Die Wohlstandsblase heult mit dem Wolf
Es ist eine gefährliche Form der Realitätsverweigerung. Wer den Jungfernstieg zum Biotop für Spitzenprädatoren umdeuten will, hat nicht nur den Kontakt zur Natur verloren, sondern auch jegliches Gespür dafür, was eine funktionierende, sichere Stadt ausmacht.
Von der Realität entkoppelt: Wenn das Alsterhaus zum Jagdrevier verklärt wird
Man fragt sich unweigerlich: Haben wir in dieser Stadt eigentlich keine anderen Sorgen mehr? Die Mahnwache für den „Wolf vom Jungfernstieg“ ist das ultimative Symbol einer satten, naturfernen Gesellschaft, die sich in ihrer wohlbehüteten Urbanität so sehr langweilt, dass sie die Grenze zwischen Disney-Fantasie und biologischer Realität komplett verloren hat.
Einen Wolf im Beton-Dschungel zwischen Apple Store, Alsterhaus und U-Bahn-Schächten „schützen“ zu wollen, ist kein Tierschutz – es ist ökologischer Analphabetismus. Ein Raubtier, das sich in die eng bebauten Schluchten der Innenstadt verirrt, leidet unter Dauerstress, Lärm und Lebensgefahr. Wer fordert, dass ein solches Tier dort „bleiben“ darf, sorgt sich nicht um das Wohl des Wolfes, sondern pflegt lediglich sein eigenes moralisches Ego in der Instagram-Story.
Diese Proteste sind das Ergebnis einer tiefsitzenden Wohlstandsblase. Hier treffen Menschen, die Natur nur noch aus hochwertig produzierten Dokumentationen kennen, auf die harte Realität eines Wildtieres, das schlichtweg einen Lebensraum braucht, der nicht aus Asphalt und Schaufenstern besteht. Dass nun sogar die Grünen und der NABU unter Beschuss geraten, weil sie – ausnahmsweise – den gesunden Menschenverstand walten lassen und das Tier aus einer lebensfeindlichen Umgebung entfernt haben, zeigt, wie radikal sich Teile dieser Bewegung von jeglicher Sachlichkeit verabschiedet haben.
Es ist eine gefährliche Form der Realitätsverweigerung. Wer den Jungfernstieg zum Biotop für Spitzenprädatoren umdeuten will, hat nicht nur den Kontakt zur Natur verloren, sondern auch jegliches Gespür dafür, was eine funktionierende, sichere Stadt ausmacht. Der Wolf gehört in die Freiheit, in Wälder und weite Landschaften – und sicher nicht in die Schlange vor dem Designerladen.
Wer das nicht versteht, sollte dringend die eigene Blase verlassen und sich fragen, ob die Empathie für das Tier nicht dort aufhört, wo dessen Quälerei durch erzwungene Urbanität beginnt.
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