BR-Skandal: Wie Medien den politischen Islam verharmlosen

BR-Skandal: Wie Medien den politischen Islam verharmlosen
Die Handyhülle des Patriarchats - Ahmet Dastan

Die Handyhülle des Patriarchats: Wie der Bayerische Rundfunk den politischen Islam als Modetrend verharmlost

Nürnberg, Mitte Juni 2026. Die Temperaturen steigen, die Sommerkleidung in den Fußgängerzonen wird knapper. Für den Bayerischen Rundfunk (BR) ist das der Aufhänger, um in einem 52-sekündigen Social-Media-Beitrag über einen vermeintlich hippen, emanzipierten „Gegentrend“ zu berichten: Modest Fashion – züchtige Mode. Schauplatz ist „LA BOUTIQUE modest fashion“ (auch bekannt unter dem Namen „Hijab Queen“) in Nürnberg, betrieben von Selda Dastan. Was wie ein harmloser Lifestyle-Bericht über ein Nischengeschäft daherkommt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ein handwerklicher Offenbarungseid des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und als brandgefährliche Normalisierung einer zutiefst frauenfeindlichen Ideologie.

Selda Dastan

Verantwortlich für diesen Beitrag zeichnen zwei Journalistinnen, bei denen man fachliche Blindheit eigentlich ausschließen müsste: die erfahrene Dokumentarfilmerin Linda Hofmeier und Nabila Abdel Aziz. Letztere hat in London und Oxford Islamwissenschaften und Sozialanthropologie studiert. Sie kennt die Codes, die Symbole und die theologischen Debatten der islamischen Welt im Detail. Umso schwerer wiegt das, was in diesen 52 Sekunden ungefiltert auf den Gebührenzahler losgelassen wird.

Das Handy-Gleichnis: Frau als Konsumgut und männlicher Besitz

Der journalistische Tiefpunkt des Beitrags wird erreicht, als der Ehemann der Ladenbesitzerin, Ahmet Dastan, vor die Kamera treten darf. Ohne jede kritische Distanz oder journalistische Einordnung durch die Redaktion erklärt er dem Publikum das islamische Kleidungsgebot:

„Im islamischen Glauben müssen Frauen sich bedeckt anziehen. Gesicht, Hände und Füße ab Knöchel sind eigentlich erlaubt. Was wichtig ist, sollte auch geschützt werden. Wie ein Handy, das mit einer Hülle geschützt wird. Eine Frau ist auch sehr wichtig, mit allen Körperteilen, und deswegen sollte eine Frau auch geschützt werden. Sie sollte kein Objekt für andere Männer sein.“

Dieser Vergleich ist keine spontane Alltagsmetapher. Das Bild der Frau als „Handy in einer Hülle“ – wahlweise auch als „eingepacktes Bonbon, auf das sich keine Fliegen setzen“ – ist ein fester Bestandteil der Standard-Propaganda fundamentalistischer und islamistischer Kreise weltweit. Es ist eine Rhetorik, die eine perfide Täter-Opfer-Umkehr betreibt und Frauen systematisch zu Objekten degradiert.

Wer die Frau mit einem Smartphone vergleicht, sagt implizit drei Dinge:

  1. Die Frau ist ein Besitztum: Ein Handy ist ein lebloser Konsumartikel. Es gehört jemandem. Der Besitzer entscheidet, wann es eingepackt, weggeschlossen oder benutzt wird.
  2. Der Mann ist ein triebgesteuertes Tier: Die Metapher unterstellt, dass Männer beim ungeschützten Anblick weiblicher Haut jegliche Impulskontrolle verlieren.
  3. Die Verantwortung liegt allein bei der Frau: Wer sein Handy ohne Hülle fallen lässt oder wem es gestohlen wird, ist wegen „Fahrlässigkeit“ selbst schuld. Übertragen auf den menschlichen Alltag bedeutet das: Eine Frau, die sich westlich, sommerlich oder freizügig kleidet, verwirkt ihren Anspruch auf Schutz und Respekt.

Das Totalversagen der journalistischen Standards

Dass der BR dieses Statement komplett uneingeordnet stehen lässt, ist ein eklatanter Verstoß gegen die im Rundfunkstaatsvertrag verankerten Pflichten zur Sachlichkeit, Ausgewogenheit und Objektivität. Hofmeier und Abdel Aziz verletzen hier das Fundament des Qualitätsjournalismus:

Das Totalversagen der journalistischen Standards
  • Fehlen jeglicher Gegenstimmen: Der Beitrag funktioniert wie ein unkritischer PR-Film für den Laden und die dahinterstehende Ideologie. Es kommen nur die Betreiber, der Ehemann und eine naive Kundin zu Wort, die den Kauf von verhüllender Kleidung ernsthaft damit begründet, sie wolle keine „kulturelle Aneignung“ betreiben. Kritische Stimmen – etwa von säkularen Migrantinnen, Ex-Musliminnen oder Frauenrechtlerinnen wie Seyran Ateş oder Ahmad Mansour, die seit Jahren vor den patriarchalen Strukturen hinter dem Verschleierungszwang warnen – werden komplett ausgeblendet.
  • Unterlassene Einordnung: Es ist die Pflicht von Journalisten, extremistische oder reaktive Rollenbilder als solche zu benennen. Ein einfacher Satz aus dem Off („Kritiker sehen in diesem Vergleich eine gefährliche Herabwürdigung von Frauen“) hätte genügt, um den journalistischen Mindeststandard zu wahren. Durch das Schweigen der Redaktion macht sich der BR die Aussage des Ehemanns implizit zu eigen.

Die fatalen Folgen für Mädchen und Frauen in Deutschland

Die Verharmlosung von Modest Fashion als bloßer Modetrend ist kein akademisches Luxusproblem, sondern hat handfeste, gefährliche Konsequenzen für das reale Leben von Mädchen und Frauen in Deutschland. Wenn öffentlich-rechtliche Medien ein solches Frauenbild normalisieren, stärken sie die reaktiven Kräfte in den Parallelgesellschaften.

In vielen von patriarchalen Ehrkulturen geprägten Vierteln deutscher Großstädte ist das Tragen des Kopftuchs oder der Abaya längst keine freiwillige Modeentscheidung mehr. Es ist das Ergebnis von massivem sozialem Druck, familiärer Nötigung und psychischer Gewalt. Junge Mädchen, die sich in diesen Milieus gegen die Verhüllung entscheiden, werden als „Huren“ diffamiert, sozial isoliert und physisch bedroht. Wenn der BR diese Kleidungsstücke als hippen Lifestyle inszeniert, fällt er genau diesen mutigen, um ihre Freiheit kämpfenden Frauen in den Rücken. Er legitimiert den Druck der Familie: „Siehst du, selbst das deutsche Fernsehen sagt, dass eine gute Frau sich wie ein Handy schützen muss.“

Der Schritt zur mentalen Freiwild-Erklärung

Die größte Sprengkraft dieser unkritischen Berichterstattung liegt jedoch in der gesellschaftlichen Verschiebung des Sicherheitsgefühls. Wenn die Prämisse „Verschleierung schützt vor den Blicken und Übergriffen der Männer“ im Mainstream akzeptiert wird, verschiebt sich die Schuldfrage bei Sexualdelikten.

Es ist eine gefährliche, schleichende Argumentationslinie, die direkt in die Barbarei führt: Wer sich westlich kleidet, provoziert. Wer im Sommer im Minirock oder Top durch den Park läuft, verhält sich wie jemand, der sein teures Smartphone offen auf dem Tisch liegen lässt. Diese Denkweise korreliert auf erschreckende Weise mit einer veränderten Kriminalitätsrealität im öffentlichen Raum. Die Polizeilichen Kriminalstatistiken (PKS) der letzten Jahre zeigen bei schweren Sexualdelikten, insbesondere bei Gruppenvergewaltigungen im öffentlichen Raum (wie den bekannten Fällen im Hamburger Stadtpark oder in Halle), eine massive Überrepräsentation von Tätern aus patriarchalisch-islamisch geprägten Herkunftsländern. Die entsprechenden PKS-Auswertungen wurden in den vergangenen Jahren wiederholt von überregionalen Medien aufgegriffen und dokumentieren eine deutliche Überrepräsentation bestimmter Herkunftsgruppen unter den Tatverdächtigen bei Gruppenvergewaltigungen.

Diese Täter bringen genau das Weltbild mit, das der Ehemann im BR-Beitrag so ungeniert formuliert: Eine unverschleierte Frau im öffentlichen Raum gilt in deren Sozialisation als ehrlos, als moralisch minderwertig – und im schlimmsten Fall als Freiwild. Wenn Medien wie der BR dieses zugrundeliegende Frauenbild nicht radikal kritisieren und dekonstruieren, sondern als harmlose Bereicherung einer multikulturellen Gesellschaft verkaufen, leisten sie einen Beitrag zur intellektuellen Rechtfertigung von Gewalt gegen Frauen. Sie bereiten den Boden dafür, dass Opfern von Massenvergewaltigungen und sexuellen Übergriffen in Zukunft wieder eine Mitschuld attestiert wird, weil sie sich nicht „schützen“ wollten.

Fazit: Gefährliche Naivität im Namen der Toleranz

Der Beitrag von Linda Hofmeier und Nabila Abdel Aziz ist ein Lehrbuchbeispiel für einen fehlgeleiteten Haltungsjournalismus, der vor lauter Sehnsucht nach Diversität die Augen vor religiösem Dogmatismus verschließt. Aus falscher Toleranz gegenüber einer Minderheit wird die Intoleranz gegenüber den universellen Frauenrechten und den hart erkämpften Werten der sexuellen Selbstbestimmung der westlichen Welt toleriert.

Es ist ein Zynismus sondergleichen: Während Frauen im Iran, in Afghanistan und in Saudi-Arabien unter Einsatz ihres Lebens ihre Schleier vom Kopf reißen und für die Freiheit sterben, sich westlich kleiden zu dürfen, feiert die ARD in Nürnberg die Re-Islamisierung des öffentlichen Raums als bunten Modetrend. Der Bayerische Rundfunk hat hier nicht nur sein handwerkliches Handwerkszeug par excellence verfehlt – er hat die Frauenrechte auf dem Altar des Multikulturalismus geopfert.

Paul Fisher

Paul Fisher

Miami Heat trifft kalte Fiskal-Wahrheit. 🌴 Ökonom & konservativer Freigeist. Ich belebe den Geist der „Vossischen“ neu: Liberal, unabhängig, kritisch. Die Polit-Bubble ohne Filter unter der Lupe. Fakten über Gefühle für das 21. Jahrhundert.
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