Grundlagen sei teilweise weiterhin vorhanden.

Einzelne Moscheevereine und Personen würden bei belegbarer Erbakan-Nähe im Sammelbeobachtungsobjekt Milli-Görüş-Bewegung mitbearbeitet.

Der Bericht beschreibt Erbakans „Adil Düzen“-Konzept als mit den Grundprinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung unvereinbar.

Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass Young Schura oder Mailitafi deshalb dem islamistischen Spektrum zuzurechnen wären.

Eine solche amtliche Einstufung existiert nicht.

Aber es zeigt, in welchem komplexen Verbandsumfeld der Jugendverband operiert.

Und genau solche Hintergründe gehören geprüft, wenn öffentliche Institutionen Demokratiepreise verteilen.

Young Schura und die unangenehme Antisemitismus-Frage

Besonders bemerkenswert ist eine Auseinandersetzung aus dem Jahr 2021.

Young Schura wollte Mitglied im Landesjugendring Niedersachsen werden.

Während des Aufnahmeverfahrens sollten sich Young Schura und andere muslimische Verbände zu nationalistischen, „nationalislamischen“ und antisemitischen Gruppierungen positionieren.

Young Schura reagierte empört.

Eine solche Aufforderung sei ein Versuch, muslimische Jugendverbände „zu diffamieren und unter Verdacht zu stellen“.

Der Verband zog seinen Aufnahmeantrag zurück.

Der Landesjugendring bot anschließend eine Arbeitsgruppe zur Aufarbeitung des Konflikts an. Young Schura und die DITIB-Jugend nahmen dieses Angebot nach Darstellung der Fachstelle ufuq nicht an.

Das heißt nicht, Young Schura habe Antisemitismus unterstützt.

Aber es heißt:

Als im Rahmen eines institutionellen Aufnahmeverfahrens Fragen zu Antisemitismus und nationalislamischen Strukturen gestellt wurden, entschied sich der Verband gegen die weitere Teilnahme an diesem Prüfprozess.

Kurz darauf gab es einen Bundespreis

Und dann geschah etwas, das zur heutigen Geschichte erstaunlich gut passt.

Noch 2021 wurde Young Schura mit dem Bundespreis „Aktiv für Toleranz und Demokratie“ ausgezeichnet.

Der Wettbewerb wurde vom staatlich getragenen „Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt“ vergeben.

Preisgeld:

bis zu 5.000 Euro.

Der Verband, dessen Vorsitzender Mailitafi später wurde, war damit selbst bereits Teil der staatlichen Auszeichnungslandschaft.

Schon wieder ein Demokratiepreis.

Schon wieder dieselbe Frage:

Wie tief wird vor solchen Auszeichnungen eigentlich geprüft?

Die Hamas-Frage: Hier endet die Beweislage

Gerade bei einer solchen Recherche ist entscheidend, nicht aus politischen Verbindungen Behauptungen zu konstruieren, für die es keinen Beleg gibt.

Wir haben deshalb gezielt nach öffentlichen Aussagen Mailitafis zu Hamas und zum Massaker vom 7. Oktober 2023 gesucht.

Das Ergebnis:

Bislang findet sich kein belastbarer Beleg dafür, dass Suraj Mailitafi den Hamas-Angriff vom 7. Oktober als „Befreiungskampf“ bezeichnet oder die Ermordung und Entführung israelischer Zivilisten ausdrücklich gutgeheißen hätte.

Eine solche Aussage sollte ihm deshalb derzeit nicht zugeschrieben werden.

Dasselbe gilt für Young Schura.

Für eine organisationseigene Verherrlichung des 7. Oktober liegt uns kein belastbarer Beleg vor.

Im Gegenteil:

Der Erwachsenenverband Schura Niedersachsen hat den Hamas-Terror ausdrücklich verurteilt.

Die niedersächsische Landesregierung bestätigte gegenüber dem Landtag, dass die Schura den Angriff gemeinsam mit dem Landesverband der jüdischen Gemeinden verurteilt und erklärt habe:

„Dieser Angriff ist nicht zu rechtfertigen.“

Das gehört zur Wahrheit dieser Recherche ebenso wie die problematischen Netzwerke.

Offen bleibt dagegen: Wer soll Mailitafis Preisgeld bekommen?

Mailitafi hat nach einem aktuellen Bericht angekündigt, ein mögliches Preisgeld unter anderem an eine palästinensische Organisation weiterzugeben.

Welche Organisation?

Nicht genannt.

Das ist keine Nebensache.

Die Teilnahmebedingungen des Deutschen Engagementpreises schreiben ausdrücklich vor, dass Preisgelder im Kontext des ausgezeichneten Engagements einzusetzen und „nicht übertragbar“ sind.

Die DSEE muss deshalb beantworten:

Welche Organisation soll das Geld erhalten?

Ist eine solche Weitergabe überhaupt zulässig?

Wird der Empfänger überprüft?

Und wer trägt die Verantwortung für diese Prüfung?

Eine Auszeichnungskette mit Namen

Am Ende lässt sich die Geschichte nicht mehr auf einen abstrakten „Preis“ reduzieren.

Es gibt Verantwortliche.

Bei der Allianz Foundation:

Christian Humborg.

Bei der Jury des Movers of Tomorrow Award 2025:

unter anderem Humborg, Andreas Schmid und die damalige DSEE-Vorständin Katarina Peranić.

Bei der heutigen DSEE:

die Vorstände Jan Holze und Lena Bloemacher.

In der Jury des Deutschen Engagementpreises:

unter anderem Lena Bloemacher, Luisa Neubauer und Bundeskanzleramts-Abteilungsleiterin Babette Kibele.

Hinter Widersetzen:

Thomas Willms und die VVN-BdA in dokumentierter organisatorischer Verantwortung.

Und mittendrin:

Suraj Mailitafi.

Fazit: Hier geht es nicht mehr um eine missverständliche Äußerung

Man kann Suraj Mailitafis politische Ziele teilen oder ablehnen.

Das ist für diesen Vorgang nicht entscheidend.

Entscheidend ist etwas anderes:

Journalisten wurden bei einer politischen Demonstration verfolgt, geschlagen und getreten.

Mailitafi wusste davon.

Er wurde ausdrücklich danach gefragt.

Er bezeichnete die Angegriffenen anschließend als „rechte Provokateure“.

Er sprach ihnen den Journalistenstatus ab.

Er erklärte, sie seien mit dem Ziel gekommen zu provozieren.

Und als man ihn schließlich direkt fragte, ob Gewalt gegenüber Menschen legitim sei, die er als Faschisten betrachtet, verweigerte er ausdrücklich die Distanzierung von den Tätern.

Das ist der dokumentierte Vorgang.

Wenige Monate später erscheint derselbe Aktivist auf der Website eines von einer vollständig bundesfinanzierten Stiftung veranstalteten Ehrenamtspreises unter:

„Demokratie und Partizipation“.

Das ist kein Detail, das eine Preisjury hinter einem freundlichen Kandidatenporträt verschwinden lassen kann.

Es ist ein Prüfstein für die Glaubwürdigkeit des Preises selbst.

Denn wer Demokratie auszeichnen will, muss erklären können, welchen Stellenwert Pressefreiheit und politische Gewalt in den eigenen Auswahlkriterien tatsächlich besitzen.

Der Deutsche Engagementpreis hat sich diese Kriterien selbst gegeben.

Die DSEE kann Teilnehmer ausschließen, wenn Aktivitäten der freiheitlich-demokratischen Grundordnung widersprechen oder extremistische beziehungsweise rechtswidrige Ziele unterstützt werden.

Deshalb reicht jetzt keine allgemeine Erklärung über Vielfalt, Engagement und gesellschaftliche Teilhabe.

Die Verantwortlichen müssen konkrete Fragen beantworten:

Waren Mailitafis Aussagen zu den Angriffen in Erfurt bekannt?

Wurden sie geprüft?

Wer hat sie geprüft?

Mit welchem Ergebnis?

War seine Funktion bei Widersetzen bekannt?

War seine Tätigkeit bei Young Schura bekannt?

Welche Unterlagen lagen der Allianz-Jury vor?

Welche Informationen lagen der DSEE vor?

Und warum findet sich all das auf dem offiziellen Kandidatenprofil nicht?

Das ist der Kern dieses Falls.

Nicht, dass Suraj Mailitafi politisch links ist.

Nicht, dass Luisa Neubauer in einer Jury sitzt.

Nicht, dass ein muslimischer Jugendverband existiert.

Sondern die Frage, ob ein Preis, der ausdrücklich Demokratie und gesellschaftliche Verantwortung würdigen will, seine eigenen Maßstäbe konsequent auf einen Kandidaten angewandt hat, der nach dokumentierter Gewalt gegen Journalisten eine ausdrückliche Distanzierung verweigerte.

Solange die DSEE diese Frage nicht beantwortet, bleibt die Nominierung erklärungsbedürftig.

Und zwar nicht für Mailitafis politische Gegner.

Sondern für jeden, der Pressefreiheit und Gewaltfreiheit als Bestandteil demokratischer Kultur ernst nimmt.

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Geschrieben von

Dr. Contra
Dr. Contra ist bürgerlich-liberaler Analyst und Kolumnist der Vossischen. Er schreibt über Machtstrukturen, digitale Souveränität und algorithmische Willkür und plädiert für Transparenz und offene Debatten.
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