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Von New York nach Berlin

New York versinkt im Hautfarben-Sozialismus. Elif Eralp verspricht Berlin fast dasselbe: ‚Ich will, dass sich die Menschen ihr Zuhause noch leisten können.‘ Klingt harmlos? So fing es in Havanna und Caracas an. Die Ost-Berliner kennen das bittere Ende. Will Berlin es wirklich wiederholen?
Von New York nach Berlin
Das klingt empathisch. Es klingt vertraut. Es klingt fast identisch mit Mamdani in New York. Und genau das macht es gefährlich.

„Hautfarben-Sozialismus“ à la Mamdani und die verlockenden Versprechen der Linken unter Elif Eralp – Warum Berlin aus der Geschichte lernen muss

Seit dem 1. Januar 2026 regiert Zohran Kwame Mamdani als 112. Bürgermeister New Yorks – der erste muslimische Amtsinhaber und ein stolzer Demokratischer Sozialist. Am 6. April 2026 legte er seinen „Preliminary Citywide Racial Equity Plan“ vor: 45 Behörden müssen künftig jede Entscheidung durch eine „racial equity lens“ filtern. Ressourcen wandern gezielt in „historisch benachteiligte“ Viertel, Steuern werden von Eigenheimbesitzern in den Außenbezirken auf „reichere und weißere“ Immobilien in Manhattan und Brooklyn verlagert. Parallel dazu das neue „True Cost of Living“-Maß: Über 60 Prozent der New Yorker sollen ihre Lebenshaltungskosten nicht mehr stemmen können. Die Antwort? Preiskontrollen, Umverteilung und mehr Staat. Kritiker sprechen von „Hautfarben-Sozialismus“.

Genau diese Rhetorik hallt jetzt auch in Berlin wider. Elif Eralp, Spitzenkandidatin der Linken für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin, formuliert es fast wortgleich: „Ich will, dass sich die Menschen ihr Zuhause auch noch leisten können. Deshalb kandidiere ich als Bürgermeisterin für Berlin.“ Als Kind aus der Türkei geflüchteter Eltern 1981 in München geboren, aufgewachsen in Dortmund und Hamburg, seit 15 Jahren Berlinerin mit Mann und zwei Kindern – sie kennt die Stadt aus erster Hand. In ihrer eigenen Biografie schreibt sie:

„Als Kind von aus der Türkei geflüchteten Eltern bin ich 1981 in München geboren. Von dort verschlug es uns nach kurzer Zeit nach Dortmund und dann nach Hamburg. Seit 15 Jahren bin ich nun Berlinerin und lebe hier mit meinem Mann und meinen beiden Kindern. Ich liebe diese Stadt mit ihren unterschiedlichen Kiezen, die alle ihre Besonderheiten haben, auch mit ihren Herausforderungen. Berlins Vielfalt macht es so lebenswert.

Wie viele Berliner*innen sehe ich aber auch, wie sich unsere Stadt verändert: S- und U-Bahnen fallen immer öfter aus, Schulgebäude müssen dringend saniert werden, das Warten auf einen Termin beim Bürgeramt kann einem den letzten Nerv kosten – aber vor allem: Es gibt kaum eine Stadt, in der die Mieten so rasant steigen. Viele Familien finden keinen ausreichenden Wohnraum für sich, andere müssen die Hälfte ihres Einkommens nur fürs Wohnen ausgeben. Auch Lebensmittel, Bus & Bahn oder der Schwimmbadbesuch werden teurer und teurer. Und so fragen sich am Ende des Monats zu viele Menschen, ob sie sich ein Stück Kuchen im Café oder einen Kino- oder Museumsbesuch noch leisten können – ob sie sich Berlin noch leisten können.

Ich möchte nicht, dass Menschen aus ihren Kiezen verdrängt werden und Berlin nur noch für die funktioniert, die nicht auf U- und S-Bahn oder öffentliche Kitas und Schulen angewiesen sind. Für die großen Immobilienkonzerne sind Wohnungen nur eine Geldanlage. Ich möchte, dass sie ein Zuhause für Menschen sind. Ich möchte ein lebens- und liebenswertes Berlin, das für alle funktioniert und bezahlbar ist und wo niemand wegen seiner Herkunft ausgegrenzt oder diskriminiert wird.“

Als Mutter, Juristin, Mieterin und Abgeordnete des Berliner Abgeordnetenhauses wirft sie dem Senat von Kai Wegner vor, „Politik für die Wohlhabenden“ zu machen. Ihr Traum: „ein Berlin für alle“. Deshalb kandidiert sie für Die Linke – für die, „die Berlin am Laufen halten und am Ende des Monats dennoch rechnen müssen“.

Das klingt empathisch. Es klingt vertraut. Es klingt fast identisch mit Mamdani in New York. Und genau das macht es gefährlich. Denn hinter der sozialen Wärme steckt dieselbe ideologische Logik: Staat als großer Gleichmacher, Umverteilung nach Gruppenzugehörigkeit statt nach individueller Leistung, und eine wachsende Skepsis gegenüber Markt und Eigentum.

Der New Yorker Versuch und seine historischen Vorläufer

Mamdani macht keine halben Sachen. Sein Plan ist kein bloßes Wohnungsprogramm – er ist eine Neuausrichtung der gesamten Stadtverwaltung nach „racial equity“. Steuern fließen nicht mehr primär nach Bedarf, sondern nach Hautfarbe und „historischer Benachteiligung“. Kritiker sehen darin den klassischen Sozialismus in neuem Gewand: nicht mehr nur Klassenkampf, sondern Hautfarben-Sozialismus.

Die Geschichte kennt dieses Rezept zur Genüge. 1959 versprach Fidel Castro auf Kuba soziale Gerechtigkeit, Enteignungen und Preiskontrollen. Aus einem der reichsten Länder Lateinamerikas wurde binnen einer Generation ein Land der Rationierungsscheine, leerer Regale und einer Million Flüchtlinge. Die gleiche Choreografie in Venezuela unter Hugo Chávez und Nicolás Maduro: „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“, Ölreichtum für die Armen, Preisstopps, Verstaatlichungen. Ergebnis: Hyperinflation, Hunger, die größte Flüchtlingswelle Lateinamerikas. Immer dieselbe Lektion: Ideologen ignorieren Anreize, Eigentumsrechte und menschliche Natur. „Diesmal ist es anders“, hieß es jedes Mal.

Mamdani und seine DSA-Anhänger haben offenbar nichts daraus gelernt. Sie glauben, mit „intersectional“-Etiketten und einer „racial equity lens“ seien die Gesetze der Ökonomie außer Kraft gesetzt.

Die Berliner Parallele – und die Ost-Erfahrung

Für Berliner, besonders für die, die die DDR noch erlebt haben, sind das keine abstrakten Geschichtsstunden. Die Ost-Berliner kennen Planwirtschaft, Mangel, staatliche Bevormundung und die Zerstörung von Leistungsanreizen aus eigener Anschauung. Die Mauer war nicht nur Beton – sie war das Symbol eines Systems, das Menschen in „gerechte“ Kategorien zwang und am Ende Wohlstand und Freiheit zerstörte. Wer 1989 auf der Mauer saß und die Trabis Richtung Westen fahren sah, hat verstanden: Sozialismus funktioniert nicht. Nicht in Ost-Berlin, nicht in Havanna und erst recht nicht, wenn er sich heute mit „Equity“ und Identitätspolitik neu verpackt.

Genau hier schließt sich der Kreis zu Elif Eralp. Ihre Forderungen nach bezahlbarem Wohnraum durch staatliche Eingriffe – Mietendeckel, Enteignungen, Umverteilung von „Luxus“- an „Sozial“-Wohnungen – erinnern fatal an die gescheiterte Berliner Mietendeckel-Politik. Auch hier wird nicht primär nach individueller Bedürftigkeit sortiert, sondern nach Gruppen und „historischer Schuld“. Der Staat als Gleichmacher – mit den bekannten Folgen: weniger Neubau, Investorenflucht, Schwarzmärkte. Die Ost-Berliner würden sagen: „Das haben wir doch schon mal gehabt.“

Die Nahost-Dimension: Pro-palästinensische Haltung und Antisemitismus-Vorwürfe in der Linken

Was den Vergleich mit Mamdani besonders brisant macht, ist die kulturell-religiöse Überlagerung. Mamdani steht als erster muslimischer Bürgermeister New Yorks unter Beschuss wegen seiner dezidiert pro-palästinensischen Linie und Vorwürfen, er validiere antisemitische Strömungen in seiner DSA-Basis. Jüdische Institutionen fühlen sich bei der Mittelvergabe benachteiligt.

Bei Elif Eralp und Die Linke ist die Lage nuancierter, aber nicht weniger heikel. Eralp selbst distanziert sich öffentlich von radikalen Positionen ihrer Partei. Im März 2026 kritisierte sie scharf einen Beschluss des niedersächsischen Landesverbands, der den „real existierenden Zionismus“ ablehnte, Israel „Genozid“ in Gaza vorwarf und „Apartheid“ attestierte. „Den jüngsten Beschluss halte ich für falsch“, sagte sie dem Spiegel. Sie betonte, dass das Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 mit über 1.200 Toten fehle, und erklärte unmissverständlich: „Für mich sind die Existenzberechtigung Israels und das Selbstbestimmungsrecht jüdischer Menschen nicht verhandelbar.“ Auch in einer Kristallnacht-Video vom November 2025 und gegenüber CDU-Vorwürfen verwahrt sie sich klar gegen Antisemitismus.

Doch die Partei als Ganze kämpft mit einem strukturellen Problem. Die Berliner Linke debattiert seit Jahren über BDS-Unterstützung, „Genozid“-Vorwürfe gegen Israel und Anti-Zionismus. Im Neuköllner Kreisverband gab es Veranstaltungen mit umstrittenen Rednern, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Parteitage werden von Anträgen überschattet, die Israel-Kritik radikalisieren. Während Eralp moderater wirkt – sie will Koalitionsfähigkeit mit SPD und Grünen –, bleibt Die Linke ein Sammelbecken für stark pro-palästinensische und antizionistische Strömungen. Kritiker werfen der Partei vor, Judenhass unter dem Deckmantel von „Anti-Imperialismus“ und „Solidarität mit Palästina“ zu dulden oder sogar zu befeuern.

Das ist die Parallele zu Mamdani: eine Fusion aus radikalem Sozialismus und identitärer Nahost-Politik, die jüdische Berliner verunsichert und das gesellschaftliche Klima spaltet. In einer Stadt mit großer jüdischer Community und einer Geschichte, die Antisemitismus besonders sensibel macht, ist das kein Nebenschauplatz. Es ist ein Risiko für den sozialen Frieden.

Was passiert, wenn Elif Eralp gewinnt?

Stellen Sie sich vor: Eralp setzt ihre Agenda durch. Mietpreisbremsen, Enteignungen, „Equity“-Programme nach Herkunft, Umverteilung von Charlottenburg und Prenzlauer Berg in „benachteiligte“ Kieze. Dazu eine Außenpolitik-adjacent Haltung, die Israel-Kritik priorisiert. Das wäre nicht nur eine Fortsetzung der Mietendeckel-Pleite. Das wäre der Import des New Yorker Experiments – mit deutscher Gründlichkeit. Kapital und Talente würden abwandern, Investitionen stocken, der Wohnungsmarkt weiter verknappen. Die Ost-Berliner, die noch die HO-Läden kennen, würden als Erste warnen: „Das endet wie immer.“

Die Geschichte reimt sich. Sozialismus 2.0 – diesmal divers, inklusiv und mit einem Hauch Halbmond statt nur Hammer und Sichel.

Der klassisch-liberale Gegenentwurf

Als klassische Liberale – Erben der Aufklärung, der 1968er-Bürgerrechtsbewegung und der friedlichen Revolution von 1989 – sagen wir: Ja, Berlin muss bezahlbar bleiben. Aber nicht durch Zwang und Gruppen-Umverteilung, sondern durch mehr Angebot, weniger Bürokratie, Respekt vor Eigentum und Leistung. Martin Luther King wollte Menschen nach ihrem Charakter, nicht nach Hautfarbe beurteilt sehen. Die Mauer fiel, weil Menschen Freiheit statt Gleichmacherei wollten. Kuba, Venezuela und die DDR zeigen, wohin der andere Weg führt.

New York unter Mamdani ist ein Warnsignal. Berlin unter einer möglichen Bürgermeisterin Eralp könnte die Bestätigung werden. Die Ost-Berliner haben aus erster Hand gelernt, dass der Sozialismus keine Zukunft hat – auch nicht, wenn er sich neu erfindet. Es wäre tragisch, wenn der Rest der Stadt diese bittere Lektion ein zweites Mal erleben müsste.

Berlin hat die Wahl: Ein lebenswertes, freies, vielfältiges Berlin für Individuen – oder ein ideologisch umgebautes Experiment, das am Ende niemanden mehr bezahlen kann.


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