Bürgerlich-liberale Zeitung

Jonathan Falk legt mit „Feindbild AfD – Wenn der politische Gegner zum Staatsfeind erklärt wird“ eine vollständig überarbeitete und erweiterte Neuausgabe seines 2025 erschienenen Buches vor. Das Ergebnis ist keine Verteidigungsschrift für die AfD, sondern eine unbequeme Untersuchung darüber, was geschieht, wenn Politik, Medien und Institutionen beginnen, Opposition nicht mehr nur zu kritisieren, sondern als Gefahr zu behandeln.

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Feindbild AFD

Das Cover gibt die Richtung vor. Über dem Porträt des AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund steht auf einem SPIEGEL-Titel: „Der gefährlichste Mann Deutschlands“. Darüber wiederum Falks Titel: „Feindbild AfD“ und die entscheidende Ergänzung: „Wenn der politische Gegner zum Staatsfeind erklärt wird.“

Damit ist die zentrale Frage des Buches bereits formuliert.

Nicht: Darf man die AfD kritisieren?

Selbstverständlich darf man das. Und Falk macht daraus auch kein Geheimnis. Parteien, Kandidaten und politische Programme müssen journalistisch geprüft werden. Radikale Aussagen müssen benannt, falsche Behauptungen widerlegt und verfassungsrechtlich problematische Forderungen untersucht werden.

Die interessantere Frage lautet für Falk jedoch: Was passiert, wenn aus dieser Kontrolle eine politische Rollenverteilung entsteht – hier die Demokraten, dort der Feind?

Ein Buch über die AfD – und noch mehr über ihre Gegner

Gerade darin liegt die Stärke der neuen Ausgabe.

Falk betrachtet nicht nur die Partei, sondern das politische Ökosystem um sie herum: Medien, Verfassungsschutz, Parteiverbotsdebatten, NGOs, Demonstrationen, politische Konkurrenten und die zunehmend moralisch aufgeladene Sprache im Umgang mit einer Partei, die gleichzeitig von Millionen Bürgern gewählt wird.

Ein Satz aus dem Buch bringt das Problem besonders präzise auf den Punkt:

„Je stärker ein Medium versucht, beim Leser eine politische Schlussfolgerung zu erzeugen, desto stärker macht es sich selbst zum Bestandteil des politischen Konflikts.“

Das ist keine Nebenthese. Es ist der Kern des Buches.

Am Beispiel des SPIEGEL-Titels über Siegmund zeigt Falk, wie sich eine journalistische Warnung in ihr Gegenteil verkehren kann. Der AfD-Politiker verbreitete das Cover selbst, signierte Exemplare und machte die negative Zuschreibung zum Beleg seiner eigenen politischen Bedeutung.

Die Gegner liefern damit unter Umständen genau das Material, aus dem die AfD ihre Erzählung vom politischen Establishment konstruiert.

Falk formuliert es noch knapper:

„Aus der Frage nach ihren Positionen wird dann die Frage nach ihren Gegnern.“

Keine AfD-Werbeschrift

Wer eine Lobeshymne auf die AfD erwartet, dürfte überrascht werden.

Das Buch fordert gerade mehr konkrete Kritik, nicht weniger.

Statt einen Kandidaten pauschal als gefährlich zu etikettieren, sollten Journalisten fragen: Was fordert er tatsächlich? Welche Aussagen sind belegt? Was wäre politisch umsetzbar? Wo entstehen verfassungsrechtliche Probleme? Welche Behauptungen halten einer Faktenprüfung nicht stand?

Das ist journalistisch anspruchsvoller als die Einteilung der politischen Welt in Gut und Böse.

Und genau deshalb trifft Falk einen empfindlichen Punkt.

Eine Demokratie muss sich gegen tatsächliche Verfassungsfeinde verteidigen können. Gleichzeitig darf die Feststellung, wer als demokratischer Konkurrent und wer als Feind des Systems gilt, nicht zu einem politischen Instrument werden.

Die Neuausgabe kommt zum richtigen Zeitpunkt

Die Ausgabe 2026 ist keine bloße Neuauflage. Falk hat das 2025 erschienene Buch vollständig überarbeitet und erheblich erweitert.

Seitdem hat sich die politische Lage weiter zugespitzt: neue Verbotsforderungen, die Rolle des Verfassungsschutzes, die mediale Behandlung von AfD-Kandidaten und eine immer härtere Diskussion darüber, wie mit einer starken Oppositionspartei umzugehen ist.

Damit erscheint das Buch zu einem Zeitpunkt, an dem seine Grundfrage kaum aktueller sein könnte:

Wie viel politische Ausgrenzung verträgt eine Demokratie, bevor sie selbst beginnt, ihre demokratischen Prinzipien zu beschädigen?

Man muss Falks Schlussfolgerungen nicht in jedem Punkt teilen, um das Buch lesenswert zu finden.

Im Gegenteil: Gerade Leser, die der AfD kritisch gegenüberstehen, dürften darin einige unangenehme Fragen finden.

Denn „Feindbild AfD“ handelt letztlich weniger davon, ob man die AfD mögen soll.

Es handelt davon, welche Regeln eine Demokratie auch dann einhalten muss, wenn sie mit politischen Kräften konfrontiert ist, die große Teile der Gesellschaft ablehnen.

Fazit

„Feindbild AfD – Wenn der politische Gegner zum Staatsfeind erklärt wird“ ist ein provokantes, streitbares und hochaktuelles politisches Sachbuch.

Seine stärkste Leistung besteht darin, eine einfache Frage zu stellen, die in der aufgeheizten deutschen Debatte erstaunlich selten gestellt wird:

Wer kontrolliert eigentlich die Kontrolleure?

Bewertung: 9/10

Jonathan Falk
Feindbild AfD – Wenn der politische Gegner zum Staatsfeind erklärt wird
Vollständig überarbeitete und erweiterte Ausgabe 2026
Erich Reiss Publishing
Erscheinung: 3. September 2026

Feindbild AfD – Demokratie auf dem Prüfstand

Wann wird aus politischer Gegnerschaft ein Fall für den Staat? Feindbild AfD untersucht Verfassungsschutz, Medienmacht und gesellschaftliche Ausgrenzung – eine demokratische Prüfung über Macht, Opposition und die Belastbarkeit der deutschen Demokratie.

Jonathan Falk legt mit „Feindbild AfD – Wenn der politische Gegner zum Staatsfeind erklärt wird“ eine vollständig überarbeitete und erweiterte Neuausgabe seines 2025 erschienenen Buches vor. Das Ergebnis ist keine Verteidigungsschrift für die AfD, sondern eine unbequeme Untersuchung darüber, was geschieht, wenn Politik, Medien und Institutionen beginnen, Opposition nicht mehr nur zu kritisieren, sondern als Gefahr zu behandeln.

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Feindbild AFD

Das Cover gibt die Richtung vor. Über dem Porträt des AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund steht auf einem SPIEGEL-Titel: „Der gefährlichste Mann Deutschlands“. Darüber wiederum Falks Titel: „Feindbild AfD“ und die entscheidende Ergänzung: „Wenn der politische Gegner zum Staatsfeind erklärt wird.“

Damit ist die zentrale Frage des Buches bereits formuliert.

Nicht: Darf man die AfD kritisieren?

Selbstverständlich darf man das. Und Falk macht daraus auch kein Geheimnis. Parteien, Kandidaten und politische Programme müssen journalistisch geprüft werden. Radikale Aussagen müssen benannt, falsche Behauptungen widerlegt und verfassungsrechtlich problematische Forderungen untersucht werden.

Die interessantere Frage lautet für Falk jedoch: Was passiert, wenn aus dieser Kontrolle eine politische Rollenverteilung entsteht – hier die Demokraten, dort der Feind?

Ein Buch über die AfD – und noch mehr über ihre Gegner

Gerade darin liegt die Stärke der neuen Ausgabe.

Falk betrachtet nicht nur die Partei, sondern das politische Ökosystem um sie herum: Medien, Verfassungsschutz, Parteiverbotsdebatten, NGOs, Demonstrationen, politische Konkurrenten und die zunehmend moralisch aufgeladene Sprache im Umgang mit einer Partei, die gleichzeitig von Millionen Bürgern gewählt wird.

Ein Satz aus dem Buch bringt das Problem besonders präzise auf den Punkt:

„Je stärker ein Medium versucht, beim Leser eine politische Schlussfolgerung zu erzeugen, desto stärker macht es sich selbst zum Bestandteil des politischen Konflikts.“

Das ist keine Nebenthese. Es ist der Kern des Buches.

Am Beispiel des SPIEGEL-Titels über Siegmund zeigt Falk, wie sich eine journalistische Warnung in ihr Gegenteil verkehren kann. Der AfD-Politiker verbreitete das Cover selbst, signierte Exemplare und machte die negative Zuschreibung zum Beleg seiner eigenen politischen Bedeutung.

Die Gegner liefern damit unter Umständen genau das Material, aus dem die AfD ihre Erzählung vom politischen Establishment konstruiert.

Falk formuliert es noch knapper:

„Aus der Frage nach ihren Positionen wird dann die Frage nach ihren Gegnern.“

Keine AfD-Werbeschrift

Wer eine Lobeshymne auf die AfD erwartet, dürfte überrascht werden.

Das Buch fordert gerade mehr konkrete Kritik, nicht weniger.

Statt einen Kandidaten pauschal als gefährlich zu etikettieren, sollten Journalisten fragen: Was fordert er tatsächlich? Welche Aussagen sind belegt? Was wäre politisch umsetzbar? Wo entstehen verfassungsrechtliche Probleme? Welche Behauptungen halten einer Faktenprüfung nicht stand?

Das ist journalistisch anspruchsvoller als die Einteilung der politischen Welt in Gut und Böse.

Und genau deshalb trifft Falk einen empfindlichen Punkt.

Eine Demokratie muss sich gegen tatsächliche Verfassungsfeinde verteidigen können. Gleichzeitig darf die Feststellung, wer als demokratischer Konkurrent und wer als Feind des Systems gilt, nicht zu einem politischen Instrument werden.

Die Neuausgabe kommt zum richtigen Zeitpunkt

Die Ausgabe 2026 ist keine bloße Neuauflage. Falk hat das 2025 erschienene Buch vollständig überarbeitet und erheblich erweitert.

Seitdem hat sich die politische Lage weiter zugespitzt: neue Verbotsforderungen, die Rolle des Verfassungsschutzes, die mediale Behandlung von AfD-Kandidaten und eine immer härtere Diskussion darüber, wie mit einer starken Oppositionspartei umzugehen ist.

Damit erscheint das Buch zu einem Zeitpunkt, an dem seine Grundfrage kaum aktueller sein könnte:

Wie viel politische Ausgrenzung verträgt eine Demokratie, bevor sie selbst beginnt, ihre demokratischen Prinzipien zu beschädigen?

Man muss Falks Schlussfolgerungen nicht in jedem Punkt teilen, um das Buch lesenswert zu finden.

Im Gegenteil: Gerade Leser, die der AfD kritisch gegenüberstehen, dürften darin einige unangenehme Fragen finden.

Denn „Feindbild AfD“ handelt letztlich weniger davon, ob man die AfD mögen soll.

Es handelt davon, welche Regeln eine Demokratie auch dann einhalten muss, wenn sie mit politischen Kräften konfrontiert ist, die große Teile der Gesellschaft ablehnen.

Fazit

„Feindbild AfD – Wenn der politische Gegner zum Staatsfeind erklärt wird“ ist ein provokantes, streitbares und hochaktuelles politisches Sachbuch.

Seine stärkste Leistung besteht darin, eine einfache Frage zu stellen, die in der aufgeheizten deutschen Debatte erstaunlich selten gestellt wird:

Wer kontrolliert eigentlich die Kontrolleure?

Bewertung: 9/10

Jonathan Falk
Feindbild AfD – Wenn der politische Gegner zum Staatsfeind erklärt wird
Vollständig überarbeitete und erweiterte Ausgabe 2026
Erich Reiss Publishing
Erscheinung: 3. September 2026

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Geschrieben von

Paul Fisher
Paul Fisher
Paul Fisher ist Ökonom, Journalist und konservativer schwuler Autor mit internationaler Perspektive. Er schreibt liberal, unabhängig und kritisch über Politik, Gesellschaft und Freiheit – faktenorientiert, pointiert und ohne Denkverbote.
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