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Die Rote Lachnummer

DIE ROTE LACHNUMMER – FOLGE 12

Die Linke empört sich über die SPIEGEL-Enthüllung zu Elif Eralp und erwägt rechtliche Schritte. Doch während die Führung die Presse kritisiert, mobilisieren parteinahe Gruppen gegen den eigenen Kurs. Eine Satire über Politik, Pressefreiheit und den Versuch, den Spiegel abzuhängen. Vor dem Parteitag.

DIE ROTE LACHNUMMER – FOLGE 12
Die Linke kritisiert den SPIEGEL und prüft rechtliche Schritte. Zugleich protestieren eigene Gruppen gegen Eralp. Die rote Lachnummer aus Berlin.

Politische Zeitungssatire | Die Vossische

Aktueller Anlass, 29.–30. Oktober 2026: Nach der Veröffentlichung interner Anmerkungen von Elif Eralp durch den SPIEGEL kritisiert die Linken-Führung das Nachrichtenmagazin und prüft rechtliche Schritte. Gleichzeitig mobilisieren Gruppen aus dem Umfeld der Berliner Linken gegen den Kurs der eigenen Parteispitze. Der Landesparteitag am Samstag dürfte damit ausgesprochen ungemütlich werden. epd medien

Die Linke will den SPIEGEL abhängen!

Elif Eralps interne Sorgen werden öffentlich. Die Parteiführung empört sich über die Presse und denkt über juristische Schritte nach. Doch während sie den SPIEGEL bekämpft, organisieren eigene Genossen bereits den nächsten Protest. Eine Revolution mit bemerkenswerten Schwierigkeiten bei der Selbstbetrachtung.

Die Revolution braucht einen Spiegelputzer

Die Linke hat ein ernstes Problem mit einem Spiegel. Nicht mit dem im Badezimmer. Mit dem aus Hamburg. Er zeigt etwas, das die Partei lieber hinter der Garderobentür gelassen hätte: die eigenen Widersprüche.

Am Donnerstag berichtete der SPIEGEL über interne Anmerkungen aus einem Interview mit Elif Eralp. Ihr Büro hatte die Kommentare offenbar versehentlich bei der Autorisierung mitgeschickt. Darin äußerte die mögliche künftige Regierende Bürgermeisterin Sorgen um ihre Familie, falls sie sich ausdrücklich zu einem umstrittenen Aktivisten mit berichteten Kontakten zum Hamas-Umfeld äußere.

Das ist zunächst kein Anlass zum Lachen. Wer bedroht wird, hat Anspruch auf Schutz. Auch Politikerinnen der Linken. Eralp sagt, sie orientiere sich am Rat von Sicherheitsbehörden und wäge ihre Worte entsprechend ab.

Komisch wird die Geschichte erst dort, wo die Partei ihre politische Verteidigung organisiert.

Die Bundesvorsitzenden kritisieren den SPIEGEL. Bodo Ramelow spricht von niederträchtigem Journalismus. Die Berliner Fraktion prüft rechtliche Schritte und eine Beschwerde beim Presserat. Eine eingereichte Klage ist bisher nicht belegt.

Die revolutionäre Lösung lautet also: Wenn ein Bericht unangenehme Fragen aufwirft, bestellt man zunächst die Medienrechtler.

Nun ist eine Beschwerde beim Presserat selbstverständlich erlaubt. Auch Journalisten dürfen Fehler machen. Ein Medienanwalt sieht bei Teilen der Veröffentlichung sogar juristische Probleme. Nur beantwortet das noch keine der politischen Fragen, die der Bericht aufwirft.

Wer hat in der Partei Kontakt zu welchen Aktivisten? Wo zieht sie die Grenze zwischen Israelkritik und der Verharmlosung von Terror? Und wie soll eine künftige Regierungschefin die Sicherheit Berlins gewährleisten, wenn sie sich im eigenen politischen Umfeld nicht frei genug fühlt, konkrete Namen anzusprechen?

Statt diese Fragen auszuräumen, kämpft ein Teil der Linken nun gegen den Überbringer.

Das könnte funktionieren, wenn nicht ausgerechnet andere Genossen gleichzeitig die eigentliche Pointe liefern würden.

Vor dem Landesparteitag am Samstag mobilisieren propalästinensische Gruppen gegen die eigene Parteiführung. Auch die Landesarbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität gehört laut rbb zum Kreis der Protestaufrufer. Ein von ihr mitveröffentlichter Beitrag verteidigt nach Recherchen der Ruhrbarone den fraglichen Aktivisten und stellt Eralps Angst infrage.

Drinnen soll über den Weg ins Rote Rathaus gesprochen werden. Draußen demonstrieren Menschen aus dem eigenen politischen Umfeld gegen diesen Kurs.

Das ist die seltene Situation, in der eine Partei gleichzeitig Regierungsfähigkeit beweisen, ihre Spitzenkandidatin schützen, ihre inneren Konflikte befrieden und der Presse erklären möchte, worüber diese besser nicht berichtet hätte.

Vielleicht sollte die Linke dafür eine neue Arbeitsgemeinschaft gründen: die AG Wirklichkeitskontrolle. Sie tagt ausschließlich bei zugezogenen Vorhängen. Unangenehme Nachrichten werden zur Prüfung an den Presserat weitergeleitet. Die Parteibasis erhält währenddessen eine Einladung zur Demonstration gegen die Parteispitze.

Für die Berliner wäre dieses Verfahren immerhin vertraut. Sie kennen Behörden, die Zuständigkeiten weiterreichen, bis niemand mehr weiß, wo die Akte liegt. Die Linke verspricht den Bruch mit diesem System und demonstriert schon jetzt dessen perfekte Beherrschung: Zuständig für das Problem ist vorläufig die Redaktion.

Am Freitag waren beim Presserat elf Beschwerden eingegangen, nach Angaben des Gremiums zunächst keine von Eralp selbst. Der SPIEGEL verteidigt seine Entscheidung. Was presserechtlich zulässig war, ist damit nicht entschieden.

Die politische Frage aber bleibt selbst dann bestehen, wenn die Linke juristisch gewinnen sollte.

Sie will nicht nur Zeitungsartikel korrigieren. Sie will Berlin regieren.

Und eine Millionenstadt hat einen entscheidenden Nachteil gegenüber einer Interviewfassung: Man kann die unangenehmen Stellen nicht einfach zur Autorisierung zurückschicken.

Der SPIEGEL lässt sich vielleicht abhängen.

Hinter ihm steht allerdings schon der nächste Genosse – mit einem Protestplakat.

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Geschrieben von

Cilla Zielinski
Cilla Zielinski ist Medizinerin und Feuilletonistin. Sie schreibt an der Schnittstelle von Wissenschaft, Design und Kultur und analysiert gesellschaftliche Trends mit präzisem, nüchternem Blick.

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