Die Akte Dipama
Hamado Dipama agiert in DE als Antirassismus-Experte, hofiert in Afrika aber das Traoré-Regime, das LGBTQ-Rechte brutal unterdrückt. Wer Diktatoren feiert und die Justiz zur Einschüchterung der Presse nutzt, ist als BR-Rundfunkrat untragbar. Ein Weckruf!
Affäre Hamado Dipama: Rundfunkrat im Rollenkonflikt | BR
Der Fall Dipama: Wenn politische Aktivität und Rundfunkaufsicht kollidieren
Die Affäre um Hamado Dipama, Mitglied des Rundfunkrats des Bayerischer Rundfunk, ist kein gewöhnlicher Streit um Social-Media-Posts. Sie legt ein strukturelles Problem offen: Was passiert, wenn ein Aufseher über Medien selbst zum politischen Akteur wird – und aktiv in mediale Konflikte eingreift?
Ein Rundfunkrat mit klarer politischer Agenda
Dipama sitzt im Rundfunkrat als Vertreter der AGABY. Formal ist er unabhängig. Tatsächlich nutzt er seine öffentlichen Kanäle jedoch für eine klar erkennbare politische Linie.
Besonders deutlich wird dies mit Blick auf Burkina Faso. Dipama beschreibt die Lage dort als:
„eine Revolution“, in der sich das Land von den „Fesseln kolonialer Strukturen“ befreie.
Er wirbt aktiv für das staatlich unterstützte Thomas-Sankara-Memorial, sammelt Spenden und tritt als Ansprechpartner für Deutschland auf. Gleichzeitig dokumentiert er Kontakte zur Regierung unter Ibrahim Traoré und bedankt sich öffentlich für politische Unterstützung beim Außenminister Karamoko Jean Marie Traoré.
Das ist kein beiläufiges Engagement. Es ist politische Positionierung mit organisatorischer Konsequenz.
Angriff auf Medien: Der Fall Julia Ruhs
Die Debatte eskalierte, als Dipama die Trennung des NDR von der Journalistin Julia Ruhs kommentierte. Auf Instagram schrieb er:
„Bravo an den NDR für diese weitsichtige Entscheidung! Die Unterwanderung durch Rechte und Neofaschisten in öffentlich-rechtlichen Medien muss gestoppt werden.“
Zugleich erklärte er, Ruhs habe „keinerlei journalistische Ethik“ und betreibe „Hetze gegen Geflüchtete“.
Auch andere Medien griff er scharf an. Berichte von WELT, Nius oder Apollo News bezeichnete er als:
„rassistische Hetzkampagne“
„Desinformationskampagne“
Diese Wortwahl ist nicht nur polemisch. Sie ist eine Delegitimierung journalistischer Arbeit – ausgesprochen von jemandem, der in einem Gremium sitzt, das genau diese Arbeit überwachen soll.
Vom Post zur Anzeige
Dipama beließ es nicht bei Worten. Er ging juristisch gegen Kritiker vor und stellte Strafanzeigen wegen Beleidigung und Verleumdung.
Formal ist das sein gutes Recht. Politisch entsteht jedoch ein anderes Bild:
Ein Rundfunkrat, der
– Medien öffentlich angreift
– sie gleichzeitig juristisch verfolgt
gerät in eine Rolle, die schwer mit dem Anspruch vereinbar ist, über Ausgewogenheit und Meinungsvielfalt zu wachen.
Die Leerstelle: Schweigen zu Menschenrechtsfragen
Ein zweiter Kritikpunkt wiegt schwerer, weil er strukturell ist.
Während Dipama die politische Entwicklung in Burkina Faso aktiv positiv beschreibt, äußert er sich öffentlich nicht zu zentralen Menschenrechtsfragen – etwa zur Kriminalisierung gleichgeschlechtlicher Beziehungen seit 2025.
Gerade diese Kombination fällt auf:
– laute Positionierung bei Themen in Deutschland
– aktive Unterstützung eines politischen Narrativs im Ausland
– kein erkennbares öffentliches Einordnen kritischer Entwicklungen dort
Das ist kein Beweis für Zustimmung. Aber es ist ein sichtbares Ungleichgewicht in der politischen Kommunikation.
Der BR zieht sich zurück – und kann es auch
Der Bayerischer Rundfunk reagiert erwartbar:
– keine Kommentierung privater Aussagen
– Hinweis auf die Unabhängigkeit des Rundfunkrats
– keine Eingriffsmöglichkeiten
Das ist rechtlich korrekt – und gleichzeitig politisch folgenlos.
Denn: Der BR kann Dipama nicht abberufen. Das könnte nur die AGABY, die ihn entsandt hat. Dort wird er bislang verteidigt.
Politische Reaktionen: erwartbar polarisiert
Die Reaktionen spiegeln die politische Landschaft:
– Die AfD fordert seinen Rücktritt
– Stimmen aus der CSU sprechen von einem „doppelten Maßstab“
– Unterstützer sehen in der Kritik eine gezielte Kampagne gegen einen unbequemen Aktivisten
Diese Fronten helfen wenig. Sie verschieben die Debatte in bekannte Lager – und verdecken das eigentliche Problem.
Das eigentliche Problem: Ein System ohne Korrektiv
Der Fall zeigt eine strukturelle Schwäche:
– Rundfunkräte sind politisch legitimiert
– aber nicht klar an Verhaltensstandards gebunden
– und praktisch keiner laufenden Bewertung unterworfen
Das Ergebnis ist eine Grauzone:
Ein Rundfunkrat kann gleichzeitig
– politischer Aktivist
– Akteur in Medienkonflikten
– und Teil eines Kontrollgremiums sein
ohne dass klar geregelt ist, wo die Grenze verläuft.
Fazit: Kein Einzelfall, sondern ein Warnsignal
Der Fall Dipama ist nicht deshalb relevant, weil hier eindeutig gegen Regeln verstoßen wurde. Er ist relevant, weil er zeigt, dass die bestehenden Regeln nicht ausreichen, um solche Konflikte sauber zu lösen.
Die entscheidende Frage lautet:
Wie viel politische Parteinahme verträgt ein Gremium, das Vertrauen in die Ausgewogenheit der Medien sichern soll?
Solange diese Frage unbeantwortet bleibt, wird jeder neue Fall zur gleichen Debatte führen – und jedes Mal wird das System aufs Neue improvisieren müssen.
Das Ende der Naivität
Der Fall Hamado Dipama markiert einen Wendepunkt in der deutschen Debatte über Integration und politische Teilhabe. Er zwingt uns, die unbequeme Frage zu stellen: Wie geht eine liberale Gesellschaft mit Akteuren um, welche die Werkzeuge der Freiheit nutzen, um politische Positionen zu vertreten, die in Spannung zu den Grundprinzipien dieser Ordnung stehen? Dipama ist kein isoliertes Phänomen; er ist das Ergebnis eines Systems, das Wohlwollen oft über Wachsamkeit gestellt hat.
Die bürgerlich-liberale Mitte muss erkennen, dass „Toleranz“ kein Freibrief für Intoleranz sein darf. Die Kombination aus aktiver politischer Unterstützung der Führung in Burkina Faso unter Ibrahim Traoré und dem Ausbleiben öffentlicher Kritik an problematischen Entwicklungen wirft Fragen nach politischer Konsistenz auf. In einer globalisierten Welt endet die Verantwortung für die Freiheit nicht an den Landesgrenzen – erst recht nicht für jemanden, der in Deutschland als Experte für Antidiskriminierung auftritt.
Die notwendigen Schritte für die Zukunft sind klar umrissen:
Institutionelle Hygiene: Die Entsendungsregeln für staatliche Gremien wie den Rundfunkrat müssen reformiert werden. Es braucht einen verbindlichen Kodex, der die Unterstützung autoritärer Regime und die Missachtung zentraler Grundrechte als Ausschlusskriterium stärker berücksichtigt.
Schutz der Pressefreiheit: Die Justiz muss Mechanismen entwickeln, um missbräuchliche Einschüchterungsklagen (SLAPPs) schneller zu erkennen und abzuweisen, damit Journalisten nicht zum Ziel politisch motivierter Zermürbungstaktiken werden.
Rechtssichere Konsequenzen: Die Debatte über mögliche rechtliche Konsequenzen bei nachweislich schwerer Verletzung grundlegender Loyalitätspflichten gegenüber der freiheitlich-demokratischen Grundordnung muss sachlich und ohne ideologische Scheuklappen geführt werden.
Hamado Dipama hat mit seinem Agieren die Grenzen des Zumutbaren verschoben. Er hat gezeigt, dass man in Deutschland gleichzeitig als Opfer struktureller Diskriminierung auftreten und als politischer Unterstützer eines autoritär regierten Systems agieren kann. Diesen Widerspruch aufzulösen, ist die Aufgabe einer wehrhaften Demokratie. Der Schutz unserer Institutionen beginnt dort, wo wir aufhören, die Augen vor offenkundigen Spannungen und Inkonsistenzen zu verschließen.
Die Akte Dipama ist somit nicht nur ein Dossier über einen Aktivisten – sie ist ein Anstoß für eine überfällige Debatte darüber, wie die Integrität demokratischer Institutionen in einer zunehmend politisierten Öffentlichkeit gesichert werden kann.