Aus Tradition Bürgerlich Liberal - Unabhängig im Urteil. Klar für Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat

Die Rote Lachnummer

DIE ROTE LACHNUMMER – AUSGABE NR. 5

Berlin soll zum roten Leuchtturm werden. Doch das neue ZDF-Politbarometer zeigt: 56 Prozent der Deutschen beurteilen eine mögliche rot-grün-rote Landesregierung negativ. Die rote Lachnummer über politische Strahlkraft und ein Publikum, das lieber den Kurs ändert.

DIE ROTE LACHNUMMER – AUSGABE NR. 5
56 Prozent sehen Rot-Grün-Rot in Berlin kritisch. Schwerdtner träumt vom roten Leuchtturm. Die rote Lachnummer, Folge 5.

POLITISCHE SATIRE | DIE VOSSISCHE

Aktueller Anlass: Das ZDF-Politbarometer vom 23. Oktober bringt der Berliner Linken eine bemerkenswerte Nachricht. Während Ines Schwerdtner Berlin zu einem Vorbild linker Politik machen möchte, beurteilen 56 Prozent der bundesweit Befragten eine mögliche rot-grün-rote Landesregierung negativ. Unter SPD-Anhängern sind es 42 Prozent. Die Zahlen stammen aus einer repräsentativen Befragung von 1.225 Wahlberechtigten vom 20. bis 22. Oktober. ZDF Presseportal


Der rote Leuchtturm blinkt – Deutschland schaut weg!

Ines Schwerdtner träumt vom roten Berlin als Vorbild für die Republik. Das neue ZDF-Politbarometer liefert dazu die passende Außenbeleuchtung: 56 Prozent finden die Aussicht schlecht. Die Revolution hat offenbar ein Reichweitenproblem.

Wenn die Revolution eine Bedienungsanleitung braucht

Berlin soll ein roter Leuchtturm werden.

Das jedenfalls ist die Vorstellung von Ines Schwerdtner. Die Hauptstadt, bislang vor allem bekannt für ihre besondere Interpretation von Verwaltungsabläufen, soll künftig ganz Deutschland zeigen, wie linke Politik funktioniert.

Eine schöne Vorstellung.

Leuchttürme stehen bekanntlich dort, wo es gefährlich werden könnte. Sie warnen vor Untiefen, Felsen und gelegentlich vor politischen Experimenten, deren Finanzierung noch Gegenstand wissenschaftlicher Spekulation ist.

Nun hat das ZDF nachgefragt, was die Deutschen von einer rot-grün-roten Regierung unter Führung der Linken halten.

Das Ergebnis ist ausgesprochen maritim.

56 Prozent finden die Aussicht schlecht. 26 Prozent finden sie gut. 16 Prozent ist es gleichgültig.

Damit verfügt der neue Leuchtturm bereits vor seiner Errichtung über ein erstaunliches Problem: Die meisten befragten Beobachter möchten lieber nicht in seine Richtung fahren.

Natürlich ist das keine Abstimmung über die Berliner Regierung. Befragt wurden Wahlberechtigte in ganz Deutschland, nicht ausschließlich Berliner. Und entschieden wird über die Landesregierung im Berliner Abgeordnetenhaus.

Aber Schwerdtner möchte ja gerade über Berlin hinausstrahlen.

Da ist es einigermaßen interessant, wie das Licht ankommt.

Besonders reizvoll sind die Zahlen der möglichen Koalitionspartner.

Unter den bundesweit befragten SPD-Anhängern finden 42 Prozent die Aussicht auf das Bündnis schlecht. Bei den Grünen-Anhängern sind es immerhin 26 Prozent.

Das ist politische Begeisterung in ihrer fortgeschrittenen Form.

Die SPD erklärt sich in Berlin bereit, bei einem Vorhaben mitzumachen, das mehr als vier von zehn ihrer bundesweiten Anhänger kritisch sehen. Die Grünen sind ebenfalls dabei.

Man könnte das als mutige Führung bezeichnen.

Oder als Fortsetzung der politischen Tradition, dem eigenen Publikum gelegentlich etwas völlig anderes vorzusetzen, als es bestellt hat.

Die Linke wiederum hat bei der Berliner Wahl tatsächlich gewonnen. Mit 25,7 Prozent wurde sie stärkste Kraft. Das verdient Anerkennung als demokratisches Wahlergebnis.

Aber aus einem Viertel der Stimmen wird noch kein bundesweiter gesellschaftlicher Konsens.

Ein Leuchtturm kann schließlich auch dann hell strahlen, wenn auf dem Meer niemand seine Begeisterung teilt.

Dabei ist die Berliner Regierungsbildung noch nicht einmal abgeschlossen.

Die SPD hat zugestimmt, die Grünen ebenfalls. Die Linke muss ihre Entscheidung über Koalitionsverhandlungen noch treffen.

Es existiert also noch keine neue Regierung, aber schon eine bundesweite Umfrage über ihre mögliche Existenz.

Berlin hat damit eine bemerkenswerte politische Innovation geschaffen: Die Regierung wird bereits diskutiert, bevor sie überhaupt vereinbart wurde.

Vielleicht sollte die Linke diese Entwicklung konsequent nutzen.

Eine Regierung ließe sich zunächst vollständig auf Papier entwerfen. Anschließend würde man ihre Maßnahmen ankündigen, ihre Erfolge feiern und schließlich die Bevölkerung befragen, ob sie mit den Ergebnissen zufrieden sei.

Das hätte einen entscheidenden Vorteil.

Niemand müsste tatsächlich regieren.

Denn Regieren verlangt Antworten auf unangenehme Fragen. Wer bezahlt? Wer setzt um? Was geschieht, wenn ein Versprechen an der Realität scheitert?

Für einen Leuchtturm sind solche Details zweitrangig.

Er muss vor allem leuchten.

Und so wartet Deutschland auf das große rote Signal aus Berlin.

Vielleicht funktioniert es ja. Vielleicht wird die Hauptstadt tatsächlich zum Vorbild.

Bis dahin bleibt eine kleine Schwierigkeit.

Wenn 56 Prozent beim Anblick des roten Leuchtturms lieber den Kurs ändern möchten, sollte die Linke vielleicht zunächst prüfen, ob sie ein Zukunftssignal errichtet – oder eine Warnleuchte.

Diesen Artikel teilen
Teilen

Geschrieben von

Cilla Zielinski
Cilla Zielinski ist Medizinerin und Feuilletonistin. Sie schreibt an der Schnittstelle von Wissenschaft, Design und Kultur und analysiert gesellschaftliche Trends mit präzisem, nüchternem Blick.

Als nächstes lesen

Die Linke: Radikalisierung als Gefahr für die Demokratie

Die Linke: Radikalisierung als Gefahr für die Demokratie

Stalin-Verklärung in der Linksjugend, Antisemitismusvorwürfe und Ines Schwertdtners umstrittene Aussagen: Wie linke Radikalisierung, moralische Selbstgerechtigkeit und politische Infantilität unsere Demokratie gefährden.
Von Cilla Zielinski •