Die Hamas als Vorbild: Die Spur führt in Wiener und deutsche Moscheevereine
In Wiener Moscheen wird die Hamas zum Vorbild erklärt, in Brandenburg führte die Spur zu einem verbotenen Verein. In Biel verhinderten Behörden den Auftritt eines Salafisten. Die Recherche zeigt, wie Prediger und Funktionäre islamistische Ideologie verbreiten und auch Jugendliche gezielt ansprechen.
Die Hamas erscheint in Europa auch als pädagogisches Vorbild. In Predigten, Jugendangeboten und sozialen Netzwerken wird ihr Kampf zur Haltung erklärt: standhaft sein, männlich sein, für die vermeintlich gemeinsame Sache einstehen. Wer nach konkreten Einrichtungen sucht, stößt auf einen Wiener Moscheeverein und ein inzwischen verbotenes islamisches Zentrum in Brandenburg.
Die deutlichste Spur führt zur Islamischen Vereinigung in Österreich (IVÖ) und ihrer Hidaya-Moschee in Wien. Die Dokumentationsstelle Politischer Islam untersuchte Predigten des Imams Ibrahim al-Demerdash, Beiträge von Funktionären und Bestände der Moscheebibliothek. Ihr Befund: Hamas und Muslimbruderschaft werden als Träger einer besonderen „Mannhaftigkeit“ dargestellt. Die Hamas erscheint als Vorbild für Muslime weltweit – ausdrücklich auch für die Jugend. Damit wird eine Terrororganisation zum Orientierungspunkt religiöser Erziehung. DPI-Studie, 2022
Die Studie beschreibt außerdem personelle Verbindungen zum Wiener Verein Alrisalah – Verein für Familie und Jugend, der die gleichnamige Moschee betreibt. Funktionäre übernahmen Aufgaben in beiden Vereinen. Das eröffnet einen weiteren Rechercheansatz: Welche Personen prägen diese Einrichtungen, welche Inhalte verbreiten sie, und welches Publikum erreichen sie? Der Hidaya-Imam bestritt gegenüber der IGGÖ, die Hamas in seinen Predigten erwähnt zu haben. Dem stehen die in der Studie dokumentierten Passagen gegenüber. DPI-Studie, STANDARD, November 2023
In Deutschland führt die Spur nach Fürstenwalde. Das Islamische Zentrum Fürstenwalde al-Salam e. V., Betreiber der al-Salam-Moschee, wurde im September 2024 verboten. Das Brandenburger Innenministerium dokumentierte Werbung für die als Hamas-Spendensammelorganisation eingestuften „Barmherzigen Hände“, antisemitische Inhalte und Jugendveranstaltungen, in denen die demokratische Volkssouveränität einer göttlichen Gesetzgebung untergeordnet wurde. Hier trafen religiöse Gemeindearbeit, politische Indoktrination und Werbung für ein Hamas-Unterstützungsnetzwerk aufeinander. Das Ministerium bekräftigte diese Verbindungen im Juni 2026. Innenministerium Brandenburg: Vereinsverbot, Mitteilung von 2026
In der Schweiz ist die Zemzem-Moschee in Biel ein konkreter Ansatzpunkt für weitere Nachforschungen. Dort sollte im März 2024 der salafistische Prediger Abu Alia al-Yunani auftreten. Die Behörden verhinderten den Auftritt und brachten ihn an die deutsche Grenze zurück. Laut Berichterstattung hatte er bei Ansaar International mitgewirkt, dem in Deutschland verbotenen Verein, der terroristische Organisationen unterstützte. Die Moscheeleitung war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Wer ihn eingeladen hatte und welche Kontakte dahinterstanden, blieb damit öffentlich unbeantwortet. Eine eigene Hamas-Unterstützung der Zemzem-Moschee ist durch diesen Vorgang nicht belegt. Blick, März 2024
Fellhofers Hinweis auf Fitness, Männlichkeitsbilder und traditionelle Frauenrollen beschreibt die Anschlussfähigkeit solcher Milieus. Die Ansprache setzt bei alltäglichen Bedürfnissen an: Gemeinschaft, Anerkennung, Orientierung und Entlastung. Über diese Angebote können islamistische Akteure ein Gesellschaftsbild vermitteln, das Unterordnung verlangt und demokratische Freiheiten abwertet. Die Dokumentationsstelle beschreibt diese zielgruppengerechte Werbung ausdrücklich. Dass die hier genannten Moscheevereine selbst die angesprochenen Lauftrainings organisieren, ist bisher nicht belegt. DPI, September 2026
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