Das digitale Tribunal: Wie die linke Hassblase Kritik durch Beschimpfung ersetzt

Wütende Kommentare auf Threads entlarven die Hilflosigkeit der linken Filterblase. Warum sachliche Analysen der Vossischen Zeitung zu Alice Weidel, dem Burkini-Zwang und der konservativen Jugend im Netz regelrechte Paranoia auslösen und warum die nackte Realität die Kritiker so triggert.

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Das digitale Tribunal: Wie die linke Hassblase Kritik durch Beschimpfung ersetzt
Threads-Shitstorm: Fakten im Filterblasen-Rauschen

Wer die Vossische nicht widerlegen kann, erklärt sie zur „rechtsextremen Bullenscheiße“ – ein Blick in die intellektuelle Verwahrlosung der sozialen Medien

Die öffentliche Debatte im Deutschland des Jahres 2026 folgt zunehmend einem bemerkenswert primitiven Ritual: Eine Redaktion veröffentlicht eine Analyse, die nicht in das vertraute Weltbild der linken Plattformmehrheit passt. Wenige Minuten später erscheinen die ersten Kommentare.

Nicht mit Zahlen.

Nicht mit Quellen.

Nicht mit Gegenargumenten.

Sondern mit Begriffen wie „Nazis“, „Faschos“, „Bullenscheiße“, „Gekotze“ und „Nachwuchsfascho“.

Das Urteil steht fest, bevor der Artikel überhaupt gelesen wurde.

Die Vossische sei angeblich „rechtsradikal“. Ihre Autoren seien „ungebildet“. Wer eine KI-Illustration verwende, könne keine seriösen Argumente besitzen. Wer den politischen Aufstieg Alice Weidels analysiere, müsse selbst AfD-Anhänger sein. Wer ein Urteil über Burkinis und das private Hausrecht kritisiere, sei ein Rassist. Und wer darauf hinweist, dass sich Teile der Jugend politisch nach rechts bewegen, müsse dumm sein.

So funktioniert das digitale Tribunal.

Es prüft keine Argumente. Es verteilt Etiketten.

Es diskutiert nicht. Es denunziert.

Es liest nicht. Es reagiert.

Gerade deshalb sollte man diese Kommentare nicht einfach löschen. Man sollte sie dokumentieren und ihren öffentlichen Urhebern zuordnen. Denn die Aussagen wurden nicht in einem vertraulichen Gespräch gemacht. Sie stehen öffentlich im Netz und sollen dort andere Menschen, Journalisten und Medien diffamieren.

Wer öffentlich austeilt, muss damit leben, öffentlich zitiert zu werden.

Die Vossische als Feindbild

Die Vossische veröffentlicht Kommentare, Analysen, Reportagen und journalistische Zuspitzungen aus unterschiedlichen politischen Perspektiven. Sie kritisiert staatliches Versagen, linke Gewalt, islamistische Strukturen, wirtschaftspolitische Fehlentscheidungen und gesellschaftliche Denkverbote. Sie setzt sich aber ebenso kritisch mit Entwicklungen innerhalb der AfD auseinander.

Doch für eine ideologisch geschlossene Blase existieren solche Unterschiede nicht.

Dort gilt:

Wer links kritisiert, ist rechts.

Wer Migration problematisiert, ist rassistisch.

Wer die AfD analysiert, unterstützt sie.

Wer Alice Weidel nicht als Karikatur beschreibt, betreibt Propaganda.

Wer dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk widerspricht, ist unseriös.

Der Account @rechtemedieninfo bringt diese Form der geistigen Selbstentlastung besonders anschaulich auf den Punkt:

„Dieses ‚Vossische Gekotze‘ ist rechtsextreme Bullenscheiße.“

Das ist keine Kritik. Das ist ein verbaler Wutanfall.

Welche Aussage des Artikels falsch war, erfährt der Leser nicht. Welche Zahl angezweifelt wird, bleibt offen. Welche politische Einordnung korrigiert werden müsste, wird nicht genannt.

An die Stelle der Argumentation tritt die Beschimpfung.

Ähnlich verhält sich @wuschmaster74:

„Was für geistiger Dünnschiss. Genau diese hirnlose Einstellung hat Deutschland zurückgeworfen.“

Auch hier: kein Beleg, keine Widerlegung, keine Analyse.

Nur ein Etikett.

Noch weiter nach unten greift @461lollo:

„So ein Schwachsinn..hör auf zu saufen.. geh arbeiten Harzer“

Dass „Hartz“ hier auch noch falsch geschrieben wird, ist fast nebensächlich. Entscheidend ist das dahinterliegende Niveau: Wer einen Artikel nicht widerlegen kann, unterstellt dem Autor Alkoholismus, Arbeitslosigkeit und soziale Verwahrlosung.

So sieht die angeblich gebildete und moralisch überlegene Blase aus, sobald sie Widerspruch erlebt.

Wenn politische Analyse zum „Durchmarsch nach Moskau“ wird

Auslöser der jüngsten Empörungswelle war unter anderem die Analyse des Erfurter AfD-Parteitags und der innerparteilichen Machtverschiebung zugunsten Alice Weidels.

Man kann die AfD ablehnen. Man kann Weidel für ungeeignet halten. Man kann ihre Politik kritisieren, ihre Rhetorik angreifen und ihre strategische Ausrichtung für gefährlich erklären.

Das wäre politische Auseinandersetzung.

Stattdessen schreibt @matthias73983:

„Äh, von welchem Land redest du? In Deutschland ist es jedenfalls nicht so! 78 % stabil gegen AfD, durchmarsch wohin? Nach Moskau? Bitteschön, dann geh!“

Die Rechnung klingt einfach: Wenn eine Partei 22 Prozent erreicht, seien automatisch 78 Prozent geschlossen gegen sie.

Nach derselben Logik wären allerdings nahezu alle deutschen Parteien von überwältigenden Mehrheiten abgelehnt. Eine Partei mit 17 Prozent hätte dann 83 Prozent gegen sich, eine Partei mit zwölf Prozent sogar 88 Prozent.

Politische Macht funktioniert nicht so.

Parteien benötigen keine Zustimmung von hundert Prozent der Bevölkerung. Sie benötigen Wahlergebnisse, Koalitionsoptionen, regionale Hochburgen, strategische Führung und gesellschaftliche Dynamik.

Der Begriff „Durchmarsch“ bezog sich zudem erkennbar auf Weidels innerparteilichen Machtgewinn und die Veränderung der Führungsstruktur – nicht auf eine plötzlich erreichte absolute Mehrheit im Bundestag.

Auch @tommyforfuture verwechselt Prozentrechnung mit politischer Analyse:

„Aktuell sind 72% des Landes gegen euch. Was faselst du dir da eigentlich zusammen? Das kommt davon, wenn man als Kind die Klebestifte von Pritt gefressen hat.“

Bemerkenswert ist das Wort „euch“.

Die Vossische berichtet über die AfD und wird dadurch automatisch der AfD zugerechnet. Journalistische Distanz existiert in diesem Lagerdenken nicht.

Wer einen Wahlerfolg der Grünen analysiert, wird schließlich auch nicht automatisch Mitglied der Grünen. Wer über Strategien der SPD schreibt, ist nicht zwangsläufig Sozialdemokrat. Nur bei der AfD scheint ein Teil des linken Publikums diese elementare Unterscheidung nicht mehr zu beherrschen.

Zwischen legitimer Kritik und infantilem Fäkalhumor

Manche Reaktionen verlassen selbst das niedrige Niveau politischer Beschimpfung und landen beim Kindergartenhumor.

@rainer.martini59 schreibt:

„Weidels Durchmarsch🤭😎, hoffe, sie hat es noch rechtzeitig zur Toilette geschafft💩😂😂😎“

Das soll offenbar politische Kritik darstellen.

Man kann über Alice Weidels Politik seitenlang diskutieren. Man kann ihre Entscheidungen, ihre Reden und ihre Parteiführung analysieren. Doch wer bei dem Wort „Durchmarsch“ lediglich an Durchfall denkt, beweist nicht die Schwäche des Artikels, sondern die Grenzen des eigenen Assoziationsvermögens.

Auch @friedrichmerkle begnügt sich mit:

„Wunschdenken! 😂“

Weshalb es Wunschdenken sein soll, welche These falsch ist und welche Entwicklung anders bewertet werden müsste, bleibt offen.

Die Smileys müssen das Argument ersetzen.

Warum Alice Weidel anders wirkt als Höcke oder Chrupalla

Besonders realitätsfern ist die Weigerung, strategische und personelle Unterschiede innerhalb der AfD überhaupt wahrzunehmen.

Für einen Teil der linken Kommentarblase ist jedes AfD-Mitglied identisch. Alice Weidel, Björn Höcke und Tino Chrupalla werden zu einer einzigen politischen Figur verschmolzen.

Doch genau diese Unterschiede sind politisch entscheidend.

Alice Weidel spricht andere Wählerschichten an als Höcke. Sie besitzt eine andere Biografie, einen anderen Tonfall und ein anderes gesellschaftliches Profil. Sie ist promovierte Ökonomin, international berufserfahren, lebt offen homosexuell und tritt in einem bürgerlicheren Habitus auf als Teile des ostdeutschen Parteiflügels.

Das bedeutet nicht, dass ihre Politik richtig sein muss.

Es bedeutet, dass sie für bestimmte bürgerliche Wähler anschlussfähiger sein kann als Höcke oder Chrupalla.

Diese nüchterne Feststellung löst bei @lokverdreher offenbar Heiterkeit aus:

„Die AfD wird für bürgerliche Wähler wählbarer, ich lach mich schlapp. Diese keifende und zeternde Frau soll wählbar sein???“

Das ist kein Gegenargument.

Wählbarkeit richtet sich nicht danach, ob ein Threads-Nutzer eine Politikerin sympathisch findet. Sie zeigt sich in Wahlergebnissen, Umfragen, Milieuverschiebungen und darin, ob eine Partei neue Wählergruppen erreicht.

Noch deutlicher wird die moralische Doppelmoral bei @victorboris07:

„Diese überhebliche Weidel Bratze.😂 Komplett inkompetent, versucht sie ihre Dummheit mit Beschimpfungen zu übertünchen.“

Ausgerechnet Menschen, die sich gewöhnlich als Verteidiger von Respekt, Gleichberechtigung und Frauenrechten präsentieren, greifen bei einer missliebigen Politikerin zur abwertenden Beschreibung ihres Äußeren.

Das ist keine feministische Kritik.

Es ist Frauenverachtung im Gewand politischer Moral.

Die Politikerin, die nicht in das linke Identitätsschema passt

Alice Weidel löst in dieser Blase nicht nur wegen ihrer Partei Aggressionen aus. Sie passt auch nicht in das vertraute identitätspolitische Raster.

Eine offen lesbische Frau soll nach diesem Weltbild links wählen, linke Organisationen unterstützen und sich als Teil einer politischen Opfergemeinschaft verstehen.

Weidel verweigert diese Rolle.

Damit beweist sie, dass sexuelle Orientierung keine politische Gesinnung vorschreibt. Homosexuelle Menschen sind keine geschlossene linke Wählergruppe. Eine lesbische Frau kann konservativ oder nationalkonservativ sein. Ein schwuler Journalist kann linke Politik kritisieren.

Diese Selbstverständlichkeit erzeugt bei manchen Kommentatoren offenbar einen erheblichen Dissonanzschmerz.

@markwitzdieter schreibt:

„Sowas gehört weggesperrt nach Russland.“

Man muss diesen Satz ernst nehmen.

Eine Politikerin soll wegen ihrer politischen Haltung „weggesperrt“ und nach Russland verfrachtet werden. Ausgesprochen wird das von einem Milieu, das sich selbst vermutlich für demokratisch und tolerant hält.

Die demokratische Maske verrutscht, sobald jemand die falsche Meinung vertritt.

Der Angriff auf Paul Fisher

Besonders abstoßend wird die digitale Hetze, wenn sie sich gegen junge Autoren richtet.

Paul Fisher ist 23 Jahre alt. Er ist ein junger Journalist, der sich mit gesellschaftlichen Konflikten auseinandersetzt, Position bezieht und seine Texte unter seinem Namen veröffentlicht. Er lebt offen schwul und lässt diese Perspektive auch in Artikel über queeres Leben, gesellschaftliche Freiheit und bedrohte Schutzräume einfließen.

Man muss seine Schlussfolgerungen nicht teilen.

Man darf seine Artikel kritisieren.

Man darf ihm sachliche Fehler vorhalten.

Doch genau das tut @queenofthebottom nicht:

„So ein 23-jähriger Nachwuchsfascho der von Tuten und blasen keine Ahnung hat erklärt in irgendeinem Käseblättchen die Welt die er nicht versteht und irgendein ebenso dämlicher Hanswurst macht daraus dann Burkazwang.“

Dieser Satz offenbart mehr über seinen Urheber als über Paul Fisher.

Ein junger Mensch wird nicht wegen eines konkreten Fehlers kritisiert, sondern wegen seines Alters herabgewürdigt. Gleichzeitig wird er zum „Nachwuchsfascho“ erklärt, ohne dass eine faschistische Aussage benannt wird.

Es ist dieselbe politische Blase, die sonst fordert, junge Stimmen müssten endlich gehört werden.

Offenbar gilt das nur für junge Menschen mit der richtigen Gesinnung.

Ein 23-jähriger Klimaaktivist wird zur Stimme seiner Generation erklärt. Ein junger linker Kolumnist gilt als mutiger Nachwuchsautor. Ein 23-jähriger konservativer Journalist soll dagegen schweigen, weil er angeblich „die Welt nicht versteht“.

Das ist keine Unterstützung junger Menschen.

Das ist ideologische Altersdiskriminierung.

Paul Fisher steht zudem offen zu seiner Homosexualität. Gerade deshalb widerlegt er die Vorstellung, homosexuelle Journalisten müssten automatisch links schreiben.

Die viel beschworene Vielfalt endet bei seinen Kritikern genau dort, wo die Vielfalt der Meinungen beginnt.

Tel Aviv als angeblicher Beweis mangelnder Glaubwürdigkeit

Noch tiefer sinkt die Debatte, wenn biografische Stationen eines Journalisten zum Verdachtsmoment gemacht werden.

@hannes_jaky schreibt:

„Quelle: Ein Block in dem willkürlich Leute etwas posten. Und dieser Herr Berger machte seine journalistische Ausbildung in den Staaten und Tel Aviv, Vertrauenswürdgkeit ist nicht gegeben.“

Abgesehen von Rechtschreibung und Grammatik bleibt eine Frage offen: Warum soll eine Ausbildung in den Vereinigten Staaten oder in Tel Aviv gegen die Vertrauenswürdigkeit eines Journalisten sprechen?

Welche fachliche Schlussfolgerung folgt daraus?

Keine.

Die genannten Orte sollen offenbar bereits Misstrauen erzeugen. Statt den Artikel zu prüfen, wird die Biografie des Autors unter Verdacht gestellt.

Das ist keine Quellenkritik.

Es ist Ressentiment durch Andeutung.

Der Kampf gegen KI-Bilder

Eine besondere intellektuelle Bankrotterklärung ist die Fixierung auf KI-generierte Titelbilder.

@simon_rebird schreibt:

„Rechte immer mit ihren dummen KI Bildern. Die sind genauso billig wie die ganze rechte Ideologie. Wer rechts wählt, wählt dumm ❗️“

Die Logik ist atemberaubend.

Eine digitale Illustration beweist angeblich die politische Ausrichtung einer Redaktion. Diese politische Ausrichtung beweist wiederum die Dummheit ihrer Leser. Und weil die Leser angeblich dumm sind, muss man sich mit dem Inhalt nicht mehr beschäftigen.

@bjarne_drkt formuliert ähnlich:

„Wenn du KI brauchst um deinen Punkt zu machen, ist dein Punkt mit ziemlicher Sicherheit Scheiße.“

Ein Titelbild ist kein wissenschaftlicher Beleg. Es illustriert das Thema eines Beitrags. Die Argumente stehen im Text.

Wer das Bild angreift, ohne den Artikel zu widerlegen, bestätigt unfreiwillig, dass ihm gegen den Inhalt wenig einfällt.

Auch @domingo_060 fragt:

„Ein KI Bild und keine qualitative Quelle... Was soll sowas?“

Die Frage wäre berechtigt, wenn sich der gesamte Beitrag tatsächlich nur auf ein Bild stützte. Doch wer einen Artikel nicht liest und anschließend behauptet, es gebe keine Quellen, verwechselt die eigene Unkenntnis mit einem redaktionellen Mangel.

„Nazi“ als Universalwort für alles Unerwünschte

Besonders häufig fällt das Wort „Nazi“.

Nicht als präziser historischer Begriff. Nicht als Ergebnis einer Analyse. Sondern als Universalbeschimpfung für alles, was nicht links genug erscheint.

@sephiroth_marcel schreibt:

„Nazis. Bis Faschisten.“

@afd_verbot_jetzt_sofort spricht von einer:

„menschenverachtenden, verfassungswidrigen, hetzerischen, verlogenen und nazihaftenden Partei“

@meke_konzertfotografie erklärt:

„Schade,dass Du so saudumm bist, aber was erwartet man von Nazis?“

Und @chresty_x fragt:

„Was ist denn das für ein faschistisches Kampfblatt?“

Die Inflation dieser Begriffe ist nicht nur sprachlich armselig. Sie verharmlost den historischen Nationalsozialismus.

Wenn jede Kritik an Migration, jede konservative Analyse, jede Debatte über Hausrecht und jede Beschreibung eines AfD-Parteitags bereits faschistisch sein soll, verliert der Begriff jede analytische Bedeutung.

Dann bezeichnet „Nazi“ keinen Nationalsozialisten mehr, sondern nur noch einen Menschen, den der Kommentator nicht mag.

Der Burkini und die angeblich tolerante Meute

Ähnlich aggressiv reagierten Kommentatoren auf die Kritik am Salzburger Urteil zur Zulässigkeit von Burkinis in einem Hotelpool.

Hier hätte man über Hausrecht, Diskriminierungsschutz, Hygieneregeln, Religionsfreiheit und Vertragsfreiheit diskutieren können.

Stattdessen schreibt @keinhanuta:

„Burkinizwang🤦‍♀️ Junge, mach eine Therapie.“

@_micha_aus_wedel fragt:

„Kann es sein, dass du ziemlich unbegabt im Denken bist?“

@le_losangiste schreibt:

„Sag mir dass Du ein rassistisches Stück Scheiße bist dass keine soziale Teilhabe für Musliminnen wünscht ohne zu sagen dass Du ein rassistisches Stück Scheiße bist.“

Es wäre durchaus möglich gewesen, den Begriff „Burkini-Zwang“ sachlich zu kritisieren. Man könnte argumentieren, dass das Urteil keinen Zwang zum Tragen eines Burkinis schaffe, sondern ein Verbot aufhebe.

Das wäre ein juristischer und sprachlicher Einwand.

Stattdessen wird der Autor beleidigt, pathologisiert und zum Rassisten erklärt.

Andere Kommentatoren unterstellen sexuelle Motive.

@.jxlia.0808. schreibt:

„Angepisst, dass du keine halbnacken Frauen begaffen kannst? Oder woher die Amgst vor nem Stück Stoff?“

@egypthibiscus behauptet:

„Ihr wollt lieber Frauen halb nackt begaffen.“

@miss_rabbit_habit fragt:

„Dass die alten Säcke dann nicht mehr Frauen in knapper Badekleidung ansabbern können?“

Besonders absurd ist dies, wenn sich die Angriffe gegen einen offen schwulen Journalisten richten.

Die Kommentatoren erfinden einen heterosexuellen Voyeurismus, der mit dem Autor erkennbar nichts zu tun hat. Sie kennen weder seine Motivation noch seinen Lebensweg, glauben aber, seine sexuellen Absichten diagnostizieren zu können.

So funktioniert die Filterblase: Fakten werden nicht geprüft. Sie werden erfunden, wenn sie zur gewünschten Empörung passen.

Eine Vierparteienkoalition ist nicht automatisch Stabilität

Ein weiterer Realitätsverlust zeigt sich in der Behauptung, alle Wähler außerhalb der AfD bildeten einen geschlossenen demokratischen Block.

Das ist falsch.

Ein CDU-Wähler besitzt nicht automatisch dieselben politischen Vorstellungen wie ein Wähler der Linkspartei. Ein FDP-Anhänger verfolgt andere wirtschaftspolitische Ziele als ein Grünen-Wähler. Das BSW unterscheidet sich in zentralen Fragen fundamental von Grünen und SPD.

Eine Vierparteienregierung, die von links bis weit in die CDU reicht, wäre deshalb nicht automatisch ein Ausdruck politischer Stabilität. Sie könnte ebenso ein Zeichen dafür sein, dass Parteien mit widersprüchlichen Programmen nur noch durch die gemeinsame Abwehr eines Konkurrenten zusammengehalten werden.

Eine Regierung benötigt mehr als ein gemeinsames Feindbild.

Sie braucht ein gemeinsames politisches Projekt.

Andernfalls entstehen Dauerstreit, verwässerte Kompromisse und der Eindruck, dass Wahlen kaum noch echte Richtungsentscheidungen ermöglichen.

Wer darauf hinweist, ist nicht automatisch AfD-Anhänger. Er beschreibt ein strukturelles Problem moderner Koalitionspolitik.

Die selbst ernannte Bildungsblase

Besonders auffällig ist, wie häufig die Kommentatoren andere Menschen als ungebildet oder dumm darstellen.

@udogehlkopf erklärt die politische Rechtsentwicklung junger Menschen mit zwei Worten:

„Fehlende Bildung!“

@simon_rebird verkündet:

„Wer rechts wählt, wählt dumm ❗️“

@tommyforfuture behauptet:

„Das kommt davon, wenn man als Kind die Klebestifte von Pritt gefressen hat.“

@_micha_aus_wedel fragt:

„Kann es sein, dass du ziemlich unbegabt im Denken bist?“

Doch wer keine Argumente formuliert, keine Quellen prüft und keinen politischen Zusammenhang differenziert betrachtet, sollte mit Urteilen über die Intelligenz anderer vorsichtig sein.

Bildung zeigt sich nicht darin, das erwünschte Schimpfwort im richtigen Moment zu verwenden.

Bildung zeigt sich in der Fähigkeit, eine Position korrekt wiederzugeben, ihre stärksten Argumente zu erkennen und sie anschließend sachlich zu widerlegen.

Genau daran scheitern viele dieser Kommentare.

Die Vossische wird weiterschreiben

Die Vossische wird sich von diesem digitalen Tribunal nicht einschüchtern lassen.

Sie wird politische Machtverschiebungen analysieren, auch wenn das Ergebnis einem Teil der Leser nicht gefällt.

Sie wird über gesellschaftliche Konflikte berichten, die etablierte Medien nur ungern behandeln.

Sie wird linke, rechte, religiöse und staatliche Machtstrukturen kritisieren.

Sie wird jungen Journalisten Raum geben, auch wenn anonyme Accounts glauben, ein Autor müsse erst ein bestimmtes Alter und die richtige Gesinnung besitzen, bevor er eine Meinung äußern dürfe.

Und sie wird homosexuelle Autoren nicht auf eine politisch erwünschte Rolle reduzieren.

Paul Fisher muss nicht links schreiben, um offen schwul sein zu dürfen. Er muss niemanden um Erlaubnis bitten, seine Erfahrungen und seine Perspektive in seine journalistische Arbeit einfließen zu lassen.

Pluralismus bedeutet nicht, dass alle unterschiedlich aussehen und dasselbe denken.

Pluralismus bedeutet, dass Menschen unterschiedlich leben und unterschiedlich denken dürfen.

Der Lärm ist kein Argument

Am Ende bleibt von der Empörungswelle wenig übrig.

Viele Beschimpfungen.

Zahlreiche Nazi-Vergleiche.

Fäkalhumor.

Unterstellungen über Alkohol, Sexualität, Bildung und psychische Gesundheit.

Aber kaum eine ernsthafte Widerlegung.

Das digitale Tribunal ist laut, weil es argumentativ schwach ist. Es setzt auf moralische Einschüchterung, weil es den Verlust seiner kulturellen Deutungshoheit spürt. Es ruft „rechtsradikal“, weil dieser Begriff lange genügte, um jede Debatte zu beenden.

Doch diese Methode nutzt sich ab.

Je häufiger Journalisten, politische Gegner und gewöhnliche Leser unterschiedslos als Nazis, Faschos oder Rassisten bezeichnet werden, desto deutlicher wird, dass diese Begriffe nicht mehr der Beschreibung dienen.

Sie sollen Menschen zum Schweigen bringen.

Genau deshalb muss man die öffentlichen Urheber solcher Aussagen nennen.

Nicht, um sie privat zu verfolgen.

Nicht, um persönliche Daten offenzulegen.

Sondern damit ihre öffentlich verbreiteten Worte auffindbar bleiben und jeder selbst beurteilen kann, welches Diskussionsniveau sich hinter der vermeintlich toleranten Fassade verbirgt.

Wer öffentlich „rechtsextreme Bullenscheiße“ ruft, wer einen 23-jährigen schwulen Journalisten als „Nachwuchsfascho“ beschimpft und wer Andersdenkende nach Russland „wegsperren“ lassen möchte, hat sich selbst in die öffentliche Debatte gestellt.

Nun steht er dort.

Mit Ross und Reiter.

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