Antisemitismus in Deutschland
Warum jüdische Gemeinden sich zunehmend unsicher fühlen – und weshalb neue politische Bündnisse für Spannungen sorgen
Die Lage jüdischer Gemeinden in Deutschland bleibt angespannt. Eine aktuelle Erhebung des Zentralrats der Juden zeigt: Antisemitismus ist für viele Betroffene längst Alltag geworden. Gleichzeitig sorgt eine gesellschaftspolitische Entwicklung für zusätzliche Debatten – das teilweise beobachtete Bündnis zwischen linken Gruppen und muslimischen Milieus. Doch was steckt dahinter, und warum wird es kontrovers diskutiert?
Antisemitismus wird zur „neuen Normalität“
Die Zahlen sind deutlich: 68 Prozent der befragten jüdischen Gemeinden geben an, sich heute unsicherer zu fühlen als vor dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023. Zwar ist dieser Wert im Vergleich zu 2024 leicht gesunken, bleibt aber auf hohem Niveau.
Fast jede zweite Gemeinde (46 von 102) berichtet von konkreten antisemitischen Vorfällen innerhalb eines Jahres. Dazu zählen:
- Beleidigungen und Bedrohungen
- Hasskommentare online
- Schmierereien und Sachbeschädigung
- Drohanrufe
Diese Entwicklung hat direkte Auswirkungen auf den Alltag: Viele Jüdinnen und Juden verzichten darauf, sichtbare religiöse Symbole wie die Kippa oder den Davidstern zu tragen. Eltern raten ihren Kindern teilweise sogar, ihre Identität zu verbergen.
Der Präsident des Zentralrats spricht von einer „neuen Normalität“, in der jüdisches Leben nur noch unter permanentem Schutz stattfinden kann.