Block Prozess: Wenn Schweigen zur Last wird
Nach 43 Tagen ist dieser Prozess zu einer anatomischen Untersuchung einer zerbrochenen Familie geworden. Agenten, israelische Sicherheitsfirmen und prominente Zeugen bilden die Kulisse für ein Drama, in dem es am Ende keine Gewinner geben wird.
Hamburg, den 31. März 2026
Wer die Hallen des Hamburger Landgerichts in diesen Tagen betritt, spürt die Schwere eines Konflikts, der längst die Grenzen des Privaten gesprengt hat. Am 43. Prozesstag im Verfahren um die mutmaßliche Entführung der Block-Kinder standen nicht die großen Emotionen im Vordergrund, sondern die kühle Analyse polizeilicher Wahrnehmung. Es ging um die Frage, wie viel Wissen hinter einer Fassade der Unkenntnis verborgen bleiben kann.
„Nicht lebensnah“: Das Protokoll eines Neujahrstages
Im Zeugenstand nahm heute ein Kriminalbeamter Platz, der die ersten Stunden nach der dramatischen Silvesternacht 2023 rekonstruierte. Sein Fokus: Gerhard Delling, die einstige Lichtgestalt der Sportberichterstattung und Lebensgefährte der Hauptangeklagten Christina Block. Der Beamte schilderte eine Begegnung am Neujahrstag, die bereits damals von tiefem Misstrauen geprägt war.
Delling soll damals angegeben haben, den Aufenthaltsort von Christina Block und ihrer Tochter nicht zu kennen. Eine Darstellung, der der Beamte bereits vor Ort mit der Bemerkung begegnete, dies sei „nicht lebensnah“. Heute, vor den Schranken des Gerichts, wählte der Zeuge ein noch schärferes Vokabular: Er bezeichnete die damaligen Angaben des Moderators schlichtweg als „nicht glaubhaft“.
Es ist dies der Kern der Beihilfe-Anklage: Wusste das Umfeld mehr, als es den Ermittlern preisgab? Während die Verteidigung von Delling betont, dass ihr Mandant damals lediglich als Zeuge befragt wurde – ohne Hinweis auf einen Tatverdacht gegen seine Partnerin –, setzt die Staatsanwaltschaft auf das Mosaik der Indizien. Mietwagen, die nahe dem Familienhotel geortet wurden, und ein Zeitplan, der kaum Raum für Zufälle lässt.
Mosaiksteine der Schuld?
Doch nicht nur die polizeiliche Sicht belastet die Steakhaus-Erbin. Am Rande des Verfahrens gab Philip von der Meden, der Vertreter des Nebenklägers Stephan Hensel, eine deutliche Einschätzung ab. Er verwies auf die Aussage einer Nachbarin, die Christina Block dabei beobachtet haben will, wie sie unmittelbar vor der Tatnacht verdächtige Taschen in ihr Haus schaffte. Für die Seite des Vaters ist das Bild klar: „Frau Block ist nach meinem Dafürhalten überführt“, so das harsche Resümee des Anwalts.
Die Verteidigung hingegen spielt auf Zeit und Formfehler. Dr. Ingo Bott, der Vertreter von Christina Block, rügt das Vorgehen der Behörden: Hätte die Polizei die juristischen Beschlüsse zur Sorgeberechtigung korrekt gewürdigt, hätte man gewusst, dass seine Mandantin sich im Recht glaubte. Es ist das juristische Tauziehen um den „Verbotsirrtum“ und die Frage, ob eine Mutter zur Selbstjustiz greifen darf, wenn sie das Gesetz auf ihrer Seite wähnt.
Das Schweigen vor der Fortsetzung
Nach 43 Tagen ist dieser Prozess zu einer anatomischen Untersuchung einer zerbrochenen Familie geworden. Agenten, israelische Sicherheitsfirmen und prominente Zeugen bilden die Kulisse für ein Drama, in dem es am Ende keine Gewinner geben wird.
Das Verfahren wurde für heute beendet. Wenn die Roben am 14. April wieder rascheln, wird die Suche nach der Wahrheit in diesem Labyrinth aus Behauptungen und Protokollen weitergehen. Bis dahin bleibt das Bild eines Mannes, dessen Worte ein erfahrener Kriminalist als „nicht lebensnah“ einstufte – ein Urteil, das schwerer wiegt als manche Zeugenaussage.
Christina Block, Gerhard Delling, Entführungsprozess, Landgericht Hamburg, Stephan Hensel, Gerichtsreportage, Beihilfe, Kriminalfall Block, 2026.
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