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taz und AfD: Wenn politische Haltung Journalismus verdrängt

Die taz präsentiert sich als linke Nachrichtenseite. Doch ihre Startseite zur Sachsen-Anhalt-Wahl zeigt mehr als Haltung: Abwertende Überschriften, einseitig gewählte Stimmen und offene Kampagnen gegen die AfD verwischen die Grenze zwischen unabhängiger Berichterstattung und politischem Aktivismus.

taz und AfD: Wenn politische Haltung Journalismus verdrängt
taz und AfD: Wenn politische Haltung Journalismus verdrängt. Redaktionelle Idee mit KI umgesetzt

Wie die taz politische Einflussnahme als Berichterstattung präsentiert

Die taz bezeichnet sich selbst als „linke Nachrichtenseite“. Ein Blick auf ihre Startseite vom 25. August 2026 zeigt jedoch, dass es dabei nicht lediglich um eine erkennbare politische Grundhaltung geht. Besonders in der Berichterstattung über die AfD und die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt tritt die Zeitung nicht als unabhängige Beobachterin auf. Sie erscheint vielmehr als politischer Akteur, der ein bestimmtes Wahlergebnis fördern und ein anderes verhindern will.

Kennzeichnend dafür sind die Auswahl der Themen, die einseitige Zusammenstellung der Gesprächspartner und eine Sprache, die politische Gegner nicht analysiert, sondern abwertet. Der Leser soll sich offenbar kein eigenes Urteil bilden. Die gewünschte Bewertung wird ihm bereits durch Überschriften, Bilder und emotionale Deutungen vorgegeben.

Wahlkampf unter dem Etikett des Journalismus

Besonders deutlich wird die politische Einflussnahme im Beitrag „Das Kreuz mit dem Kreuz“. Darin geht es um die Initiativen „Taktisch Wählen“ und Campact, die in Sachsen-Anhalt zur Wahl von Grünen und SPD aufrufen, um eine AfD-Mehrheit zu verhindern.

Eine journalistische Redaktion müsste eine solche Kampagne zunächst kritisch untersuchen: Wer finanziert sie? Welche politischen Interessen stehen dahinter? Mit welchen Methoden sollen Wähler beeinflusst werden? Wie demokratisch ist es, wenn organisierte Interessengruppen versuchen, Stimmen gezielt auf bestimmte Parteien zu verteilen?

Auf der Startseite sind solche Fragen nicht erkennbar. Stattdessen übernimmt die taz die Zielsetzung der Aktivisten weitgehend als redaktionellen Rahmen. Die Kampagne wird nicht aus kritischer Distanz betrachtet, sondern als legitimes Mittel im Kampf gegen einen möglichen Wahlsieg der AfD präsentiert.

Damit überschreitet die Zeitung die Grenze zwischen Berichterstattung und politischer Mobilisierung.

Noch unmissverständlicher ist die Werbung für eine eigene Veranstaltung in Magdeburg. Das verwendete Bild zeigt ein Schild mit der Aufschrift „AfD? Diggi, nee“. Die Veranstaltung trägt den Titel „Wetten, dass … die Demokratie gewinnt?!“.

Diese Formulierung setzt die Niederlage einer bestimmten Partei mit einem Sieg der Demokratie gleich. Umgekehrt wird ein möglicher Wahlerfolg der AfD sprachlich als Niederlage der Demokratie behandelt – unabhängig davon, ob er durch eine freie und demokratische Wahl zustande käme.

Die taz berichtet hier nicht über den politischen Wettbewerb. Sie beteiligt sich daran.

Abwertung ersetzt die sachliche Auseinandersetzung

Besonders auffällig ist das Vokabular, mit dem die Zeitung über die AfD und ihr politisches Umfeld berichtet. Auf einer einzigen Startseite finden sich Formulierungen wie:

  • „Anlasslose Agitation“
  • „Fakten zu einer Wahrnehmungsstörung“
  • „Shit-Show ohne Realitätsabgleich“
  • „Doppel-Demagogie in der Infoschiene“
  • „rechte Kulturkämpfer“
  • „Desinformation“
  • „Wenn die regieren, bin ich weg“

Diese Sprache dient nicht der nüchternen Information. Sie transportiert Verachtung und legt fest, wie die Leser die beschriebenen Personen und Positionen zu bewerten haben.

Auch dort, wo Beiträge formal als Kommentar oder Kolumne gekennzeichnet sind, bleibt die Wirkung auf der Startseite dieselbe: Überschrift, Bild und Ankündigung formen ein geschlossenes Feindbild. Die AfD erscheint nicht als politische Partei, deren Aussagen und Programm überprüft werden, sondern fast ausschließlich als Gefahr, Störung oder moralisches Problem.

Journalistische Arbeit müsste konkrete Behauptungen untersuchen, Primärquellen heranziehen, Widersprüche offenlegen und Gegenpositionen vollständig wiedergeben. Schlagwörter wie „Demagogie“, „Wahrnehmungsstörung“ oder „Shit-Show“ ersetzen diese Arbeit nicht. Sie sollen den politischen Gegner delegitimieren, bevor sich der Leser selbst mit dessen Argumenten beschäftigen kann.

Die Auswahl der Stimmen bestimmt das Ergebnis

Der Beitrag „Wenn die regieren, bin ich weg“ beschäftigt sich mit Menschen, die einen Wahlsieg der AfD fürchten. Genannt werden Queere, Migranten, Künstler und Linke.

Die Sorgen dieser Menschen dürfen selbstverständlich Gegenstand eines Artikels sein. Eine journalistisch ausgewogene Reportage müsste jedoch auch andere Teile der Bevölkerung einbeziehen. Warum wollen Menschen die AfD wählen? Welche Erfahrungen haben sie mit den bisherigen Regierungen gemacht? Welche Rolle spielen Migration, wirtschaftliche Unsicherheit, Energiepolitik, öffentliche Sicherheit oder das Gefühl mangelnder politischer Repräsentation?

Außerdem müsste geprüft werden, welche Befürchtungen durch das Parteiprogramm oder konkrete Aussagen tatsächlich belegt sind. Stattdessen wird bereits durch die Auswahl der Gesprächspartner eine eindeutige Erzählung erzeugt: Ein Wahlsieg der AfD führe dazu, dass bestimmte Menschen ihre Heimat verlassen müssten.

Die gegenteilige Perspektive fehlt. Menschen, die sich von anderen Parteien nicht mehr vertreten fühlen oder die wegen der bisherigen Politik über einen Wegzug nachdenken, kommen in dieser Darstellung nicht vor.

Das ist kein Zufall. Wer ausschließlich Stimmen auswählt, die eine vorgefertigte These bestätigen, führt keine offene Recherche durch. Er produziert die gewünschte politische Botschaft.

Unterschiedliche Maßstäbe für unterschiedliche Parteien

Wie einseitig die redaktionellen Maßstäbe ausfallen, zeigt der Vergleich mit der Berichterstattung über die Linkspartei. Deren Neun-Punkte-Plan wird unter der Überschrift „Mit einem ‚Zukunftsfonds‘ gegen die AfD“ vorgestellt. Laut Ankündigung unterstreiche die Partei damit ihren „Gestaltungsanspruch“.

Die Linke wird mit positiv besetzten Begriffen wie „Zukunft“ und „Gestaltung“ verbunden. Bei der AfD dominieren dagegen Wörter wie „Agitation“, „Demagogie“, „Desinformation“ und „Angst“.

Eine vergleichbar kritische Prüfung des linken Programms ist auf der Startseite nicht zu erkennen. Es wird nicht gefragt, ob der sogenannte Zukunftsfonds finanzierbar ist, welche Belastungen daraus entstehen könnten oder ob die versprochenen Wirkungen realistisch sind. Die Selbstdarstellung der Linkspartei wird in einer wohlwollenden Sprache wiedergegeben.

Bei der AfD gilt ein anderer Maßstab. Dort werden Aussagen nicht nur geprüft oder kritisiert, sondern regelmäßig mit moralischen und psychologischen Wertungen versehen. Während die eine Seite als konstruktive politische Kraft erscheint, wird die andere Seite zum Feindbild aufgebaut.

Auch bei Migration und Klima steht die Bewertung vorher fest

Das Muster beschränkt sich nicht auf die Parteipolitik. Über die Berliner Bezahlkarte für Asylbewerber berichtet die taz unter der Überschrift „Kein Fahrschein, kein Anwalt, kein Döner“. Schon diese Wortwahl gibt die Interpretation vor: Die Maßnahme grenze Menschen aus.

Andere Fragen treten in den Hintergrund. Warum wurde die Bezahlkarte eingeführt? Welche Probleme soll sie lösen? Welche Erfahrungen gibt es mit Missbrauch, Überweisungen ins Ausland oder dem Verwaltungsaufwand? Welche Argumente führen die Befürworter an?

Auch beim Thema Klima wird die politische Schlussfolgerung häufig bereits in der Überschrift geliefert. Ein Beitrag über angebliche Milliardenschäden eines heißen Sommers trägt den Titel „Wieder kein Wendepunkt“. Als Quelle wird Greenpeace genannt – eine Organisation mit eigenen politischen Zielen. Eine kritische Prüfung ihrer Berechnung, der verwendeten Modelle und möglicher Gegenpositionen ist in der Präsentation nicht erkennbar.

Aktivistische Organisationen werden offenbar dann bevorzugt als glaubwürdige Instanzen behandelt, wenn ihre Aussagen zur politischen Linie der Redaktion passen.

Ein geschlossenes politisches Gesamtbild

Die einzelnen Beiträge stehen nicht isoliert nebeneinander. Gemeinsam erzeugen sie ein weitgehend geschlossenes Weltbild:

Die AfD erscheint als Gefahr. Linke Parteien und Organisationen erscheinen als Gegenkräfte. Kampagnen gegen rechts gelten als demokratisches Engagement. Die Sorgen ausgewählter gesellschaftlicher Gruppen erhalten große Aufmerksamkeit, während die Beweggründe von AfD-Wählern kaum ernsthaft untersucht werden. Klimapolitische und migrationspolitische Positionen werden überwiegend aus einer aktivistischen Perspektive betrachtet.

Hinzu kommen Eigenwerbung und redaktionelles Umfeld. Die taz verkauft ein Probeabonnement gemeinsam mit einer „Linken Socke“. Ihr Unterstützungsmodell wird unter dem Motto „Nimm zwei gegen rechts“ beworben. Eine Podcastfolge trägt den Titel „Enteignung ist die halbe Miete“.

Jede Zeitung darf eine politische Haltung vertreten. Doch hier wird diese Haltung nicht auf einzelne Kommentare beschränkt. Sie bestimmt die gesamte Präsentation: Themenauswahl, Überschriften, Bilder, Gesprächspartner, Veranstaltungen und Werbung greifen ineinander.

Der Leser soll nicht urteilen, sondern folgen

Unabhängiger Journalismus zeichnet sich nicht dadurch aus, dass eine Redaktion keine Meinung besitzt. Entscheidend ist, ob sie bereit ist, die eigene Position infrage zu stellen, Gegenargumente fair abzubilden und politische Akteure nach vergleichbaren Maßstäben zu beurteilen.

Genau daran bestehen bei der untersuchten taz-Seite erhebliche Zweifel.

Statt die AfD und ihre Wähler ergebnisoffen zu untersuchen, arbeitet die Zeitung mit abwertenden Etiketten und Bedrohungsszenarien. Statt Kampagnen zur Beeinflussung einer Wahl kritisch zu hinterfragen, gibt sie ihnen eine prominente Bühne. Statt unterschiedliche gesellschaftliche Erfahrungen abzubilden, wählt sie bevorzugt jene Stimmen aus, die das eigene politische Narrativ bestätigen.

Das Ergebnis ist keine neutrale Berichterstattung, sondern politischer Aktivismus in journalistischer Form. Die taz beschreibt den demokratischen Wettbewerb nicht aus der Distanz. Sie greift in ihn ein und unterstützt offen eine Seite.

Wer eine Partei kritisieren will, muss dafür überprüfbare Tatsachen, vollständige Zitate und nachvollziehbare Argumente liefern. Wer stattdessen mit Begriffen wie „Shit-Show“, „Demagogie“ und „Wahrnehmungsstörung“ arbeitet, betreibt vor allem Stimmungsmache.

Auf dieser Startseite wird dem Leser nicht das Material für ein eigenes Urteil angeboten. Das Urteil wird gleich mitgeliefert. Mit neutraler Berichterstattung hat das wenig zu tun.

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Geschrieben von

Paul Fisher
Paul Fisher
Paul Fisher ist Ökonom, Journalist und konservativer schwuler Autor mit internationaler Perspektive. Er schreibt liberal, unabhängig und kritisch über Politik, Gesellschaft und Freiheit – faktenorientiert, pointiert und ohne Denkverbote.
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